Top-Management in der Pflicht

9 Security Trends 2017

| Redakteur: Ines Stotz

Industrie und kritische Infrastrukturen sind mehr denn je der Gefahr unberechtigter Zugriffe ausgesetzt. Deshalb müssen funktionale Sicherheit und Cyber Security noch stärker Hand in Hand arbeiten.
Industrie und kritische Infrastrukturen sind mehr denn je der Gefahr unberechtigter Zugriffe ausgesetzt. Deshalb müssen funktionale Sicherheit und Cyber Security noch stärker Hand in Hand arbeiten. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Was sind die wichtigsten Themen der Cyber Security und wie können sich Unternehmen für die Herausforderungen der nächsten Monate wappnen? Eine Einschätzung haben führende Security Analysts von TÜV Rheinland in den Cyber Security Trends 2017 veröffentlicht.

In den vergangenen Jahren haben sich Unternehmen sensibler für die Bedrohungslage gezeigt und Cyber-Security-Budgets kontinuierlich erhöht. Angesichts der Dynamik und Komplexität der technologischen Entwicklung im Kontext der digitalen Transformation haben viele Organisationen allerdings durchaus Bedarf, ihre Cyber-Security-Strategie einem kritischen Review zu unterziehen. Mit welchen Risiken Unternehmen und Öffentliche Hand in den nächsten Monaten genau zu rechnen haben, hat TÜV Rheinland in den Cyber Security Trends 2017 (Download hier) festgehalten.

Experten von TÜV Rheinland für Cyber Security in Deutschland, den USA, Europa und IMEA kommen darin unter anderem zu dem Schluss, dass wir einem Zeitalter signifikanter Datenverletzungen entgegengehen. „Die daraus resultierende Fülle und Verfügbarkeit an sensiblen Informationen über Menschen und Systeme werden zwangsläufig zu einem erhöhten Anpassungsdruck für gegenwärtige Cyber-Security-Strategien führen“, ist Björn Haan, Geschäftsführer im Geschäftsfeld Cyber Security, ICT & Business Solutions TÜV Rheinland, überzeugt.

Ergänzendes zum Thema
 
IT-Sicherheits-Kongress TÜV Rheinland: Strategien rund um die sichere digitale Transformation

Managementgerechte Kommunikation, um Bewusstsein für Cyber Security zu schaffen

Angesichts dieser Aufgabe ist auch klar: Dem Top-Management kommt mehr denn je eine Schlüsselrolle zu. Ein Bewusstsein für Cyber Security als Wettbewerbsvorteil und erfolgskritischer Faktor ist nicht nur eine Frage des fachlichen Verständnisses, sondern auch eine Aufgabe der Kommunikation zwischen CISO, CIO und CEO. Wichtig ist, dass Spezialisten für Cyber Security ihre Inhalte managementgerecht und verständlich formulieren. Frank Luzsicza, Leiter des Geschäftsbereichs ICT & Business Solutions bei TÜV Rheinland, fordert einen generellen Paradigmenwechsel. „Cyber Security muss Teil des Business Cases sein und darf nicht als reiner Kostentreiber gesehen werden. Cyber Security ist idealerweise sowohl Risiko-Beratung als auch Business Enabler.“

Die 9 Cyber Security Trends von TÜV Rheinland im Kurzüberblick:

1. Die Wucht der Attacken steigert sich. Wer trägt die Verantwortung?

Weitere Angriffswellen werden folgen, neu ist die Wucht, mit der die Attacken geführt werden. Das wirft die zentrale Frage auf, wie sicher die vernetzen Geräte, die IT-Netzwerke und die Infrastrukturen sind. Wer trägt die Verantwortung, wenn Cyber-Security-Maßnahmen nicht ausreichen? Müssen Auflagen und Kontrollen weiter verschärft werden?

2. Das Internet der Dinge erfordert verbindliche Sicherheitsstandards.

Smarte Geräte werden immer beliebter, umso dringender wird der Schutz der Privatsphäre. Eher früher als später werden Hersteller vernetzter Geräte höhere Sicherheitsstandards einführen müssen. Freiwillige oder verpflichtende Cyber-Security-Prüfungen und Zertifizierungen für vernetzte IoT-Geräte (IoT = Internet of Things, Internet der Dinge) vor der Markteinführung werden wahrscheinlicher.

3. 2017 wird das Jahr der Cloud-Security-Lösungen.

Die Sensibilität dafür, dass beim Einsatz von Cloud Services das IT-Netzwerk noch besser abgesichert werden muss, steigt. Sicherheitslösungen, die den Netzwerkverkehr zwischen dem Cloud-nutzenden Unternehmen und dem Cloud Service Provider überwachen, werden verstärkt nachgefragt. Außerdem ist die Cloud selbst immer häufiger Quelle für den Abruf von Sicherheitslösungen, darunter Echtzeit-Sicherheitsanalysen und die Detektion von Anomalien durch Künstliche Intelligenz (maschinelles Lernen), aber auch Managed Services für Security Data Analytics, Continuous Monitoring und Incident Response Advisory Services.

4. Das neue Traumpaar: IAM und die Cloud.

IAM (Identity-and-Access-Management) und Cloud werden zur neuen äußeren Verteidigungslinie der Organisation. Cloud-Strategien werden stärker mit dem Bereich Rechte-, Zugriffs- und Password-Management verzahnt. Das Ergebnis sind eine konsistente Verwaltung von Benutzern und Berechtigungen über Rollen sowie eine sichere und benutzerfreundliche Authentisierung.

5. Bevorzugte Angriffsziele: Patientenakten und Medizingeräte.

Das Gesundheitswesen steht 2017 noch stärker im Fadenkreuz der Hacker. Medizinische Einrichtungen werden überzeugende Antworten dafür finden müssen, wie sie vernetzte medizinische Geräte in ihrem Netzwerk und sensible Patientendaten künftig besser schützen wollen. Hersteller von Medizingeräten ziehen immer öfter unabhängige Dritte zu Sicherheitsaudits heran, um den verschärften Datenschutzanforderungen in Europa genügen zu können.

6. Managed Security Services: Es geht nicht mehr ohne.

Viele Unternehmen stehen der Auslagerung von Cyber Security an externe Partner nach wie vor kritisch gegenüber. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels wird Vertrauen zu einem kompetenten externen Partner für Cyber Security zu einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Absicherung des Unternehmens, nicht zuletzt auch wegen der wachsenden Zahl an Innentätern.

7. Industrie 4.0: Funktionale Sicherheit und Cyber Security gehen stärker Hand in Hand.

Industrie und Kritische Infrastrukturen sind mehr denn je der Gefahr unberechtigter Zugriffe ausgesetzt. Da die IT wesentlich ist für die funktionale Sicherheit in der Fertigung, für den sicheren Datenaustausch und für die Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit vernetzter Systeme, müssen funktionale Sicherheit und Cyber Security noch stärker Hand in Hand arbeiten. Gerade Unternehmen der vernetzten Industrie (Industrie 4.0) müssen die Sicherheit ihrer Produkte über den gesamten Lebenszyklus hinweg im Blick haben und die Risiken permanent überwachen.

8. Schlüsselfaktor: Endgeräte-Sicherheit.

Endgeräte wie Laptops, mobile Geräte, Desktop-Rechner, Server und vernetzte Devices zählen zu den am einfachsten zu kapernden Einfallstoren für Angreifer. Die Experten von TÜV Rheinland empfehlen dringend, mindestens die Standardmaßnahmen auszuschöpfen, die den Schutz vor Angriffen steigern.

9. Das Ende des Silodenkens? Enterprise Governance, Risk and Compliance (eGRC) und IT-GRC wachsen zusammen.

Die integrierte Sicht von IT- und Business-Risiken verbessert nicht nur das Reporting gegenüber Aufsichtsbehörden. Es erlaubt einen unverstellten Blick auf die tatsächliche Risikoexposition und zu schützende Werte der Organisation. Das ermöglicht dem Management eine deutlich höhere Entscheidungsqualität. Angesichts verschärfter gesetzlicher Anforderungen wie der EU-Datenschutzgrundverordnung und mit Blick auf den Schutz des geistigen Eigentums ist das für Unternehmen von vitaler Bedeutung.

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Partnerportal Elektrotechnik.

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