Risiken der vernetzten Welt, Teil 5

Daten-Crash im intelligenten Auto

| Autor / Redakteur: Joachim Jakobs / Stephan Augsten

Intelligente Fahrzeuge und Leitsysteme sollen den Verkehr berechenbar machen, könnten aber letztlich für mehr Chaos sorgen.
Intelligente Fahrzeuge und Leitsysteme sollen den Verkehr berechenbar machen, könnten aber letztlich für mehr Chaos sorgen. (Bild: Archiv)

Sensoren und Computer sind im Kraftfahrzeug mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme. Autonome Fahrzeuge und intelligente Verkehrsleitsysteme sind nur der nächste logische Schritt. Es bleibt abzuwarten, ob die Entscheider die Sicherheitsprobleme in den Griff bekommen, oder ob sie den Karren an die Wand fahren.

Bitkom-Präsident Dieter Kempf hat zur Eröffnung der Cebit einmal mehr betont: „Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert“. Auch für die Verkehrstelematik hält die Zukunft Risiken und Nebenwirkungen bereit, wie Bill Ford, Urenkel des Firmengründers Henry Ford, erkannt hat: „Dein Auto kann wissen, wo Du zu jedem Zeitpunkt bist – und das ist großartig, falls Du einen Unfall haben solltest. Die Kehrseite davon ist jedoch: Jemand anderes weiß, wo Du Dich in jeder Sekunde befindest […].“

Das Wissen, wer sich zu welchem Zeitpunkt an welcher Stelle befindet, ist nur eines der alltäglichen Sicherheitsrisiken. Darauf achten sollten unter anderem all jene, die Entscheidungen zur Verkehrstelematik fällen – oder auf Basis der gefällten Entscheidungen anschließend Hard- und Software entwickeln, implementieren, administrieren, reparieren oder nutzen.

Ein BMW beispielsweise produziert täglich 40 Gigabyte an Datenmaterial, bis 2018 könnte es ein Terabyte sein. Dass jedes Byte prinzipiell angreifbar ist, kann die Entscheider bislang nicht beeindrucken: Verkehrsminister Alexander Dobrindt jedenfalls glaubt ans „autonome Fahren“. Daimler-Chef Dieter Zetsche will entsprechende Fahrzeuge bis 2030 auf der Straße haben, Nissan angeblich schon 2020.

Damit das wirklich zuverlässig funktioniert, muss das Fahrzeug seine Umgebung zunächst einmal millimetergenau kennen. Dazu wird die Umgebung mit Laserscannern dreidimensional vermessen. „Intelligente“ Leitpfosten, Leitplanken, Ampeln, Straßenlaternen, Fahrbahnmarkierungen und Verkehrszeichen könnten der autonomen Fahrzeugsteuerung bei der Navigation auf dem „Datenteppich intelligente Straße“ helfen und so das Vertrauen in die Technik erhöhen.

Ist das autonome Fahrzeug wirklich im Vorteil?

Die Sensibilität im Auto wird durch jede Menge Kameras und Sensoren gesteigert, damit es anschließend nicht nur in der Lage ist, die elektronischen Markierungen der Verkehrszeichen zu erkennen, sondern auch noch Fußgänger zu schonen. Zur vollständigen Vernetzung fehlen nur noch der biometrische Führerschein sowie elektronische Fahrzeugpapiere und Nummernschilder.

Das maschinengesteuerte Fahren ist damit aber noch nicht trivial: Der Mensch unterscheidet in Sekundenbruchteilen zwischen einem Kind und einer Mülltonne, im Idealfall passt er sein Verhalten auch noch der Verkehrs- und Wetterlage an. Die Maschine muss erst mit tausenden Sensoren in Hochgeschwindigkeitskameras, Laserscannern, Bewegungsmeldern, Ultraschall- und Radargeräten „lernen“, was die Umstände bedeuten.

Wie ist beispielsweise zu reagieren, wenn sich ein Wildtier oder gar ein Ball über die Straße bewegen. Im letzteren Fall muss die Maschine nicht nur die Bewegung wahrnehmen, sondern auch noch damit „rechnen“, dass ein Kind über die Straße rennen könnte. In diese Risikobewertung könnte dann auch noch die Blickrichtung des Kindes einfließen. In jedem Fall müssen die Algorithmen dem Kind eine besondere Fehlertoleranz einräumen, auch wenn andere Sensoren „Vorfahrt“ signalisieren.

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