Gefahr von Kollateralschäden bei Netzwerkangriffen

DDoS-Zielscheibe Rechenzentrum

| Redakteur: Peter Schmitz

Rechenzentren sind lohnende Ziele für DDoS-Attacken. Bis zu 50 Attacken im Monat bedrohen als Kollateralschaden auch die Daten von Unternehmen, die ihre IT in Cloud-Rechenzentren verlagern.
Rechenzentren sind lohnende Ziele für DDoS-Attacken. Bis zu 50 Attacken im Monat bedrohen als Kollateralschaden auch die Daten von Unternehmen, die ihre IT in Cloud-Rechenzentren verlagern. (Bild: Arbor Networks)

60 Prozent mehr Rechenzentren als im Vorjahr wurden Opfer von DDoS-Angriffen, meldet der 8. Sicherheitsreport von Arbor Networks. Bis zu 50 Attacken im Monat verursachen spürbare Kosten, bis hin zur Abwanderung von Kunden und Umsatzverlusten.

Rechenzentren sind lohnende Ziele für DDoS-Attacken. Fast die Hälfte der 130 befragten Netzwerkbetreiber und Serviceprovider registrierten bereits DDoS-Attacken gegen ihre Rechenzentren. 94 Prozent davon berichten von regelmäßigen Angriffen und bei 17 Prozent sprengte das Angriffsvolumen sogar die verfügbare Bandbreite im Rechenzentrum. Das vermeldet Arbor Networks im 8. Jahressicherheitsbericht.

Rechenzentren stehen auffallend häufig im Fokus der Angreifer. Dies erklärt sich daraus, dass immer mehr Unternehmen ihre IT-Infrastruktur, Anwendungen und Daten als ausgelagerten Cloud-Service dorthin verlagern. Somit ist das häufigste Ziel nach wie vor zwar der Endkunde, dessen Infrastruktur, Daten und Anwendungen sich allerdings im Rechenzentrum eines Dienstleisters befinden.

63 Prozent der Datacenter betreiben dem Arbor-Report zu Folge mandantenfähige Dienste für ihre Kunden. Dadurch steigt für Unternehmen auch die Gefahr, bei DDoS-Angriffen auf ein Rechenzentrum von Ausfällen durch Kollateralschäden betroffen zu werden.

Zweithäufigstes Ziel sind Angriffe auf die Infrastruktur-Dienste wie DNS oder SMTP: Knapp über die Hälfte der befragten Betreiber erlebten bereits derartige Angriffe. Das ist umso fataler, da nur 19 Prozent spezielle Vorkehrungen für DNS-Sicherheit vorhalten.

Blind auf Layer 7

Verhängnisvoll kann sich auch auswirken, dass nur ein Drittel der Befragten vollen Netzwerkdurchblick bis zu Layer 7 bestätigt. Für die Mehrheit ist hingegen schon bei Layer 4 Schluss. Sie ist damit ziemlich blind gegenüber Angriffen über Layer 4 und nicht in der Lage, sich auf diesen Ebenen zu schützen. Dabei gehören Layer-7-DDoS-Angriffe zu den gefährlichsten ihrer Art: Da sie in der Regel "niedrig und langsam" (low and slow) sind, lassen sie sich mit traditionellen Überwachungsmechanismen auf Basis des Datenvolumens nicht ausmachen.

Firewalls sind heute zu fast 100 Prozent der Sicherheitsstandard in Rechenzentren. Die zweithäufigste Sicherheitstechnik ist IDS/IPS (Intrusion Detection/Prevention System), die immerhin noch von der Hälfte der Befragten verwendet wird. Doch der Einsatz von Firewalls und IDS/IPS gegen DDoS-Attacken ist bedenklich: Denn diese Lösungen können zwar mit einigen Arten von DDoS-Angriffen umgehen, doch werden sie in erster Linie dafür entwickelt, Vertraulichkeit und Integrität im Unternehmen zu gewährleisten, nicht aber die Verfügbarkeit von Diensten. So berichtet auch mehr als ein Drittel der Befragten, dass ihre Firewalls oder IDS/IPS-Lösungen während des Angriffszeitraums durch eine DDoS-Attacke in ihrer Funktion beeinträchtigt waren.

Jedoch stellt der Arbor-Report auch fest: Langsam aber sicher rüsten die Rechenzentrumsbetreiber nach und stellen die Verfügbarkeit von Kundenservices während eines Angriffs in den Vordergrund. Es werden zwar nach wie vor verschiedene DDoS-Präventions- und Mitigation-Techniken eingesetzt, doch immerhin zehn Prozent mehr Betreiber nutzen inzwischen gezielt intelligente DDoS-Mitigation-Systeme (DMS).

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