Allianz Risk Barometer 2015

Die 10 größten Geschäftsrisiken 2015

| Redakteur: Peter Schmitz

Naturkatastrophen, Feuer und Explosion sind 2015 die größten Geschäftsrisiken, aber am schlechtesten sind Unternehmen auf Cyberrisiken vorbereitet. Reputationsverlust und Betriebsunterbrechungen gelten als größte Schadenursachen nach IT-Sicherheitsvorfällen.
Naturkatastrophen, Feuer und Explosion sind 2015 die größten Geschäftsrisiken, aber am schlechtesten sind Unternehmen auf Cyberrisiken vorbereitet. Reputationsverlust und Betriebsunterbrechungen gelten als größte Schadenursachen nach IT-Sicherheitsvorfällen. (Bild: Archiv)

Betriebs- und Lieferkettenunterbrechungen, Naturkatastrophen sowie Feuer und Explosion sind die Top-Risiken, mit denen sich Unternehmen in 2015 befassen müssen, so das Ergebnis des vierten jährlichen Allianz Risk Barometer, für den mehr als 500 Risikomanager und Experten im Bereich Unternehmensversicherung aus über 40 Ländern befragt wurden. Cybergefahren und politische Risiken die größten Aufsteiger im diesjährigen Allianz Ranking

In einer zunehmend vernetzten Wirtschaft werden Unternehmen immer anfälliger für Störungen in ihren Betriebsabläufen. Zugleich sind sie unverändert gefährdet durch traditionelle Sorgenfaktoren wie Betriebs- und Lieferkettenunterbrechungen (46 Prozent der Antworten), Naturkatastrophen (30 Prozent) und Feuer & Explosion (27 Prozent), die in der Rangliste der größten Unternehmensrisiken weltweit weiterhin ganz oben stehen, so das Ergebnis des vierten Allianz Risk Barometer 2015. Cyberrisiken (17 Prozent) und politische Risiken (11 Prozent) sehen Unternehmen als immer stärkere Bedrohung an - gerade auch in Deutschland. Für die Studie wurden mehr als 500 Risikomanager und Experten aus der Unternehmensversicherung der Allianz Gruppe sowie aus globalen Unternehmen aus 47 Ländern befragt.

„Aufgrund der zunehmenden Verflechtung zwischen Industriesektoren und Prozessen sehen sich Unternehmen heute mit einer wachsenden Zahl von Störfaktoren konfrontiert, die zu Betriebsunterbrechungen führen können. Die negativen Effekte können sich schnell vervielfachen. Ein Risiko kann mehrere andere nach sich ziehen. Naturkatastrophen und Cyberangriffe zum Beispiel können den Betrieb nicht nur in einem einzigen Unternehmen unterbrechen, sondern eine ganze Branche oder kritische Infrastruktur betreffen”, sagt Chris Fischer Hirs, CEO von Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS), dem Unternehmens- und Spezialversicherer der Allianz SE. „Das Risikomanagement muss diese neue Realität widerspiegeln. Unternehmen, die frühzeitig die Folgen von Wechselwirkungen erkennen, können Schäden minimieren oder bestenfalls sogar komplett vermeiden. Um moderne Risiken zu beherrschen, müssen Unternehmen auch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Unternehmensfunktionen stärken.“

In der folgenden Bliderstrecke sehen Sie die zehn größten Geschäftsrisiken für Deutschland, Österreich, Schweiz und den gesamten EMEA-Raum.

Cyberrisken in Deutschland erstmals unter den Top 3

Betriebsunterbrechungen (BU) zählen nicht nur global, sondern auch für Unternehmen in Deutschland (55 Prozent) weiterhin zu den Top-Risiken. Auf Platz 2 in Deutschland folgen als Aufsteiger des diesjährigen Rankings Cyberrisiken (32 Prozent), die im Vorjahr noch auf Platz 6 und 2013 außerhalb der Top-10-Risiken rangierten. „Die deutsche Wirtschaft ist weltweit vernetzt und hoch digitalisiert und damit stark gefährdet durch Internetkriminalität”, erklärt Dr. Christopher Lohmann, CEO Germany und Zentraleuropa bei AGCS. „Die Gefahren aus dem Netz sind mittlerweile in den Vorstandsetagen angekommen. Dabei konstatieren CEOs wie CIOs die Grenzen der technischen Aufrüstung in der IT-Sicherheit.“ Einen 100-prozentigen Schutz gebe es nicht. Jedes Unternehmen müsse daher entscheiden, ob es die verbleidenden Sicherheitsrisiken selber tragen oder weitergeben möchte. Lohmann verweist auch auf den engen Zusammenhang zwischen BU und Cybergefahren. Laut einer Studie des VDMA verzeichneten bereits rund ein Drittel der deutschen Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau Produktionsausfälle in Folge von IT-Sicherheitsvorfällen.

Knappe Mittel und „Silo-Denke“ erschweren die Abwehr von Cyberrisiken

Auch weltweit sehen sich immer mehr Unternehmen durch die Gefahren aus dem Netz bedroht. Im Allianz Risk Barometer 2015 finden sich Cyberkriminalität und IT-Ausfälle erstmals unter den fünf größten globalen Risiken (2014 lagen Cyberrisiken auf Platz 8, 2013 nur auf Platz 15). In Deutschland, Großbritannien und den USA zählen Cyberrisiken inzwischen zu den drei größten Geschäftsrisiken. Reputationsverluste (61 Prozent) und Betriebsunterbrechungen (49 Prozent) werden als Hauptursachen der wirtschaftlichen Schäden in Folge eines IT-Vorfalls genannt.

Obwohl das Bewusstsein für Cyberrisiken zunimmt, werden deren Folgen von vielen Unternehmen weiterhin unterschätzt, so 73 Prozent der Antworten. Knappe Mittel und eine unzureichende Risikoanalyse gelten als weitere Gründe, warum Unternehmen nicht besser auf die Abwehr von Cyberrisiken vorbereitet sind. „Cyberrisiken sind sehr komplex. Verschiedene Stakeholder wie IT-Sicherheitsarchitekten und Business Continuity Manager müssen ihr Wissen teilen, um Bedrohungsszenarien zu identifizieren und zu bewerten“, erläutert Jens Krickhahn, Practice Leader Cyber & Fidelity bei AGCS Financial Lines für Deutschland & Mitteleuropa. „Bislang in Silostrukturen gefangenes Wissen muss in einer ‚Denkfabrik‘ gebündelt werden, um Risiken ganzheitlich zu verstehen. Auch sollte der ‚Faktor Mensch‘ nicht unterschätzt werden, da auch Mitarbeiter fahrlässig oder absichtlich IT-Sicherheitsvorfälle verursachen können.“

Politische Risiken auf dem Vormarsch

Politische/soziale Unruhen werden als deutlich größere Bedrohung wahrgenommen. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieses Risiko im Allianz Risk Barometer 2015 um neun Plätze auf Platz 9 vorgerückt und wird erstmals auch unter den Top-10-Risiken in der EMEA-Region genannt (auf Platz 8). Auch in Deutschland und Brasilien ist dieses Risiko erstmals unter die Top 10 aufgerückt, in Russland und der Schweiz unter die Top 3 und in der Ukraine auf Platz 1. Darüber hinaus gelten politische Risiken nach Naturkatastrophen (53 Prozent) als zweitwichtigste Ursache von Lieferkettenunterbrechungen. Wie Christof Bentele, Head of Crisis Management bei AGCS, erläutert, macht die Verschärfung der geopolitischen Lage Unternehmen anfälliger. „Gegenwärtig verändern sich Länderrisiken häufiger als in der Vergangenheit. Dadurch sind auch die Risikobewertungen volatiler.“ Eine weitere Quelle möglicher politischer Spannungen könnte in diesem Jahr der Ölpreisverfall sein, der die Staatshaushalte der stark vom Ölexport abhängigen Länder erheblich unter Druck setzen wird. Die Abwehr von politischen Risiken und Terrorismus ist laut der Befragung eine der wichtigsten Aufgaben für das Risikomanagement in den kommenden fünf Jahren.

Risiken in der Lieferkette

Das dritte Jahr in Folge stehen Betriebs- und Lieferkettenunterbrechungen (BU) in der Allianz Studie an erster Stelle (46 Prozent der Nennungen mit einer Steigerung von 3 Prozent). Dabei zählen Feuer und Explosion (43 Prozent) sowie Naturkatastrophen (41 Prozent) zu den Ursachen von BU, die Unternehmen am meisten fürchten.

Häufig wiegen die Auswirkungen der BU im Unternehmen selbst, bei dessen Lieferanten und Kunden schwerer als der eigentliche Sachschaden. Mit 1,36 Millionen US-Dollar übersteigt der durchschnittliche BU-Versicherungsschaden den durchschnittlichen Sachschaden (1,03 Mio. US-Dollar) um 32 Prozent. „Für die Bewertung des unmittelbaren Sachschadens und der eigenen BU-Auswirkungen wird bereits viel Zeit aufgewendet, aber die Unternehmen müssen noch mehr tun, um die Risiken im Zusammenhang mit Lieferanten und Kunden zu analysieren”, sagt Paul Carter, Global Head of Risk Consulting bei AGCS. Ein spezifisches Lieferketten-Risikomanagement spielt in den Risikomanagement-Programmen vieler multinationaler Unternehmen weiterhin eine untergeordnete Rolle, und nur wenige Unternehmen haben Ersatzlieferanten. „Verschiedene Unternehmensbereiche müssen gemeinsam robuste Prozesse entwickeln, um mögliche Bruchstellen in der Lieferkette zu identifizieren, erklärt Volker Münch, Global Practice Leader im Bereich Sachversicherung bei AGCS.

Regionale Trends: Zunehmende Sorgen über Fachkräftemangel

Obwohl die Top-3-Risiken in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA), Amerika und Asien-Pazifik das dritte Jahr in Folge die gleichen sind – BU/Lieferkettenunterbrechungen, Naturkatastrophen und Feuer & Explosion –, gibt es auch regionale Unterschiede. Cyberrisiken sind unter den zehn größten Risiken in EMEA und Amerika weit vorgerückt, während sie in den Top 10 in Asien-Pazifik überhaupt nicht auftauchen. In den USA gelten Fachkräftemangel/Alterung der Belegschaft als zunehmender Sorgenfaktor und werden erstmals unter den Top-10-Risiken genannt. Gleiches gilt für das Risiko einer Marktstagnation bzw. eines -abschwungs in der Region Asien-Pazifik.

Branchentrends: Schifffahrt beunruhigt über Wettbewerb, Finanzsektor über Regulierung

Die Auswirkungen von Naturkatastrophen (42 Prozent) wie Erdbeben stellen weiterhin das größte Risiko für den Maschinen- und Anlagenbau und die Bauwirtschaft dar. In der verarbeitenden Industrie werden BU (68 Prozent) weiter als größtes Risiko betrachtet und haben für die produzierenden Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten sogar nochmals an Bedeutung gewonnen (2014: 60 Prozent). Grund dafür ist die Tatsache, dass das Potenzial für hohe Versicherungsschäden in bestimmten Sektoren wie der Halbleiter- oder Automobilbranche zunimmt. Für die Finanzdienstleister sind rechtliche Veränderungen (33 Prozent) weiterhin der größte Sorgenfaktor und Ausdruck der zunehmenden Interventionen durch die weltweiten Aufsichtsbehörden. Die Schifffahrt betrachtet den verschärften Wettbewerb als größte Bedrohung (29 Prozent), während sich die Transportindustrie vor allem über Diebstähle (47 Prozent) gefährdet sieht.

Zweifache Herausforderung: Klimawandel und technologische Umbrüche

Der Klimawandel und Naturkatastrophen sowie technologische Innovationen wie der 3D-Druck oder die Nanotechnologie dominieren die langfristige Risikoagenda. „Die Unternehmen müssen technologische Umbrüche bewältigen und zugleich dem Klimawandel als einem fundamentalen Risiko begegnen, das sich ihrem unmittelbaren Einfluss entzieht“, sagt Axel Theis, Mitglied des Vorstands der Allianz SE. „Vorbildliche Ansätze einzelner Unternehmen sowie unternehmensübergreifende, branchenweite und regionale Kooperationen können helfen, die Umweltschäden zu mindern und für mehr Sicherheit, Wachstum und Innovation in einer nachhaltigeren Welt zu sorgen.

Den vollständigen Allianz Risk Barometer 2015 Report (pdf) gibt es auf der Allianz-Webseite zum Download.

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