Abwehr von unbemannten Fluggeräten

Drohnenabwehr mit Laser, Richtfunk und Netz

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Peter Schmitz

Millionen Drohnen befinden sich heute schon in privater Hand. Deutsche Sicherheitsbehörden halten sogar Drohnenangriffe auf Fußballstadien und andere Massenveranstaltungen für möglich.
Millionen Drohnen befinden sich heute schon in privater Hand. Deutsche Sicherheitsbehörden halten sogar Drohnenangriffe auf Fußballstadien und andere Massenveranstaltungen für möglich. (Bild: Pixabay / CC0)

Immer mehr Drohnen bewegen sich im deutschen Luftraum. Die Systeme können nicht nur den Flugverkehr gefährden, sondern auch eine Bedrohung für Großveranstaltungen, Stadien, Forschungszentren oder auch Rechenzentren darstellen. Es ist also wenig verwunderlich, dass verschiedene Akteure inzwischen Abwehrmaßnahmen entwickeln. Wir geben einen ein Überblick über aktuell verfügbare Erkennungs- und Abwehrsysteme.

Nach Daten von Gartner sollen 2017 weltweit drei Millionen Drohnen im Wert von 6 Milliarden Dollar über den Tresen gehen, was einem Umsatzanstieg von 34 Prozent und einem Anstieg der verkauften Geräte sogar um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Jahr 2020 soll der Markt schon auf 11,2 Milliarden Dollar weltweit angewachsen sein. Dabei liegen die Modelle für die private Nutzung mit 2,8 Millionen Stück mengenmäßig vor, in Hinblick auf den Umsatz aber mit 2,8 Milliarden Dollar hinter den 174.000 kommerziellen Drohnen zurück, mit denen 3,7 Milliarden umgesetzt wurden. In Deutschland wurden laut GFK im Jahr 2016 rund 300.000 Kameradrohnen für die private Anwendung verkauft, die Prognose fürs laufende Jahr liegt bei 500.000.

Wie oft deutsche Rechenzentren mit der Absicht, diese auszuspionieren oder anzugreifen, überflogen werden, weiß keiner. „Uns ist bisher kein solcher Fall bekannt“, sagt Jan Peter Schween, beim deutschen Drohnenabwehr-Spezialisten Dedrone für den Vertrieb zuständig. Doch ist jede mit Kamera ausgestattete Drohne theoretisch dazu in der Lage, ein Forschungszentrum oder Data Center auszuspionieren – professionelle Drohnen können neben normalen Videos Geräusche, Infrarotbilder etc. einsammeln von Lasten, zum Beispiel explosives Material, auf ein Ziel abwerfen.

Kein Wunder also, dass mittlerweile auch eine Drohnenabwehrindustrie entsteht. In Deutschland am bekanntesten ist die Zusammenarbeit der Deutschen Telekom mit Dedrone. Die Telekom bastelt an einem „Drohnenschutzschild“ der über Magenta Security angeboten werden soll. Dedrones Produkt dient in erster Linie dazu, Sender und Drohnen mit Hilfe intelligenter Software und eines Multisensors, der Bilder, Geräusche und Funkwellen im frequenzfreien Bereich aufzeichnet, zu finden, die Flugroute der Drohne zu verfolgen und am Bildschirm darzustellen. Bei der Klassifikation der Drohnen hilft eine Bilddatenbank, in die laufend weltweit alle verfügbaren Bilder und die dazugehörigen Daten wie der Drohnentyp eingespeist werden, um jedes unbemannten Flugkörpers in der Nähe eines RZ so sicher wie möglich zu klassifizieren. Auch privat gebaute Drohnenvarianten können so erfasst werden.

Ein anderer Anbieter von Detektionslösungen ist Squarehead Technology aus Norwegen. Das Unternehmen liefert die Hard- und Software für das optoakustische Erkennungssystem von Norsonic, das zusammen mit einem dritten Unternehmen, der auf die Analyse optoakustischer Signale spezialisierte Orelia SAS, zu einem Drohnenerkennungs- und Abwehrsystem ausgebaut werden soll. Dabei greift Squarehead auf superschnelles Array-Computing zurück, um das Gesehene und Gehörte mehr oder weniger in Echtzeit auszuwerten.

Störfunk gegen Fluggeräte

Drone Labs findet mit dem Drone Detector Drohnen und Steuergeräte im Umkreis von mehr als einem Kilometer, selbst, wenn sie noch nicht gestartet sind. Sie müssen nur eingeschaltet sein. Dabei werden nicht nur fliegende, sondern auch fahrende oder schwimmende Drohnen mit Hilfe von Radiofrequenzdetektion und GPS-Analyse, Radar, Audio, Video oder Temperaturanalyse gefunden, und zwar auch dann, wenn sie sich nicht in Sichtlinie mit dem Detektionsgerät befinden. Allerdings ist die Technologie bisher hauptsächlich in den USA erhältlich.

Das System Anti-AUDS (Autonome UAV Defense System) des britischen Unternehmens Blighter Surveillance kombiniert mehrere Elemente: Den A400-Radar für die professionelle Überwachung des Luftraums, beispielsweise an Flughäfen, mit einer Reichweite von bis zu zehn Kilometern, eine Kombination aus Video- und Thermaldetektor, Chess Danamics Hawkeye Deployable System (DS) und EO Videotracker, um fliegende Drohnen zu verfolgen und, zusammen mit der beim Radar gesammelten Informationen, zu klassifizieren. Das ECS (Enterprise Control System), ein zielgenaues Gerät mit intelligent gesteuerten Richtungsantennen, stört dann selektiv die Kommunikationskanäle der Drohne und hindert sie dadurch daran, ihre Mission zu erfüllen, ohne den übrigen Flugverkehr zu beeinträchtigen. Diese Lösung dürfte fürs durchschnittliche Rechenzentrum eher zu groß sein.

Schon handlicher ist die Drone Gun der australischen Firma Drone Shield. Der gewehrähnliche Jammer hat eine Reichweite von bis zu zwei Kilometern. Drone Shield erkennt Drohnen insbesondere am Fluggeräusch, das für jeden Drohnentyp individuell und speziell ist. Diese Geräusche speichert Drone Shield in einer Datenbank, in die alle verfügbaren Drohnen-Fluggeräusche eingespeist werden. Aktuelle Drohnengeräusche werden daran abgeglichen. Allerdings ist diese Lösung bisher in Deutschland nicht erhältlich.

Auf der CES im Januar 2017 präsentierte auch Airbus DS Electronics and Border Security (EBS) mit Xpeller ein System, das Wärmebildkamera, Radar und einen Störsender kombiniert und sich auch für andere Zwecke einsetzen lässt. Die inzwischen unter dem Firmennamen Hensoldt vermarkteten Systeme gibt es in mehreren Größenordnungen, auch tragbar im Rucksack.

Boeing hat mit dem Compact Laser Weapons System eine lasergestützte Lösung entwickelt, um Drohnen abzuschießen. Dabei wird ein hochenergetischer Laserstrahl auf das Objekt gerichtet und bringt es zum Absturz, indem es durch die Hitze des Lasers innerhalb von 15 Sekunden in Brand gesetzt wird. Ein mobiles Kleinsystem hat eine Leistung von 2 kW und besteht aus Kühleinheit, Batterien, einem Gerät, das den Strahl richtig ausrichtet, und einen Farblaser. Eine Person kann das System betreiben. Der geplante Anwendungsbereich ist vorwiegend militärisch.

Drohnen fischen

Aber nicht immer reicht es den Anwendern, eine Drohne lediglich zu detektieren und irgendwie vom Himmel zu bekommen. Wer die Drohne physisch intakt einfängt, hat die Chance, ihre Technologie und vor allem die geladene Software sowie eventuell die bereits aufgezeichneten Daten des bisherigen Flugs zu analysieren. In diese Richtung zielt beispielsweise der Skywall 100, eine Lösung des britischen Startups Openworks Engineering. Sie wurde während des Besuches des ehemaligen US-Präsidenten Obama in Berlin eingesetzt. Dabei schießt ein von einer Person tragbarer Launcher mit Druckluft ein Netz mit Fallschirm direkt auf die Drohne und fängt sie ein. Eine intelligente Optik gibt Signal, wenn der Launcher korrekt ausgerichtet ist. Der Fallschirm sorgt dafür, dass das Fluggerät nicht auf dem Boden zerschellt. Der Launcher hat Luft und Netze für mehrere Schuss und kann deshalb kurz hintereinander mehrere Drohnen vom Himmel holen.

Eine Gegendrohne setzt die französische MALOU Tech (Mission Aérienne Légère à Organisation Unique) Systems mit dem MP200 ein. Dabei gibt es dieses System als reinen Detektor (MP200) und als Abwehrdrohne (MPI200). Die Abwehrdrohne nähert sich der angreifenden Drohne und fängt sie in einem Netz ein. Die Detektionsdrohne hat eine integrierte Kamera, SD-Speichermedien und funkt auf 5,8 GHz in einer Reichweite von 0,6 Meilen. Sie ist mit einem roten LED für Nachtflüge ausgerüstet. Die Abfang-Drohne kann Drohnen bis 6 kg in ihrem Netz einsammeln und sicher zum Boden bringen.

Und dann gibt es noch die „natürliche Methode“: Wie sich herausgestellt hat, attackieren Raubvögel, z.B. Adler, recht erfolgreich Drohnen. Diese Methode will beispielsweise die niederländische Polizei einsetzen. Doch ob es für Rechenzentren sinnvoll ist, neben spezialisierten RZ-Dienstleistern auch noch einen Falkner zu beauftragen, darf getrost bezweifelt werden.

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