Bedenken gegen Cloud und Social Media

Fahrlässige Mitarbeiter verursachen viele Datenschutzverstöße

| Redakteur: Martin Fryba

Deutsche Datenschützer befürchten eine Aufweichung des strengen deutschen Datenschutzrechts durch die EU.
Deutsche Datenschützer befürchten eine Aufweichung des strengen deutschen Datenschutzrechts durch die EU. (N-Media-Images/Fotolia.com)

Nicht unbedingt der Datendiebstahl oder Hackerangriff bereitet Datenschutzbeauftragten Sorgen. Es sind die eigenen Mitarbeiter, die gegen den Datenschutz verstoßen. Sie handeln oft fahrlässig und ohne ausreichende Kenntnis. Außerdem fürchten deutsche Datenschützer eine Aufweichung der strengen nationalen Regelung durch die EU.

Datenschutz ist bei Firmen ein immer wichtigeres Thema. Das zeigt sich nicht unbedingt am steigenden Budget, das Datenschutzbeauftragten zur Verfügung steht. Viele Firmen haben vor allem das Personal für Datenschutz aufgestockt: Konnten 2011 die Datenschutzbeauftragten im Durchschnitt auf 1,9 Vollzeitkräfte zurückgreifen, sind es in diesem Jahr bereits 2,3 Vollzeitkräfte, hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC festgestellt. Allerdings schlägt sich die höhere Aufmerksamkeit für den Datenschutz noch nicht ausreichend in konkreten betrieblichen Maßnahmen nieder. „Wir konstatieren nach wie vor, dass die Verstöße meist auf Unachtsamkeit und Unwissenheit zurückzuführen sind“, sagt Birthe Görtz, Partnerin und Verantwortliche für das Thema Datenschutz bei PwC. Vielen Mitarbeitern sei gar nicht bewusst, dass die gegen den Datenschutz verstießen, so Görtz.

PwC hat 250 Datenschutzbeauftragte der 1.000 größten Unternehmen in Deutschland befragt. Die häufigste Ursache für einen Verstoß sehen 70 Prozent der Befragten in einem fahrlässigen Umgang mit Daten, 60 Prozent führen die Vorfälle auf mangelhafte Kenntnisse der Mitarbeiter zurück. Datendiebstahl oder externe Angriffe auf Unternehmen halten dagegen lediglich sechs Prozent der Datenschutzbeauftragten für relevant.

Misstrauen gegenüber Social Media und Cloud

Kritisch sehen die Datenschutzbeauftragten Soziale Netzwerke wie Facebook, Google+ oder Twitter. Aber auch internetbasierte Dienstleistungen, die über bezogen werden, wecken das Misstrauen der für den Datenschutz verantwortlichen Mitarbeiter. So nutzen lediglich 13 Prozent der Befragten Soziale Netzwerke für die direkte Werbeansprache. Die Mehrheit, nämlich 60 Prozent, verzichten ganz auf Social-Plugins auf ihren Unternehmensseiten im Internet.

Bei der Frage nach dem Einsatz von Cloud Computing deckt sich die Umfrage von PwC nicht mit anderen Studien, die einen hohen Nutzungsgrad von internetbasierten Diensten vor allem bei Großunternehmen feststellen. Dies hatte zuletzt der Branchenverband BITKOM unter Bezugnahme auf eine „repräsentative Unternehmensbefragung“ behauptet. Die Studie von PwC kommt zu einem anderen Ergebnis: Lediglich 13 Prozent der Datenschutzbeauftragten gaben an, ihr Unternehmen nutze Cloud Computing. Als Gründe führen sie Sicherheitsbedenken (79 Prozent), mangelhafte Transparenz der Angebote (58 Prozent) sowie rechtliche Unsicherheiten (57 Prozent) an.

Faktische Abschaffung des Datenschutzbeauftragten

Die von der EU geplante Harmonisierung der Datenschutzgesetze begrüßt eine Mehrheit der Datenschutzbeauftragten. Zwei von drei Datenschützern finden eine EU-weite einheitliche Regelung im Prinzip richtig und aus Wettbewerbsgründen auch erforderlich. Dennoch gibt es Bedenken gegen ein europäisches Datenschutzgesetz. Viele fürchten eine Zunahme der Bürokratie und eine Verwässerung der strengen deutschen Datenschutzrichtlinien. Vor allem die geplante EU-Regelung, wonach kleinere Unternehmen bis 250 Mitarbeitern künftig keinen Datenschutzbeauftragten stellen müssten, stößt bei zwei von drei Datenschützern in deutschen Unternehmen auf Unverständnis.

Geradezu empört über diesen Punkt ist der Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD). Der Vorstandsvorsitzender Thomas Spaeing spricht von einer faktischen Abschaffung des betrieblichen Datenschutzbeauftragten, sollte die EU-Kommission diese Regelung in ein europäisches Datenschutzrecht aufnehmen. Gerade die vom Mittelstand geprägte deutsche Wirtschaft könnte demnach gänzlich auf Datenschutzbeauftragte verzichten. Demnach würden nur noch 0,3 Prozent aller deutschen Unternehmen Mitarbeiter für den Datenschutz benennen müssen. Dies würde eine massive Schwächung der Datenschutzbemühungen zur Folge haben.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 33573270 / Endpoint)