Der IT-Kampf: Einfachheit oder Funktionsumfang?

Hyperkonvergenz, Cloud-Management & Monitoring

| Autor / Redakteur: Destiny Bertucci / Andreas Donner

Komplexität ist nur bei den Apfelmännchen-Fraktalen der Mandelbrot-Menge schön anzusehen. In der IT ist sie dagegen störend.
Komplexität ist nur bei den Apfelmännchen-Fraktalen der Mandelbrot-Menge schön anzusehen. In der IT ist sie dagegen störend. (Bild: CC0 - WikiImages - Pixabay [gemeinfrei] / CC0)

Einfache IT-Systeme ohne Kompromisse bei Funktionsumfang und Leistung, gelten unter IT-Experten als der Heilige Gral der Informationstechnik. Die Suche nach diesem Gleichgewicht hat schon viele IT-Manager zur Verzweiflung getrieben. Mit hyperkonvergenten Systemen, konsequenter Cloud-Nutzung und gezieltem Monitoring lässt sich dem Gral jedoch ein gutes Stück näherkommen.

Während die Anzahl von IT-Lösungen unaufhaltsam zunimmt, erfordert die Einführung neuer Technologien oft Kompromisse: mehr Funktionen und Möglichkeiten, dafür aber auch mehr Komplexität für die Benutzer. Es gilt die Faustregel, je mehr Möglichkeiten eine Lösung bietet, desto schwieriger ist es, diese Lösung benutzerfreundlich zu gestalten. Ein weiteres Problem sind Situationen, in denen sich ein verbesserter Funktionsumfang und Einfachheit gegenseitig ausschließen.

Hier gilt es natürlich, einen Mittelweg zu finden. Eine extrem einfache Lösung ohne Funktionalität ist nutzlos, und ein riesiger, aber nicht nutzbarer Funktionsumfang ist ebenso sinnlos. Vor diesem Hintergrund werden nachfolgend drei Bereiche betrachtet, in denen der IT-Kampf zwischen Einfachheit und Funktionsumfang ausgetragen wird und Möglichkeiten zur Kompromissfindung in Betracht gezogen wird.

Hyperkonvergierte Infrastruktur

Hyperkonvergierte Infrastrukturen sind in zwei Modellen verfügbar: als vorab erstellte, vorkonfigurierte Geräte (z.B. Nutanix oder Simplivity) oder als standardisierte und getestete Architektur (z.B. EVO:Rail). Beide Modelle dienen der Vereinfachung. Die IT-Infrastruktur und deren verschiedene Elemente wie Virtualisierung, Server und Storage sollen schnell und einfach eingerichtet werden können. Zu diesem Zweck gibt es sogar eine Art von „Vereinfachungsschaltfläche“, mit der IT-Administratoren neue VMs hinzufügen können.

Dies ist jedoch nicht ohne Kompromiss möglich: hyperkonvergierte Systeme können zwar die Installation, Konfiguration und den Betrieb der Umgebung vereinfachen, dafür ist man aber auf einen einzigen Anbieter festgelegt und hat keine Möglichkeit, die Kapazität zu erweitern oder das System für unterschiedliche Arbeitslasten zu optimieren. Für viele Unternehmen sind diese Probleme jedoch nebensächlich. Die Verwaltung einer IT-Umgebung ist teuer und anspruchsvoll, daher lohnt sich der Kompromiss oft, um Einfachheit zu erreichen.

Trotz des starken Wachstums im Bereich hyperkonvergierte Infrastrukturen und der entsprechenden Anbieter gibt es noch nicht viele mittelgroße bis große Rechenzentren, die ihre vorhandene Infrastruktur durch hyperkonvergierte Modelle ersetzt haben. Während ein optimierter Funktionsumfang weiterhin der wichtigste Grund für die zunehmende Beliebtheit dieser Infrastruktur ist, trägt auch die Einfachheit zum rasanten Wachstum in diesem Marktsegment bei.

IT-Verwaltung in der Cloud

Das Ende aller lokalen Infrastrukturen und das glorreiche neue Zeitalter cloudbasierter Unternehmen wird bereits seit der Einführung von Amazon Web Services im Jahr 2006 verkündet. Diese Prophezeiung scheint sich zu erfüllen, denn die Anzahl der Cloud-Implementierungen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

Analysten erwarten in der Tat ein deutliches Wachstum im Cloud-Bereich, so auch Michael Cote von Pivot. Michael hat Daten von Gartner und Goldman Sachs analysiert und erwartet für die Bereiche Cloud-IaaS und -PaaS ein durchschnittliches Investitionswachstum von 30 Prozent jährlich in den nächsten fünf Jahren, im Gegensatz zum durchschnittlichen Wachstum von jeweils drei Prozent für herkömmliche IT-Ausgaben im selben Zeitraum.

Möglicherweise kommt diese schöne neue Welt aber am Ende doch nicht so schnell in die Gänge wie oft erwartet wird. Denn in absoluten Werten sind die Bereiche Cloud-Iaas und -PaaS zwar bereits sehr umfangreich und wachsen stetig, aber der Abstand zum herkömmlichen IT-Markt mit seinen überraschend hohen Ausgaben ist immer noch riesig.

Wie lässt sich dieser Abstand angesichts des Cloud-Hypes erklären? Unternehmen können durch die Cloud-Einführung zwar kurzfristig Geld sparen, allerdings können diese Lösungen als permanenter Ersatz für eine optimierte lokale Infrastruktur auch höhere Kosten verursachen. Weitere Gründe sind die weit verbreitete Angst vor Kontrollverlust sowie Sicherheitsbedenken bezüglich Cloud-Umgebungen. Aus diesem Grund geben Cloud-Anbieter oft nur eingeschränkte Leistungsdaten an und sind meist nur an SLA-Vereinbarungen gebunden, die den Anbieter bei einem Problem nur sehr eingeschränkt in die Haftung nehmen. Das heißt: wenn etwas schiefgeht, ist das Unternehmen auf sich selbst gestellt.

Dennoch ist es oft verlockend, die IT-Verwaltung an einen Cloud-Anbieter auszulagern, um Zeit und Ressourcen anderen Aufgaben zu widmen, zum Beispiel für die IT-Wartung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Einfachheit der Cloud dabei ist, die Oberhand gegenüber dem verbesserten Funktionsumfang der alternativen Möglichkeiten zu gewinnen.

IT-Überwachung und IT-Management

Die Verwaltung der IT-Infrastruktur eines Unternehmens ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Der Umgang mit verschiedenen Plattformen (Windows, Linux usw.) und technischen Disziplinen (Anwendungen, Netzwerke usw.) sowie unterschiedlichen Anbietern für Einzellösungen, ist ein Kampf gegen Windmühlen. Daher hat ein Großteil der frühen IT-Managementangebote versucht, möglichst viele dieser Probleme in einem einzigen Produkt oder Framework zu verpacken, was wenig überraschend zu unhandlichen und unglaublich komplexen Lösungen geführt hat.

Angesichts dieser Probleme entstand eine neue Generation von Lösungen, die sich auf die Vereinfachung dieser Schlüsselaufgaben konzentrierten. Bei diesem Schritt wurde ein Mittelweg beschritten, indem die technischen Möglichkeiten in bestimmten Bereichen eingeschränkt wurden, um die Gesamtlösung zu vereinfachen. Wenn jemand beispielsweise Mainframe, OS/400, Windows und Solaris mit ein und demselben Produkt umfassend überwachen möchte, benötigt er vermutlich eine komplexere Lösung. Wenn er jedoch nur Windows-, Linux- und Unix-Systeme überwachen muss, sind diese anderen, einfacheren Lösungen mehr als ausreichend für seine Anforderungen.

Die Anbieter dieser neuartigen IT-Überwachungs- und -Managementprodukte verzeichnen bereits seit mehreren Jahren zweistellige Wachstumsraten, da viele Unternehmen die neuen und einfacheren Tools gegenüber den älteren und komplexen aber zugegebenermaßen umfangreicheren Lösungen bevorzugen.

Destiny Bertucci.
Destiny Bertucci. (Bild: SolarWinds)

Fazit

Während der IT-Kampf zwischen Funktionsumfang und Einfachheit andauert, können wir an diesen Beispielen eindeutig erkennen, dass ein sinnvoller Mittelweg weiterhin erreichbar ist, indem einzelne Funktionen gezielt mit Einfachheit kombiniert werden. Eine solche Lösung sollte daher nicht als Kompromiss gesehen werden, sondern als Vereinigung der besten Eigenschaften beider Welten.

Über die Autorin

Destiny Bertucci ist Head Geek bei SolarWinds.

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