IBM X-Force-Report

Patientenakten begehrter als Kreditkartendaten

| Redakteur: Stephan Augsten

Der Einblick in die Patientendaten eines Menschen ist auf dem Internet-Schwarzmarkt mittlerweile wertvoller als seine Kreditkarteninformationen.
Der Einblick in die Patientendaten eines Menschen ist auf dem Internet-Schwarzmarkt mittlerweile wertvoller als seine Kreditkarteninformationen. (Bild: Archiv)

In Untergrundforen im Internet werden Patientenakten mittlerweile heißer gehandelt als Kreditkartendaten, berichtet IBM mit Blick auf das vergangene Jahr. Neben diesem Trend greift der X-Force-Bericht im ersten Quartal 2016 unter anderem auf, welche Malware am häufigsten die Finanzbranche attackiert.

Laut Gerd Rademann, Business Unit Executive bei IBM Security Systems DACH, haben es Cyber-Kriminelle aktuell vorwiegend auf Datensätze aus dem Gesundheitssektor abgesehen, darunter Patientendaten: „Weltweit gerieten 2015 rund 100 Millionen davon in die Hände von digitalen Dieben.“ Auf dem Internet-Schwarzmarkt ließe sich damit ein guter Preis erzielen

Als Grund dafür nennen die Sicherheitsforscher aus dem X-Force-Team von IBM die „Haltbarkeit“ dieser Beute: Ein Kreditkartenkonto lässt sich einfach sperren, in Patientendaten hingegen sind einzigartige persönliche Informationen gespeichert. Hierzu zählen neben persönlichen Daten wie dem Geburtsdatum auch die Sozialversicherungsnummer oder ärztliche Diagnosen.

Auf Basis dieser Daten verübten die Täter laut IBM weitere Straftaten, zum Beispiel Identitätsdiebstahl oder Erpressung. Insgesamt sei in der Cybercrime-Szene eine zunehmende Professionalisierung mit größeren Banden, besseren Infrastrukturen und höherer Reichweite zu beobachten.Immer öfter treten die Kriminellen auch als Dienstleister auf, IBM spricht mittlerweile analog zum IT-Begriff „Software as a Service“ auch von „Crimeware-as-a-Service (CaaS).

Zeus-Trojaner steigt ab, Dyre im Aufwind

Ein Indiz für die Professionalisierung ist dem X-Force-Report zufolge auch die im Jahr 2015 am häufigsten eingesetzte Malware für Angriffe auf die Finanzbranche. Angriffe mit dem Zeus-v2-Trojaner haben demnach seit 2015 um fast ein Viertel abgenommen. Dessen öffentlich verfügbarer Code sei hauptsächlich von Amateuren eingesetzt worden und verliere seine Wirksamkeit.

Ein anderes Bild zeichnet der Dyre-Trojaner, der nach Auffassung von IBM von Profis entwickelt wurde. Sein Angriffsvolumen hat seit 2014 um knapp ein Fünftel zugenommen. Fast ein Viertel (24 Prozent) aller Angriffe auf die Finanzbranche gingen im Jahr 2015 auf das Konto von Dyre. Damit führt der Trojaner die Rangliste vor Neverquest (19 Prozent) und Bugat (18 Prozent) an.

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