Eine etwas andere Fallstudie zum Fachkräftemangel

Verzweifelt gesucht – Frauen in der IT

| Autor / Redakteur: Catalin Cosoi* / Stephan Augsten

Der Anteil weiblicher Arbeitskräfte in der Informationstechnik stagniert seit Jahren.
Der Anteil weiblicher Arbeitskräfte in der Informationstechnik stagniert seit Jahren. (Bild: Archiv)

Der Fachkräftemangel in der hiesigen IT-Branche wird seit Jahren auf rund 40.000 Stellen beziffert. Politik und Wirtschaft betreiben große Anstrengungen, um diese Lücke zu schließen. Dabei muss man allerdings nicht immer in die Ferne schweifen, denn am Standort Deutschland liegt viel Potenzial brach: das der Frauen.

Zwischen Anspruchsdenken und Realität klafft zumeist eine eklatante Lücke. Der Anspruch, Deutschlands Position als führenden High-Tech-Standort zu sichern, geht über Image-Fragen weit hinaus. Schließlich ist sie als Perspektive für den bleibenden Wohlstand „alternativlos“.

Die Welt befindet sich inmitten der vierten industriellen Revolution. Und im digitalen Zeitalter hat derjenige die Nase vorn, dem es gelingt, die besten Köpfe zu gewinnen, um Lösungen für die Herausforderungen des rasanten Wandels zu finden. Computerwissenschaften sind ein entscheidender Schlüssel dazu.

Ein Problem dabei: es wird viel Potenzial verschenkt, da die IT nach wie vor als Männerdomäne gilt. So begannen 2012 nur 25 Prozent der weiblichen Studienanfänger einen technisch-naturwissenschaftlichen Studiengang. Zwar steigt die Tendenz aktuell wieder – auf Seiten der Absolventinnen zeigt sich jedoch ein trüberes Bild.

MINT: Fast östrogenfreie Zone

Im gleichen Jahr beendeten gerade einmal so viele Frauen ein computerwissenschaftliches Studium wie vor zwanzig Jahren; Entwicklung bis dahin also gleich null. Diese ernüchternden Zahlen finden ihre Fortsetzung in der beruflichen Realität: Der Anteil weiblicher Kräfte in IT-Berufen beträgt in Deutschland laut Bitkom nur 14 Prozent.

Obwohl die Frauenquote in IT-Unternehmen etwas höher liegt – bei Microsoft sind es beispielsweise weltweit 29 Prozent – tummeln sich die Mitarbeiterinnen in den so genannten „pink ghettos“ wie die Abteilungen für Marketing, Kommunikation und Personal im Silicon Valley ziemlich despektierlich genannt werden.

Um Abhilfe zu schaffen, bemühen sich Politik und Wirtschaft redlich, Mädchen und Frauen so früh wie möglich für IT-Berufe zu gewinnen. Das wohl bekannteste Beispiel ist der Girls’ Day, in dem Schülerinnen explizit für solche Tätigkeitsfelder begeistert werden sollen, in denen die Frauenquote bei unter vierzig Prozent liegt.

Unternehmen starten derweil eigene Initiativen. Google beispielsweise hat in Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen und Hochschulen die Kampagne „Made with Code“ gestartet und investiert dafür fast 40 Millionen Euro. Das Ziel: Mädchen für IT-Studiengänge gewinnen, indem früh ihre Begeisterung für das Programmieren geweckt werden soll. Auch bei Google sind nur 17 Prozent der technischen Belegschaft weiblichen Geschlechts – auch die unternehmensweite Quote liegt bei mäßigen 30 Prozent.

Dass der Frauenanteil in den Führungspositionen deutlich darunter liegt, und weiter sinkt, je höher der Posten ist, ist ein Problem, das keineswegs auf die High-Tech-Branche beschränkt ist. Eine Studie des DGB bringt es auf den Punkt: „Für Frauen gibt es nach wie vor strukturelle Barrieren, insbesondere im Spannungsfeld Familie, Beruf und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten.“

Speziell im Entwickler-Umfeld kommt hinzu, dass viele Frauen sich schwer tun in der männerdominierten Umgebung. „Brogrammer“-Gehabe und Sexismus führen dazu, dass viele Frauen, die nach dem Uni-Abschluss eine Anstellung in einem IT-Unternehmen gefunden haben, sich nach kurzer Zeit wieder abwenden und einen neuen Arbeitgeber in einer anderen Branche finden, zeigt eine Studie des Netzwerks Catalyst.

Auf der Suche nach Vorbildern

Für die Überzeugungskraft und damit Wirksamkeit von Kampagnen wie dem Girls’ Day oder der Initiative von Google unabdingbar sind konkrete Vorbilder. Und genau dort liegt der Hund begraben: bis auf wenige leuchtende Beispiele, wie Programmiererin Meredith Patterson oder Yahoo-Chefin Marissa Mayer (die Informatik in Stanford studierte), gibt es für junge Frauen nur wenig Projektionsfläche in der Entwicklerszene, die als Motivator für nachfolgende Entwicklerinnen, Programmiererinnen und technische Visionärinnen dienen könnte.

Aber zum Glück gibt es diese Rollenvorbilder eben doch. Beispiele für Entwicklerinnen-Karrieren finden sich inzwischen in jedem IT-Unternehmen. Die gezielte Anwerbung von Frauen für die IT-Laufbahn hat sich der international tätige Antiviren-Hersteller Bitdefender aus Rumänien auf die Fahne geschrieben. Jede vierte Position ist im Unternehmen von einer Frau besetzt.

Damit liegt die Quote bei Bitdefender deutlich höher als branchenüblich. Die Gründe dafür liegen einerseits im bildungskulturellen Erbe des ehemaligen Ostblockstaates, in dem die Naturwissenschaften eine sehr wichtige Position einnehmen. Andererseits betreibt das Unternehmen eine Einstellungspolitik, die gezielt darauf ausgerichtet ist, technische Positionen bevorzugt mit Frauen zu besetzen.

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Huh, der Schluss Frauen kann man nicht ummodeln ist aber schon deutlich stereotyp. Letztlich...  lesen
posted am 01.04.2015 um 11:37 von Unregistriert

Leider ist es so, daß Frauen halt doch angewidert sind, von dem ewigen Programmieren. Sichtbar...  lesen
posted am 01.04.2015 um 10:55 von Unregistriert

Also wäre ich eine IT-Fachkraft in Führungsposition mit Personalverantwortung wäre es mir eins ob...  lesen
posted am 27.12.2014 um 20:35 von Unregistriert

An sich richtig, nur können Frauen m.E. auch etwas tun: Männer knicken insbesondere in Gesprächen...  lesen
posted am 23.12.2014 um 12:12 von Unregistriert

leider muß ich wieder festellen das deas wahre Leben an manchen Leuten einfach so vorbeigeht.  lesen
posted am 23.12.2014 um 08:30 von Unregistriert


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