Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr

Videoüberwachung in U-Bahn & Co.

| Autor: Susanne Ehneß

U-Bahnhöfe sollen sicherer werden
U-Bahnhöfe sollen sicherer werden (Bild: ©Pexels/Pixabay / CC0)

Sicherheitskameras gehören im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zum Alltagsbild. Bahnhöfe, Gleise und Züge werden zunehmend videoüberwacht. Der Bundestag hat dem „Videoüberwachungsgesetz“ nun grünes Licht erteilt.

An Videoüberwachung im ÖPNV hat sich das Auge mittlerweile gewöhnt. Laut Axis Communications ist sie sogar „die am meisten verwendete Technologie im öffentlichen Nahverkehr, um Sicherheit und Schutz zu gewähren“. Derzeit werden Kameras vornehmlich in Zügen, Betriebshöfen sowie an Bahnhöfen und Depots eingesetzt, wo sie meist auf sensible Bereiche wie Notrufsäulen, Rolltreppen oder Aufzüge gerichtet sind.

„Der öffentliche Personennahverkehr ist ein Bereich, in dem ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Eine Großzahl der in einer Stadt wohnenden oder arbeitenden Menschen greift regelmäßig auf den ÖPNV zurück – und deshalb ist es essentiell, für Sicherheit und Schutz zu sorgen“, meint Edwin Beerentemfel, Manager Business Development, Middle ­Europe bei Axis Communications.

Bundestag: Ja zur mehr Videoüberwachung

Dies sieht der Bundestag auch so. Der Innenausschuss hat dem von der Bundesregierung vorgelegten „Videoüberwachungsgesetz“ grünes Licht erteilt. Gegen die Stimmen der Oppositionsfraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen verabschiedete das Gremium den Gesetzentwurf.

Darin wird das Bundesdatenschutzgesetz für den Einsatz von Videokameras in öffentlichen Bereichen gelockert – für den Schienen-, Schiffs- und Busverkehr sowie für Einrichtungen wie Einkaufszentren und Sportstätten. Eine Ausweitung der Videoüberwachung soll abschreckend wirken und gleichzeitig bei der Aufklärung von Straftaten unterstützen.

Die Opposition zweifelt genau diese Zwecke an. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wies darauf hin, dass eine präventive Wirkung nicht nachweisbar sei. Im Gegenteil seien Terrororganisationen wie der Islamische Staat bei Anschlägen sogar dankbar für Videoaufzeichnungen. Es hätte einen „viel maßvolleren“ Vorschlag gebraucht. Die Linke begründete ihre Ablehnung damit, dass die bestehenden Regelungen ausreichten, zudem könne beim „Black Box“-Verfahren niemand im Notfall intervenieren, da keiner hinter der Kamera sitze.

Weitere Infos zum Videoüberwachungsgesetz finden Sie online hier.

Lohnende Investition?

Die Investitionen in moderne Videoüberwachung werden also steigen. „Auch wenn der Wandel in der Sicherheitsbranche unaufhaltsam in Richtung digitaler Technologie geht, finden sich im ÖPNV historisch bedingt nach wie vor analoge Kameras“, heißt es dazu bei Axis. Dies führe zu hybriden Systemen, die aus analogen und IP-Kameras bestehen. Es kann sicherlich davon ausgegangen werden, dass 2017 viele ältere, analoge Kamera-Modelle ersetzt werden. Ob dann jedoch kostenintensive Netzwerk-Kameras inklusive Videoanalyse-Software angeschafft werden, ist fraglich – gerade im öffentlichen Bereich.

Axis Communications, Anbieter von IP-Kameras und entsprechender Lösungen, sieht das optimistischer. Viele Verkehrsbetreiber müssten auf einem immer härter werdenden Markt agieren. „Deshalb ist auch die Optimierung von Prozessen oder des Services wichtig. Netzwerk-Kameras liefern hier viele Antworten auf Fragen. Schon 2016 zeigte sich, dass die Verkehrsbetriebe die technischen Möglichkeiten vermehrt nutzen, und auch 2017 wird dieser Trend anhalten“, so Beerentemfel.

Digitale Videoüberwachung sei inzwischen geprägt von intelligenten Funktionen, die eine Analyse der Bilddaten in der Kamera ermöglichten. Dies erleichtere den Einsatz der Kameras nicht nur für Sicherheitszwecke, sondern auch, um wichtige Daten für den operationellen Betrieb zu liefern.

Edwin Beerentemfel von Axis Communications
Edwin Beerentemfel von Axis Communications (Bild: © Stefan Lundberg/Axis Communications)

Die Kamera nimmt hier also die Aufgabe eines Sensors wahr – beispielsweise als Rauch- und Feuermelder oder in Form von Kapazitätsüberwachung. „Hier wird ein Prozentsatz angeben, wie viele Leute sich zum Beispiel auf einem Bahnsteig befinden. Übersteigt dieser Wert eine gewisse Grenze, werden die Mitarbeiter alarmiert. Sie können dann geeignete Maßnahmen ergreifen, wie Notausgänge öffnen oder helfen, Panik und Unfälle zu vermeiden.“

Im ÖPNV sollen Analysetools dabei helfen, Schaden und Ausfallzeiten bei Zügen abzuwenden – indem sie beispielsweise anschlagen, wenn Personen Ticketschranken überspringen. In den Niederlanden werden laut Axis die Türen von Tramwaggons überwacht und Gesichtscharakteristiken mit einer Datenbank bekannter Schwarzfahrer abgeglichen. Bei einer Übereinstimmung wird der Fahrer benachrichtigt. Auch die Aufdeckung illegaler Graffiti-Sprayer sei ein wichtiges Anwendungsgebiet.

Echtzeit-Übertragung

Als Trend nennt Axis die Echtzeit-Übertragung von Videobildern – „zum Beispiel, wenn ein Täter aus einem Laden über die Fußgängerzone in die U-Bahn flüchtet“. Durch verschiedene Kameras mit unterschiedlichen Blickwinkeln sowie deren Vernetzung könnten sich Einsatzkräfte und Behörden ein Gesamtbild verschaffen. Die Echtzeit-Nutzung finde derzeit hauptsächlich an statischen Orten, wie Bahnhöfen oder Depots, statt. Eine Echtzeit-Übertragung aus den Zügen sei noch unüblich, nehme aber stetig zu.

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