HPI Future SOC Lab

Wirtschaftsinformatiker wollen Wirtschaftsbetrug aufdecken

| Autor / Redakteur: Thomas Drilling / Nico Litzel

Big-Data-Forschung am HPI Future SOC Lab
Big-Data-Forschung am HPI Future SOC Lab (HPI)

Wirtschaftsinformatiker der TU München wollen mithilfe von Big-Data-Analysen am HPI Future SOC Lab des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts Wirtschaftsbetrug in Echtzeit erkennen können.

Die zunehmende Komplexität von IT-Systemen macht Unternehmen weltweit anfälliger für Wirtschaftsbetrug. Informatikwissenschaftler der TU München wollen Tätern künftig mit neusten Methoden schneller auf die Spur kommen.

Das ist eines der Ergebnisse einer Tagung von Nutzern des Spitzenforschungslabors „HPI Future SOC Lab“ am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam. Zweimal jährlich treffen sich am HPI Nutzer aus Wissenschaft und Wirtschaft, um Projekte zu besprechen, die in den vergangenen sechs Monaten im HPI-Spitzenforschungslabor durchgeführt wurden. Bei der elften Veranstaltung dieser Art zeichneten sich außerdem neue Entwicklungen im Bereich der personalisierten Medizin ab.

Das HPI Future SOC Lab

Das Hasso-Plattner-Institut nutzt sein HPI Future SOC Lab nicht nur für eigene Big-Data-Analysen (wie etwa das Team um Dr. Matthieu-P. Schapranow im Bereich der personalisierten Medizin), sondern stellt die Plattform auch Wissenschaftlern aus Universitäten und Unternehmen in aller Welt kostenfrei zur Verfügung. Das Potsdamer Labor ist mit modernsten Hochleistungssystemen mit sehr vielen Rechenkernen, hoher Arbeitsspeicherkapazität und großem Festplattenspeicher-Volumen ausgestattet. Bislang konnten bereits weit mehr als 200 Projekte von Wissenschaftlern aus zwölf Ländern erfolgreich durchgeführt werden.

Betrügern auf die Spur kommen

Auf der Potsdamer Tagung der Future-SOC-Lab-Nutzer stellte unter anderem die Wirtschaftsinformatikerin Galina Baader von der TU München die Ergebnisse einer mithilfe des Labs durchgeführten aktuellen Untersuchung vor. Demnach würden in Europa etwa 73 Prozent aller Unternehmen Opfer von Betrug. Davon sei kein Geschäftsbereich ausgenommen. Dennoch gebe es laut Baader bislang kaum effiziente Verfahren, um den Betrügern auf die Spur zu kommen. Es sei zwar üblich, etwa mithilfe von Data Mining einmal im Jahr gezielt nach Auffälligkeiten bei Geschäftsprozessen zu suchen, aber es fehlten zumeist die Kapazitäten, um jeder einzelnen Abweichung nachzugehen, weil die Menge an Daten zu groß sei.

Process Mining

Baader unter ihr Team arbeiten hingegen daran, Versuche eines Betrugs in Echtzeit zu erkennen. Dabei haben sich die Informatiker auf Einkaufs- und Bezahlprozesse fokussiert. Sie ließen Studenten in mehreren Hacking-Wettbewerben in Teams gegeneinander antreten, um unter Einsatz des sogenannten Process Mining in einer geschützten Test-Umgebung einerseits Betrugsversuche zu starten und gleichzeitig Betrügereien des gegnerischen Teams aufzudecken. Process Mining analysiert elektronische Daten, die beim Ablauf von Geschäftsprozessen anfallen.

Das Potenzial für die Wirtschaft sei groß: Über die Hälfte der Betrugsversuche konnten auf diese Weise ermittelt werden. Da solche Aufgaben viel Rechenleistung erfordern, griff die TU München auf die besonders leistungsfähige Infrastruktur des Future SOC Lab am Hasso-Plattner-Institut zurück. Das Labor erleichtert vor allem die Forschung im Bereich der In-Memory-Technologien und des Cloud Computing.

Personalisierte Medizin

Auch in der Personalisierten Medizin machen Forscher mithilfe des Future SOC Labs Fortschritte. So arbeitet etwa ein HPI-Forscherteam um Dr. Matthieu-P. Schapranow unter anderem am Aufbau einer verteilten Hauptspeicher-basierten Wissensdatenbank, um Daten aus unterschiedlichen Quellen medizinischen Experten schneller zugänglich zu machen. Das Besondere an der Online-Plattform „we.analyzegenomes.com sei, dass vertrauliche Daten nie die beteiligten Forschungseinrichtungen verließen. Das gewährleiste einerseits den Schutz personenbezogener Daten und erlaube andererseits Krankenhäusern und Forschungsinstituten eine effizientere Nutzung ihrer bestehenden Systeme, so Schapranow. Das soll künftig auch die internationale Zusammenarbeit im medizinischen Bereich beschleunigen.

Wissenschaftler der Hochschule Mainz arbeiten unterdessen an einem System, das Asthma-Patienten durch die Kombination von Umweltdaten und individuellen Gesundheitsmerkmalen Orientierungshilfen bietet, um Atemprobleme zu vermeiden. Die Idee ist, dass jeder Patient mit einer mobilen Sensor-Box ausgestattet wird, die beispielsweise Informationen über die Luftverschmutzung sammelt. Die Signale werden dann von einer Software verarbeitet, die sie mit dem persönlichen Asthma-Tagebuch sowie weiteren Datenquellen abgleicht. So lassen sich sequenzielle Muster verschiedener Faktoren ausfindig machen, die den Gesundheitszustand des Patienten beeinflussen.

Bewerbungsperiode für 2016

Am Rande der Tagung beriet die Steuerungsgruppe des HPI-Spitzenforschungslabors für die kommende Forschungsperiode über 38 Projektanträge, die aus Ländern wie den USA, China und Schweden eingereicht wurden. Eines dieser Projekte wird sich mit der Entwicklung von Komponenten eines Erdsystemmodells beschäftigen – eine Aufgabe, die vor allem im Kontext des Klimawandels immer relevanter wird. Die neue Bewerbungsperiode für Projekte im HPI Future SOC Lab läuft bis zum 16. März 2016. Weitere Informationen dazu finden sich auf der Seite des Labors.

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