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Internationale IT-Sicherheitsexperten über Kriegsphantasien im Internet

Angst vor dem Cyberwar

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Kritische Infrastruktur in Gefahr

Die zahlreichen Industriesteuerungen von Produktionsstädten einer realen Stadt, sowie deren urbane Infrastruktur bieten Angreifern zahlreiche Ansatzpunkte, wie der der Berliner IT-Experte und Unternehmer Felix Lindner ausführt, nicht zuletzt, weil zunehmend vernetzt wird, was früher aus gutem Grund autark funktionierte.

„Nirgendwo kann man sichere Computer oder sichere Infrastruktur kaufen, diese stammt noch aus einer Zeit, als niemand daran dachte, sie mit dem Internet zu verbinden. In feindlicher Umgebung sind sie massiv verwundbar, und die zunehmende Vernetzung potenziert die Gefahren noch. Wer überall ungesicherte Zugänge ins Web einbaut, darf sich nicht wundern, wenn er gehackt wird“, so Felix Lindner.

Ein umfassender Schutz wäre nur durch neue, robuste Computer-Systeme möglich. Deren Entwicklung halten Experten zwar für möglich, aber für unwahrscheinlich. Schließlich regiert überall der Rotstift.

„Es fehlt in den jetzigen Plänen der USA an konkreten Druckmitteln, um die Betreiber von Wasser- Gas- und Stromversorgung dazu zu zwingen, ihre Systeme in Teilen neu und sicherer zu bauen“; erläutert Felix Lindner, „die Politik versucht es mit sanftem Druck, der wird aber wohl kaum ausreichen, denn Sicherheit ist eine reine Kostenstelle, in das kein Unternehmen freiwillig große Summen investiert, denn es verdient anschließend keinen Cent mehr.“

Cyberwar als Simulation

„Wenn wir die Kontrolle über den Cyberspace verlieren, verlieren wir auch die Kontrolle über die reale Welt“, lässt sich Eric Bassel Direktor des US-Institutes für Netzwerksicherheit auf der Homepage seiner Organisation zitieren. Das SANS arbeitet an einer Software, um den Cyber Krieg zu simulieren. Die Autoren des IT-Schlachtfeldes versuchen, den Datenverkehr in der virtuellen Stadt so präzise wie möglich nachzubilden, um preiswerte Lösungen zu finden.

Bei früheren Tests stellte sich bereits heraus, dass schon kleinste Varianten bezüglich Inhalt und Anzahl der angreifenden Datenpakete zu gänzlich anderen Schadensbildern führen. Schäden, die aber nur im Umfeld einer simulierten Kleinstadt begrenzbar sind. Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus als in Cyber City, dem Namen des virtuellen Krieges.

Als Stuxnet im Jahr 2010 die iranischen Uranmühlen attackierte, zeigte sich allerdings auch, dass sich Attacken im Cyberspace nicht auf das ursprüngliche Ziel beschränken ließen. Der Schadcode selbst auf Computer in den USA über. Die meisten davon in zivilen Organisationen. Ähnlich wie bei Angriffen mit biologischen Waffen können die Kollateralschäden die militärische Wirkung schnell übertreffen. „Cyberangriffe mit selbstreplizierendem Code sollte man international ächten und verbieten“, so Felix Lindner, „ähnlich wie bei Biowaffen unterscheidet ein Computervirus nicht nach zivilen und militärischen Zielen.“

Das entspricht nicht unbedingt der Geisteshaltung der USA, wie der Vortrag von Robert M. Lee von der US Air Force zeigte. Hier sieht man Angriffswerkzeuge wie Stuxnet eher als Drohpotenzial und Darstellung der eigenen Fähigkeiten, ähnlich den Flächenbombardements in Vietnam. Dieser Herausforderung müsse man sich stellen.

In einem sind sich aber alle Experten einig: Alle zukünftigen Waffengänge werden Elemente des Cyberwar enthalten. Für einen Krieg braucht es aber nach wie echte Panzer und Flugzeuge. Ob sich auch Menschen darin befinden müssen, ist eine ganz andere Frage. Von Trojanern entführte Drohnen würden die Staatsrechtler in arge Bedrängnis bringen. Dann hätte der Cyberwar doch noch eine Chance.

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