Schwerpunkte auf der CeBIT: Mobil- und Cloud Computing Auch 2012 gilt: Die Musik spielt im Internet

Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Florian Karlstetter

Auch für dieses Jahr dürfen Messebesucher wieder mit Wolken über dem CeBIT-Gelände rechnen – zumindest was das Produktangebot angeht.

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Cloud Computing, Mobile Apps und IT-Security stehen bei den Top-Trends 2012 ganz oben.
Cloud Computing, Mobile Apps und IT-Security stehen bei den Top-Trends 2012 ganz oben.
(BITKOM)

Auf dem diesjährigen Presseforum 2012 in München drehten sich die Vorankündigungen der anwesenden Hersteller zur Leitmesse erneut vor allem um Cloud Computing und mobile Lösungen. Beispielsweise wird die Sage Software GmbH erstmals ihre ERP-Lösung „Office Line 365“ in Hannover vorstellen. Das Programmpaket ist bekannt – „Office Line“ ist seit rund 20 Jahren am Markt und wird vor allem vom Mittelstand gekauft. In der neuen Version kombiniert der Hersteller nun die Software mit den Vorzügen von Cloud Computing: Für knapp 90 Euro pro Monat und Anwender kann das Basis-Programm (Rechnungswesen und Warenwirtschaft) über das Internet abgerufen werden und soll dann sofort einsatzbereit sein. Sollen die Daten verschlüsselt übertragen werden, kostet das nochmal neun Euro.

Die Auswertung des zweiten Sage Business Index (befragt wurden 1800 deutsche Unternehmen) ergab, dass sich bereits acht Prozent der Befragten vorstellen können, ihre Buchhaltungssoftware als Cloud-Lösung zu beziehen und 16 Prozent wollen 2012 ihr Warenwirtschaftssystem wolkentauglich machen. „Das Interesse und das Vertrauen unserer Kunden wachsen“, beschreibt Andreas Heck, Mitglied der Geschäftsführung der Sage Software GmbH, den Stand der Dinge auf Kundenseite.

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Die größere Flexibilität durch bedarfsgerechte Bereitstellung von Services lockt so manchen Anwender oder vielleicht auch die möglichen Kostenreduzierungen durch den Wegfall von interner IT mit all den Managementproblemen. Rund 50 Prozent der von Sage befragten Nutzer erwarten laut Heck sogar ein Mehr an Sicherheit von Cloud-Services im Vergleich zur eigenen IT: „Diese Kunden trauen Cloud-Anbietern offenbar bessere Abwehrmechanismen zu als der eigenen IT-Abteilung.“

Und Sage schickt seine Nutzer nicht alleine in das Wolkenabenteuer sondern vermarktet den neuen Dienst wie gewohnt über Business-Partner. Die können dann gleich die Lösung an die individuellen Bedürfnisse des Kunden anpassen, wenn dies gewünscht wird. Generell wirbt Sage für den neuen Dienst damit, dass die Komplexität der ERP-Lösung bei Sage bleibt und der Kunde eigentlich „managed services“ bezieht. Sage hat für Office Line 365 kein eigenes Rechenzentrum angeschafft, sondern nutzt die Dienste von Elabs in Frankfurt am Main.

Wollen bestehende Nutzer von Office Line von unterwegs auf die ERP-Daten zugreifen, so ist das mit dem neuen Modul „Office Line Mobile“ möglich. Für iPad, iPhone und Android-Geräte stehen kostenlose Apps zum Download bereit. Das für den Datenabruf notwendige Modul „Office Line Connect“ schlägt mit gut acht Euro je Anwender und Monat zu Buche.

weiter mit: Datev setzt auf Sicherheit in der Cloud

Datev setzt auf Sicherheit

Die Datev nutzt die Gesellschaftsform für ihre Cloud-Dienste: die Genossenschaft als private Cloud erfüllt damit ziemlich genau das Generalthema der CeBIT 2012 „Managing Trust“. Denn Vertrauen und Sicherheit erreicht das Datev-Angebot allein schon dadurch, dass die tatsächlichen und potenziellen Kunden als Datev-Mandanten bereits bekannt sind.

In Hannover wird die Datev die Einstiegsversion der ERP-Software „DATEV Mittelstand compact“ für kleine und mittelgroße Unternehmen vorstellen. Im Paket enthalten sind Funktionen für das Auftragswesen, die digitale Dokumentenablage und dient - integriert in die hauseigenen Cloud-Lösung - als digitale Plattform für den Beleg- und Datenaustausch mit dem Steuerberater. Das soll die Finanz- und Lohnbuchhaltung für kleine Firmen vereinfachen, die neben der Belegverarbeitung auch andere Services, etwa Zahlungsverkehr oder Mahnwesen an ihre Steuerkanzlei auslagern können.

Durch die konsequente Ausrichtung auf die Verarbeitung von digitalen Belegen vereinfacht sich die Weiterverarbeitung – Buchführung und Bilanz - für die Steuerkanzlei. Das ist kein überflüssiges Detail, denn bereits ab 2013 akzeptieren die Finanzämter nur mehr die „E-Bilanzen“ also digitale Jahresabschlüsse.

„Konsequenterweise muss man also bereits in diesem Jahr mit der Umstellung auf die E-Bilanz beginnen“, empfiehlt Stefan Meisel, Mitglied der Datev-Geschäftsführung und verantwortlich für Produktmanagement und Service.

Auch die Genossenschaft trägt der weiten Verbreitung von Mobilgeräten Rechnung und wird in Hannover „DATEVnet pro mobil“ präsentieren, zunächst für die Apple-Geräte iPhone und iPad. Die können mit der neuen Lösung dann sicher auf Unternehmens- und Kanzleidaten zugreifen, weil sie in die schon bestehende Sicherheitsumgebung „DATEVnet“ eingebunden werden. Das bedeutet unter anderem, dass nur registrierte Geräte Zugriff erhalten und dazu noch ein Nutzungsprofil vorab definiert werden muss.

Für ihre Online-Dienste setzt die Datev auf geschlossene Cloud-Systeme. Der Zugriff auf Daten ist nur nach Authentifizierung mittels Hardware-Komponente und zusätzlicher PIN-Eingabe möglich. Der Datentransfer läuft verschlüsselt und über eine gesicherte Verbindung.

weiter mit: Alles wird mobil - sogar der SAP-Zugriff

Alles wird mobil – sogar der SAP-Zugriff

Die Hamburger Circle Unlimited macht es mit „cuConnect s@p“ möglich, von sämtlichen Smartphones auf SAP-Inhalte zuzugreifen und zwar in Echtzeit. Die gewünschten SAP-Dokumente können dabei sogar als Bilddateien im Vollformat dargestellt werden. Der Hersteller bietet zahlreiche Optionen auch hinsichtlich der Sicherheitsfunktionalität. In jedem Fall erfolgt die Kommunikation mit dem SAP-System verschlüsselt und es werden keine Firmendaten auf dem Endgerät gespeichert.

Die österreichische Fabasoft Distribution GmbH nutzt die Cloud unter anderem als Collaboration-Werkzeug, wobei in der Wolke sogenannte Team-Rooms eingerichtet werden, in denen sich die Beteiligten virtuell treffen. Das Thema Sicherheit spielt hier natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle, sollen doch vertrauliche Projektdaten auch von Mobilgeräten aus bearbeitet werden. Fabasoft setzt beim Zugriff auf die Cloud konsequent auf Standards wie CMIS, WebDAV, CalDAV, HTTPS oder Folio Cloud Apps und versichert, dass keine US-amerikanische Software eingesetzt wird, so dass die Lösung nicht dem US Patriot Act unterliegt, die US-Regierung also keinen Zugang zu Daten oder sonstigen Informationen erhält.

Mobile Umgebungen erfordern angepasstes Marketing

Die neuen digitalen Möglichkeiten verlangen nach neuen Marketingkonzepten, denn Firmen sollten ihre Marken nicht nur im digitalen Katalog oder Ladengeschäft präsentieren sondern auch in Blogs, Video-Clips auf Youtube oder Facebook-Einträgen. „Mobile Lösungen fordern die Einbeziehung in den Marketing-Mix“, postuliert Achim Reupert, Director Sales, Nionex GmbH. Er nennt als Trends für dieses Jahr vier Punkte: die Optimierung der Marke für Suchmaschinen und Social Media, das Video-Marketing werde ebenfalls wichtig sowie die Bereitstellung der Verkaufsinformationen optimiert für die einzelnen Kanäle sprich Mobilgeräte.

Reupert und seine Kollegen von Nionex, einer Bertelsmanntochter, erwarten zudem eine Neubelebung des Fernsehens insbesondere, wenn Apple tatsächlich 2012 ein TV-Gerät auf den Markt bringen sollte. „TV, Internet und Social Media wachsen zusammen“ glaubt der Verkaufsprofi und postuliert für seine Kunden die Cross-Channel-Optimierung, denn „das Web Content Management verändert sich hin zum Web Experience Management bis es beim eigentlich Ziel, dem Customer Experience Management, angekommen ist“.

Ähnlich denkt Wolf Ingomar Faecks, Geschäftsführer bei Sapient GmbH, der mit seinem Vortrag „die disruptive Kraft der Digitalisierung“ auf dem Presseforum 2012 forderte, Markenerlebnisse zu produzieren. Die neuen technischen Möglichkeiten müsse man dazu nutzen, „konsistente Botschaften über alle Kanäle“ möglichst in Echtzeit zu verbreiten und „emotionale Kundenerlebnisse“ zu produzieren, am besten unter Einbeziehung des Kunden selbst, der zum Entwickler wird. „Transaktion ist die neue Kommunikation“ glaubt Faeks.

Also auf nach Hannover! Die diesjährige CeBIT findet statt vom 06. bis 10. März 2012.

Die Autorin

Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin, Coach und Mediatorin in München.

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