Fallstudie – Bewusster Verzicht auf den Datenschutzbeauftragten

BDSG wird trotz Novellierung ignoriert

| Autor / Redakteur: Julia Rummel / Stephan Augsten

Warum das BDSG nicht ernst genommen wird

Ähnlich wie Easyfeedback fürchten viele Unternehmen, dass ein externer Datenschutzbeauftragter betriebliche Abläufe durcheinander bringt. Darüber hinaus könnte er ja unnötig überdimensionierte Datenschutzkonzepte durchsetzen und hohe Kosten verursachen. Aufgrund dieser Unannehmlichkeiten kämpfen interne Datenschutzbeauftragte oft gegen Windmühlen.

Rautenberg kennt nach eigenen Angaben einen Fall, bei dem die Firma den Break-Even-Point abwartet: „Das heißt, es wurde ermittelt, was es kostet, den Datenschutz umzusetzen und ab wie viel verhängten Bußgeldern es sich nicht mehr rechnet, diesen zu ignorieren.“ Da die Behörden mit der Überprüfung allerdings hoffnungslos überfordert seien und auch die Bundesregierung selbst wenig Interesse an Datenschutz habe, könne dies lange dauern.

„Vieles von dem, was Herr Snowden ,enthüllt` hat, ist der Bundesregierung schon seit 2005 bekannt, nur haben dies die Medien nicht wahrgenommen beziehungsweise thematisiert“, behauptet Rautenberg. „Beispielsweise hat der Verfassungsschutz damals schon behauptet, dass die USA HTTPS-Verschlüsselung in Echtzeit entschlüsseln können oder dass England Daten sammelt, an die einheimische Wirtschaft weiterleitet und die englischen Behörden per Gesetz sogar dazu verpflichtet sind, dies zu tun.

Ebenso sei auch bekannt gewesen, dass die Anstellung chinesischer Praktikanten ein Risiko darstellt, da ihr Heimatland diejenigen belohnt, die es schaffen, Know How aus anderen Ländern zu stehlen. Dass die Regierung all dies schon 2005 gewusst, aber nichts unternommen habe, ist für Rautenberg ein Beleg für die alibimäßige Umsetzung des Datenschutzgesetzes.

Fehlender Datenschutz kann teuer werden

Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele: So berichtete der Datenschutzbeauftragte eines Großkonzerns, dass dieser derzeit noch mit rund 200 Dienstleistern zusammenarbeitet, die sich weigern, den Datenschutz im Rahmen der Auftragsdatenverarbeitung nach §11 BDSG umzusetzen.

„Nun wurde eine behördliche Kontrolle innerhalb der kommenden sechs Monate sowie ein Bußgeld in Höhe von 5.000 bis 10.000 Euro für jede nicht abgeschlossene Auftragsdatenverarbeitung angedeutet. Während der Datenschutzbeauftragte fieberhaft daran arbeitet, die Auftragsdatenverarbeitung zu bekommen, arbeitet eine weitere Abteilung daran, die rund 200 Dienstleister auszutauschen“, berichtet Rautenberg.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42534927 / Compliance und Datenschutz )