Gelöschte oder zerstörte Daten retten Bei Datenverlust helfen Tools und Spezialfirmen

Autor / Redakteur: Peter Riedlberger / Peter Schmitz

Zerstört ein Festplattencrash wichtige Daten, oder löscht sie ein Benutzer versehentlich, ist noch nicht aller Tage Abend. Auch in solchen Katastrophenszenarien gibt es oft noch Rettungsmöglichkeiten, wenn man die richtigen Tools und Spezialistern zu Rate zieht.

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Wenn wichtige Daten gelöscht werden, helfen Tools zur Datenwiederherstellung oder professionelle Datenretter.
Wenn wichtige Daten gelöscht werden, helfen Tools zur Datenwiederherstellung oder professionelle Datenretter.
( Archiv: Vogel Business Media )

Wer sich sorgfältig um die Sicherung der Firmendatenbestände kümmert, sollte keinen Bedarf für eine Datenwiederherstellung haben. Das ist schon grundsätzlich so richtig, aber es gibt dennoch unkalkulierbare Fälle. So kann das Notebook eines externen Mitarbeiters einen Head-Crash erleiden, der die Arbeit von zwei Wochen zunichte macht. Oder es kann zu einem Brand kommen, in dessen Verlauf Festplatten wie Backupbänder von Feuer und Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen werden. Der häufigste Fall ist menschliches Versagen, d.h. jemand löscht versehentlich Dateien, die noch benötigt werden.

Gelöschte Dateien mit Profi-Tools selbst wiederherstellen

Wird eine Datei unter Windows gelöscht, wandert sie zunächst in den Papierkorb, von wo aus sie der Anwender selbst wiederherstellen bzw. „endgültig“ löschen kann. Auch dieser zweite Löschvorgang ist keineswegs endgültig. Zwar wird der Festplattenspeicher im Betriebssystem als verfügbar angezeigt, aber das Dateisystem macht sich nicht die Mühe, die gelöschte Datei tatsächlich zu überschreiben. Der belegte Speicherplatz wird einfach intern als überschreibbar markiert.

Solche Dateien gehen erst verloren, wenn es zu Veränderungen kommt, zum Beispiel wenn neue Dateien gespeichert werden und der Platz belegt und damit überschrieben wird. Andere, oftmals destruktive Maßnahmen sind Defragmentieren und die Verwendung von Checkdisk.

Wenn es zu einem derartigen Datenverlust kommt, ist es dem Administrator oft möglich, selbst die Daten wieder herzustellen. Bei verlorenen Partitionen (d.h. beschädigten Partitionstabellen) ist das kostenlose Testdisk (http://www.cgsecurity.org/wiki/TestDisk) das Tool der Wahl. Sollen Dateien rekonstruiert werden, helfen kommerzielle Tools, die zum Teil direkt von den professionellen Datenrettungsfirmen stammen:

  • Ontrack EasyRecovery DataRecovery: Dieses Produkt ist in drei Lizenzen erhältlich, Lite (max. 25 Dateien), normal und Technikerlizenz. Administratoren benötigen die Technikerlizenz. In dieser Variante umfasst das Produkt zusätzliche Features (wie beschädigte Dateien reparieren), kostet aber 1070 Euro. Man kann eine Testversion herunterladen.
  • O&O DiskRecovery: Ebenfalls in drei Lizenzen erhältlich (Personal, Admin, Tech). Die Admin-Lizenz kostet 260 Euro. Interessierte können eine Testversion anfordern.
  • Convar PC Inspector File Recovery: Dieses Tool ist Freeware.
  • Piriform Recuva: Auch dieses Utility ist Freeware.

Je nach Fragmentierungszustand der Festplatte kann es aber durchaus sein, dass diese Tools die gelöschten Dateien nicht wiederherstellen können. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass die Dateien endgültig verloren sind. Es ist durchaus möglich, dass ein professioneller Datenretter sie manuell wiederherstellen kann.

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Datenrettungsunternehmen helfen wenn nichts mehr geht

Dabei dürfte dies noch eine der leichtesten Übungen für ein Datenrettungsunternehmen sein. Solche Spezialfirmen können auch bei Head-Crashs oder gar Zerstörung durch physikalische Einflüsse von außen helfen – jedenfalls in bestimmten Fällen.

Diese Unternehmen haben Archive mit allen hergestellten Laufwerkstypen. Liegt also etwa nur ein Problem mit der Platine vor, kann diese im Handumdrehen getauscht und die Platte ausgelesen werden. Für dramatischere Fälle steht ein Reinraum zur Verfügung, in dem das Festplattengehäuse geöffnet und die Platters herausgenommen werden.

Datenrettung ist Vertrauenssache, in mehrerlei Hinsicht. Erstens können die Daten bei einem unzulänglichen Rettungsversuch endgültig zerstört werden. Zweitens gibt man wertvolle Firmendaten aus der Hand, man ist also unbedingt auf den vertraulichen Umgang damit angewiesen.

Wer nach Datenrettung sucht, wird eine ganze Reihe von Firmen finden, die solche Dienste im Internet anbieten. Dabei kann es sich um Kleingewerbetreibende handeln, die nur die Technikerlizenz eines der Software-Tools besitzen. Man sollte sich unbedingt kundig machen. Eine empfehlenswerte Frage ist, ob die Firma einen Reinraum besitzt. Wenn dies nicht der Fall ist, kann sie ohnehin keine schwierigen Fälle lösen und betreibt die Datenrettung nicht in letzter Konsequenz.

Folgende Unternehmen sind empfehlenswert; diese Liste soll nicht bedeuten, dass es nicht auch andere kompetente Datenretter gibt:

  • CBL: Weltweit tätiger Datenretter mit Zentrale in Toronto und deutscher Hauptniederlassung in Kaiserslautern. 24/7 Service, kostenlose Diagnose. Tel.: 0800-5500999.
  • Convar: Auch Convar ist ein internationales Unternehmen mit deutschem Datenrettungslabor in Pirmasens. Convar wirbt damit, dass sein Labor so abgesichert ist, dass es US-Militärnormen entspricht. Auch Convar bietet 24/7 Service, die Diagnose ist allerdings kostenpflichtig (ab 150 Euro). Tel.: 06331-268268.
  • Kroll Ontrack: Der einst bekannte Datenretter Vogon wurde vom Konkurrenten Ibas übernommen, der seinerseits von Kroll Ontrack geschluckt wurde. Kroll Ontrack verfügt heute allein in Deutschland über drei Reinräume (Böblingen, München, Hamburg). Ontrack bietet 24/7 Service. Die Diagnose pro Festplatte kostet ab 90 Euro. Tel.: 0800-10121314.

Die eigentlichen Kosten lassen sich nicht verallgemeinern. Üblicherweise werden für minderschwere Fälle dreistellige Beträge fällig. Kommt der Reinraum zum Einsatz, muss vierstellig kalkuliert werden. Aber je nach Bearbeitungsgeschwindigkeit und ähnlichen Faktoren kann es hier noch zu erheblichen Abweichungen kommen.

Fazit

Es sollte eigentlich nicht zu Datenrettung kommen. Bei redundanten Systemen, sorgfältigen Backups und off-site-Verwahrung von Backup-Bändern kann relativ wenig schief gehen. Falls aber dennoch zu einer Katastrophe kommt, kann im Fall gelöschter Daten oder verschwundener Partition eventuell noch selbst Abhilfe schaffen. Bei schlimmeren Ursachen helfen professionelle Datenretter.

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