Sicheres Android-Smartphone vorgestellt Blackphone soll Überwachung durch NSA verhindern

Autor / Redakteur: Moritz Jäger / Peter Schmitz

Geeksphone und Silent Circle, die Macher hinter dem „Privatsphären-Smartphone“ Blackphone, haben auf dem Mobile World Congress den Schleier um das neue sichere Smartphone auf Android-Basis gelüftet.

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Mit dem Android-Smartphone Blackphone wollen der Sicherheitsanbieter Silent Circle und der Smartphone-Hersteller Geeksphone Anwendern sicheres Surfen und private Kommunikation ohne Überwachung durch Geheimdienste und Unternehmen ermöglichen.
Mit dem Android-Smartphone Blackphone wollen der Sicherheitsanbieter Silent Circle und der Smartphone-Hersteller Geeksphone Anwendern sicheres Surfen und private Kommunikation ohne Überwachung durch Geheimdienste und Unternehmen ermöglichen.
(Bild: Blackphone)

Als Reaktion auf den Überwachungsskandal der NSA und die Snowden-Enthüllungen hatten im Januar die amerikanischen Sicherheitsexperten von Silent Circle und die spanischen Smartphone-Entwickler von Geeksphone das Blackphone als sicheres Kommunikationsgerät angekündigt.

Am Montag wurde das Gerät auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona vorgestellt. Ab sofort sind Preis, Hardware-Ausstattung und installierte Software bekannt, bereits jetzt kann das Blackphone für knapp 749 US-Dollar oder 545 Euro vorbestellt werden. Die Auslieferung soll im Juni 2014 erfolgen, dann ist das Smartphone auch bei ausgewählten Providern erhältlich.

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Hardware auf aktuellem Stand

Im Inneren des Android-basierten Smartphones arbeitet eine Quad-Core-CPU, getaktet mit zwei GHz. Zwei GByte RAM stehen für den Arbeitsspeicher bereit, Nutzer können Informationen integrierten 16 GByte Speicherplatz ablegen. Fraglich ist, ob das Blackphone externe Speicherkarten aufnehmen kann. Die Datenübertragung dürfte dafür nicht enttäuschen, im Gerät stecken Funkmodule für LTE und HSPA+, letzteres ist zu 3G und 2G abwärtskompatibel.

Das Blackphone verfügt über Front- und Rückkamera, diese nimmt Bilder mit bis zu acht Megapixeln auf. Beim Display haben sich die Macher für einen IPS-Touchscreen mit einer Bildschirmdiagonale von 4,7 Zoll entschieden. Die Auflösung wurde noch nicht genannt, ein HD im Namen lässt aber auf mindestens 720p hoffen.

Gehärtetes Android mit Privatsphären-Apps

Die Hardware des Blackphone ist soweit Android-Standardkost, beim Betriebssystem und der Software sieht das ganz anders aus. Die Macher setzen auf PrivatOS, ein speziell gehärtetes Android, bei dem die Standard-Apps für Kontakte, SMS und Telefonieren durch die Silent Circle Pendants ersetzt wurden. Damit ist das Smartphone direkt nach dem ersten Start in der Lage, die Kommunikation und gespeicherte Kontakte mittels Verschlüsselung vor neugierigen Augen zu schützen. Das Blackphone verfügt außerdem über eine integrierte Firewall, mit der sich Verbindungen überprüfen und sperren lassen.

Neben den eigenen Applikationen sind erfreulich wenige Apps von Drittanbietern vorinstalliert. Blackphone kooperiert mit SpiderOak beim Cloud-Speicherplatz, Nutzer erhalten für zwei Jahre fünf GByte Speicherplatz bei dem Anbieter, der nach eigenen Angaben gespeicherte Inhalte nicht auslesen kann. Ebenfalls integriert ist die VPN-Lösung Disconnect Secure Wireless, Blackphone-Nuzter können pro Monate ein GByte an Traffic kostenlos über den Dienst schicken. Von den Kismet-Machern kommt mit Kismet Smarter Wi-Fi ein WLAN-Manager, der den Standard-WiFi-Manager ersetzt. Vorteil hier: Die App erlaubt die Loklisierungsdienste nur bei zuvor ausgewählten, vertrauenswürdigen Hotspots.

Für Sicherheitsinteressierte ist besonders der Update-Prozess interessant: Das installierte PrivatOS wird regelmäßig von den Machern selbst aktualisiert, die Carrier werden nicht mit einbezogen. Das entfernt einen enormen Flaschenhals bei der Verteilung von Smartphone-Updates und dürfte Patches und Updates deutlich schneller verbreiten.

Sichere Kommunikation nur im Abo

Im Blackphone sind die Standard-Apps für Kontakte, SMS und Telefonieren durch Programme des Sicherheitsanbieters Silent Circle ersetzt. Silent Circle ist eine US-amerikanische Firma, die von ehemaligen Mitarbeitern des Verschlüsselungsanbieters PGP, Ex-Militärs und PGP-Erfinder Phil Zimmerman gegründet wurde.

Blackphone-Käufer können alle Silent Circle Services zwei Jahre kostenlos nutzen. Das im Blackphone-Preis von 629 US-Dollar (zzgl. MwSt.) enthaltene Zwei-Jahresabo von Silent Circle kostet normalerweise knapp 200 USD (99,95 USD pro Jahr). Wer den Dienst bereits abonniert hat, der verlängert sein Abo entsprechend.

Mit dabei im Kaufpreis ist zudem das „Friends and Family“-Paket, also drei Jahreslizenzen von Silent Circle, so dass Blackphone-Nutzer mit drei Android- und iPhone-Besitzern für ein Jahr über die Silent-Circle-Dienste kostenlos verschlüsselt kommunizieren können. Will man mit mehr Leuten kommunizieren können, müssen diese entweder selbst ein Blackphone besitzen, oder die Silent Circle Mobile-Suite für knapp 100 USD pro Jahr abonnieren

Inklusive sind auch jeweils Zwei-Jahresabos für den VPN-Service von Disconnect und den Cloud-Speicher von SpiderOak im Wert von jeweils 120 USD. Nach Angaben des Herstellers komme man so auf einen Gesamtwert von über 1500 US-Dollar. Wie hoch die Kosten für den Blackphone-Besitzer nach Ablauf der ersten zwei Jahre werden kann man jedenfalls erahnen.

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