Krypto-Verfahren

Blockchains – wichtig aber bald kaum noch im Gespräch

| Autor / Redakteur: Martin Kuppinger / Stephan Augsten

Mit Blockchains lassen sich neben Bitcoin-Transaktionen noch ganz andere Anwendungen absichern.
Mit Blockchains lassen sich neben Bitcoin-Transaktionen noch ganz andere Anwendungen absichern. (Bild: Archiv)

Blockchain hat sicher das Potenzial zum IT-Schlagwort des Jahres, eben weil es nicht mehr nur Bitcoin-Transaktionen betrifft. Es wird sehr viel darüber geredet, geschrieben und getweetet. Manches davon ist richtig, manches nicht, wie es immer bei neuen Themen der Fall ist.

Inzwischen hat sich auf breiter Basis die Erkenntnis durchgesetzt, dass es viele Arten von Blockchains gibt. Ursprünglich tauchte das Schlagwort im Zusammenhang mit Bitcoins auf, mittlerweile gibt es auch die Ethereum-Blockchain und noch viele weitere. Dabei unterscheiden sich auch die Ansätze signifikant.

Es gibt anonyme Blockchains, die nach einem als „proof of work“ bezeichneten Modell neue Einträge überprüfen und bestätigen. Es gibt das „proof of stake“-Modell und einige andere. Diese als „consensus model“ bezeichneten Ansätze regeln, unter welchen Bedingungen neue Einträge in eine Blockchain aufgenommen werden können.

Manche sind sehr rechenintensiv, funktionieren dabei aber auch in anonymen, öffentlichen Blockchains wie der Bitcoin-Variante, während andere sehr transaktionsorientiert arbeiten, aber nur für sogenannte „permissioned blockchains“ geeignet sind, bei denen klar geregelt ist, wer für das Hinzufügen von Einträgen zuständig ist. Die „richtige“ Blockchain gibt es nicht, nur die richtige für einen bestimmten Einsatzzweck.

Was eine Blockchain kann und wofür sie sich eignet

Warum aber bekommt das Thema eine solche Aufmerksamkeit? Das Konzept einer Blockchain ist es, Transaktionen in Blöcken zu speichern, wobei die Blöcke über kryptografische Mechanismen in einer Weise miteinander verkettet werden, die sowohl nachträgliche Änderungen verhindert als auch die zeitlich korrekte Abfolge der Blöcke sicherstellt.

Ein weiteres wichtiges Charakteristikum ist, dass Blockchains typischerweise als verteilte Strukturen aufgebaut sind. Der englische Überbegriff „distributed ledger“, also in Übersetzung „verteiltes Hauptbuch“ mit dem Hauptbuch als dem zentralen „Dokument“ der Buchhaltung, beschreibt das gut.

Damit sind Blockchains für all die Anwendungsfälle interessant, in denen Daten in der korrekten zeitlichen Abfolge und/oder in nicht mehr nachträglich manipulierbarer Form gespeichert werden müssen. Das gilt beispielsweise für den Besitz von Krypto-Währungen. Es ist für Verträge wichtig. Es ist für die Zuordnung von Geräten und Dingen zu Benutzern für Zwecke der Authentifizierung hilfreich. Es hilft bei unzähligen anderen Anwendungsfällen, von der eindeutigen Nachvollziehbarkeit von Compliance-relevanten Dokumenten zu Kunden in einer Bank bis hin zu Audit-Lösungen.

Man könnte es auch so formulieren: Blockchains sind schlicht eine andere Art von Datenbank. Manche Aufgabenstellungen lassen sich damit viel besser lösen als mit traditionellen Datenbanken – und andere nicht. Man muss also überlegen, wann Blockchains die bessere Lösung sind.

Diese Analogie macht aber auch deutlich, warum wahrscheinlich in einigen Jahren nicht mehr viel über Blockchains geredet werden wird: Sie sind eben nur ein Lösungsansatz für bestimmte Probleme, so wie es relationale Datenbanken, hierarchische Datenbanken und so weiter auch sind.

Ebenso wie sich die Frage, welche Art von Datenbank wofür am besten geeignet ist, schon vor vielen Jahren auf eine technische Ebene verlagert hat, was auch für NoSQL-Datenbanken und so weiter gilt, wird es auch mit Blockchains sein. Man wird sie nutzen, wenn das Business-Problem die Nutzung eines solchen Datenspeichers nahelegt. Man wird verstanden haben, wann welche Art von Blockchain am besten geeignet ist.

Martin Kuppinger: „In einigen Jahren wird wahrscheinlich nicht mehr viel über Blockchains geredet werden.“
Martin Kuppinger: „In einigen Jahren wird wahrscheinlich nicht mehr viel über Blockchains geredet werden.“ (Bild: KuppingerCole)

Schon heute gibt es von Anbietern wie IBM oder Microsoft entsprechende Service-Modelle. Genau das werden Blockchains sein: Ein Dienst, um bestimmte Arten von Business-Problemen, die eine verteilte und/oder zeitlich korrekte Abfolge und/oder Fälschungsicherheit von Einträgen erfordert, besser zu lösen.

Klar ist aber auch: Blockchains sind heute relevant und sie werden relevant bleiben, selbst wenn die Entwicklung erst ganz am Anfang steht.

* Über den Autor

Martin Kuppinger ist Gründer des Analystenunternehmens Kuppinger Cole, das sich mit digitalen Identitäten, Identity und Access Management, GRC (Governance, Risk Management, Compliance) und Cloud Computing beschäftigt.

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