Begrenzte Lebenszeit von Backup-Trägern

CD-R contra Cloud

| Autor / Redakteur: Matthias Breusch / Dr. Jürgen Ehneß

Einfach und schnell zu handhaben, aber als Backup-Medium auf Dauer ungeeignet: die CD-R.
Einfach und schnell zu handhaben, aber als Backup-Medium auf Dauer ungeeignet: die CD-R. (Bild: ©312010 - stock.adobe.com)

Auch wenn das ungeliebte Thema immer wieder gerne verdrängt wird, ist ein Backup für jegliche digital erstellten Daten essenziell – egal, ob es sich um die privaten Fotos auf dem Smartphone oder die Unternehmensdaten handelt. Doch leider ist nicht jedes Speichermedium als Backup-Träger geeignet.

Datensicherung auf CD-R ist alles andere als eine praktikable Dauerlösung, wie sich vor kurzem wieder einmal nachdrücklich bestätigt hat. Das digitale Gedächtnis der Menschheit offenbart massive Lücken. Eine in Lehm geritzte mesopotamische Keilschrift oder der Fotokoffer auf Omas Dachboden verfügen über eine längere Lebensdauer als in Polycarbonat modellierte Informationen. Will man seine Daten nachhaltig sichern, kommt man daher um moderne redundante Speicherlösungen in Mehrfachkopie nicht herum – Cloud-Storage inbegriffen.

Im Juni 2019 wurde im Nachlass eines verstorbenen New Yorker Bauarbeiters ein kleiner Schatz entdeckt: Der Mann gehörte zu jenen Teams, die ab 2001 den gigantischen Schutthaufen des World Trade Centers aufzuräumen hatten. Neben seiner Arbeit schoss er mit einer Digitalkamera Tausende von Fotos und speicherte mindestens 2.400 dieser Momentaufnahmen auf CD-Rs. Allerdings war nur ein Teil des Fundes noch existent, denn die Discs erwiesen sich bereits als zu stark beschädigt.

In den 1980ern ging man noch davon aus, es bei den beschreibbaren Silberlingen mit einem Datenträger von nahezu unbegrenzter Lebensdauer zu tun zu haben. Seitdem sind die Erwartungen an die Scheibchen drastisch gesunken. Bei optimaler Lagerung werden ihnen von Experten – je nach Qualität und Versiegelung – maximal zwischen zehn und hundert Jahren zugestanden, innerhalb derer sich hundert Prozent der darauf gelagerten Informationen problemlos abrufen lassen. Vorausgesetzt, 2120 existieren noch entsprechende Lesegeräte.

Die Gefahren für derlei Backup-CD-Rs sind simpler Natur, selbst wenn sie vermeintlich ideal gelagert werden: Sie mögen neben Hausstaub, Kratzern, Aufklebern, Lösungsmitteln aus Beschriftungen und Handschweißspurenelementen aus Fingerabdrücken keine Temperaturen über 25 Grad, keinerlei Sonnen- oder Halogenlicht und im engen Kanal zwischen 40 und 60 Prozent Feuchtigkeitsgehalt weder zu trockene noch zu feuchte Luft.

All diese Faktoren tragen dazu bei, dass die aufgedampften Aluminiumschichten verwittern, die den Laserstrahl reflektieren. Und ohne diese Reflexion ist die Disc so unleserlich wie das längst verblichene Papier aus einem Faxgerät des vergangenen Jahrtausends.

Die Hersteller sind diesem Prozess durch das zusätzliche Aufbringen von Phtalocyanin (golden), Cyanin (grünlich) und Azo (bläulich) begegnet. Mehr als hundert Jahre möchte auch diesen eloxierten Konserven ohne Langzeiterfahrung indes kein Experte zutrauen.

Allerdings sind sonstige Datenspeicher ebenfalls nicht vor Teil- oder Totalverlust sicher. Für SSDs jeglicher Art gelten aufgrund der begrenzten Beschreibungszyklen beispielsweise dieselben schmalen zehn Jahre Sicherheitsgarantie wie für den überwiegenden Teil der im Umlauf befindlichen Silberscheibchen.

Die nächste, stabilere Generation ist nur eine Frage der Zeit. Aber bis es so weit ist: Finger weg von CD-Rs als Backup-Speicher! Sonst hat Opas Fotoalbum keine Überlebenschance.

Im Fokus: Backup – Datensicherung für jeden Bedarf

Lesen Sie bei unserem Schwesterportal Storage-Insider weitere Beiträge zu dem Schwerpunktthema Im Fokus: Backup – Datensicherung für jeden Bedarf.

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