Wölkchen über Deutschland — klein, transparent, rechtssicher und oho! Cloud made in Germany – ermuntert zum Einstieg

Autor / Redakteur: Andreas Beuthner / Ulrike Ostler

Die Fachwelt ist gespalten: Die Verlagerung von Rechenleistungen und Applikationen in eine Cloud birgt Risiken hinsichtlich der Datensicherheit und Compliance. Andererseits zeigen verschiedene Delivery-Modelle, dass Cloud-Dienste in einer definierten und messbaren Qualität aus Kosten- und Performancegründen zu Wettbewerbsvorteilen führt. Clouds aus Deutschland sind vielleicht die Lösung. Hier ein Überblick.

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Cloud made in D.: nah und ohne Fallstricke. Bild: fish777/Pixeliio
Cloud made in D.: nah und ohne Fallstricke. Bild: fish777/Pixeliio
( Archiv: Vogel Business Media )

Auf der Wunschliste vieler IT-Planer steht Cloud Computing an oberster Stelle, aber mit Fragezeichen. Eine interne Untersuchung der IT-Abteilung des Automotive-Konzerns Continental beispielsweise sieht bei einer Private Cloud für einzelne Infrastruktur- und Softwareservices einen hohen Grad der Kontrollierbarkeit als gegeben, wohingegen im direkten Kosten-Nutzen-Vergleich die Public Cloud wesentlich besser abschneidet.

Als Schlussfolgerung ergibt sich daraus ein hybrider Ansatz, der lokale Server-Ressourcen mit öffentlichen Cloud-Angeboten eines vertrauenswürdigen Providers kombiniert. Trotzdem sind damit nicht alle Hürden beseitigt. Vor der Entscheidung für Cloud-Instanzen sollten Anwender ihre geschäftskritischen Anwendungen einer genauen Evaluierung unterziehen.

Unternehmen, die bereits die Standardisierung ihrer Geschäftsprozesse weit vorangetrieben haben und ihre IT-Ressourcen nicht durch weiteren Zukauf von Hard- und Software ausbauen wollen, gehören zu den aussichtsreichsten Cloud-Einsteigern. Um das Cloud-Angebot am deutschen Markt voranzutreiben, sind im vergangenen Jahr einige Initiativen an den Start gegangen.

Nationale Initiativen

Das Bundeswirtschaftsministerium hat sich mit dem Branchenverband Bitkom zusammengetan, um mit einem Aktionsprogramm die Umsetzung von Cloud-Projekten zu forcieren. Die Telekom-Tochter T-Systems will zusammen mit SAP, GFT und der Software AG eine bundesweite Cloud-Infrastruktur aufbauen. Zuvor hat bereits der europäische Verband Eurocloud zusammen mit dem Verband der Internetwirtschaft in Deutschland Eco eine deutsche Dependance in Köln eröffnet.

Grundlegende Überlegungen für den Einstieg betreffen den Funktionsumfang, der über eine Cloud bezogen werden soll, die Sicherheit der Daten und Applikationen sowie der rechtliche Status von Provider-Verträgen. In jedem Fall sind bei den Infrastruktur-Services (IaaS) wie Rechenleistung und Storage, der Entwicklungsumgebung (Platform-as-a Sevice, PaaS) und Softwarediensten (Software-as-a-Service, SaaS) bis zum externen Betrieb von Geschäftsprozessen (Business-Process-as-a-Service, BPaaS) die Netzwerkanbindung mit den richtigen Service-Level-Agreements (SLA) entscheidende Vertragspunkte.

Große Unsicherheiten herrschen bis dato bei der Anbietersuche. Bernd Becker, Vorstandssprecher des Eurocloud Deutschland Eco, sieht das Dilemma in den nach wie vor unklaren Sicherheitsstandards, die bei weltweit agierenden Providern je nach Standort der Rechenzentren divergieren. „Die Frage, wie Verträge im Cloud Coumputing rechtssicher und datenschutzkonform gestaltet werden müssen, stellt Anbieter und Anwender immer wieder vor große Herausforderungen“, so Becker.

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(Verwirrender) Angebotszuwachs

Sowohl die großen IT-Player wie Microsoft, Google, Oracle, Hewlett Packard, Salesforce oder Fujitsu Technology Solutions locken mit Cloud-Offerings als auch eine wachsende Zahl von Spezialisten und Newcomern.

Orientierung für mittelständische Unternehmen will die von Appsphere ins Rollen gebrachte Initiative „Cloud Services Made in Germany“ bieten. Insgesamt 29 Cloud-Anbieter stehen bereits auf der Teilnehmerliste darunter der in Karlsruhe ansässige IT-Dienstleister Boster, Myfactory, CAS, Pironet oder Reporta, Stoneone und Netviewer. Alle Cloud-Service-Betreiber unterhalten deutsche Rechenzentren, schließen Verträge mit SLA-Vereinbarung nach deutschem Recht und mit Gerichtsstand in Deutschland.

Boster hat sich auf Cloud-Angebote mit gehosteten ERP-Anwendungen von Microsoft Dynamics NAV fokussiert. Vertriebsleiter Daniel Rhim sieht großes Potential bei Unternehmen ab 25 PC-Arbeitsplätzen: „Wir haben ein eigenes Tool, das auf Knopfdruck individualisierte Services aus der Cloud liefert“, versichert Rhim.

Wichtigster Wachstumsmotor sei das zunehmende Smartphone-Computing mit mobilem Zugriff auf Businessdaten und E-Mail. Noch in diesem Jahr will Boster zusätzlich über eine SAP-Zertifizierrung Businessmanagementfunktionen der Walldorfer Softwareschmiede anbieten.

Fertige Bausteine als Zugpferd

IBM-Partner Stoneone akzentuiert sein Cloud-Portfolio als Plattform-Anbieter mit integrierter Test- und Entwicklungsumgebung für Cloud-Services. Fertige Cloud-Bausteine gibt es für Billing & Tracking oder die Personalverwaltung. Basis ist eine Web-Plattform, die Stoneone mit den IBM-Cloud-Services „Smart Business Development“ und „Test on IBM Cloud“ erweitert hat. Die Channel-Chefin IBM Deutschland, Doris Albiez, sieht im Cloud Computing ein nicht zu unterschätzendes Zugpferd für die deutschen Business-Partner.

Andere IBM-Partner wie Computacenter oder UBL Informationssysteme sind ebenfalls auf den Zug aufgesprungen und haben ihre Geschäftsmodelle auf Cloud-Angebote angepasst. Beispielsweise bietet die UBL maßgeschneiderte Cloud-Softwareserivces und Virtualisierungs-Technik für Systemressourcen.

Die deutschen Rechenzentren von T-Systems sind für die Telekom-Tochter die passende Startrampe, um mehr heimische Geschäftskunden in die Cloud-Umgebung zu bewegen. Im Mittelpunkt stehen Enterprise Applikationen von SAP und Microsoft. Im letzten Jahr holte sich T-Systems das SAP-Zertifikat für die so genannten Dynamic Services for SAP, die als gehostete Cloud-Services auf der eigenen Plattform liegen und sich auch zu kompletten SAP-Umgebungen für Unternehmen virtualisieren lassen.

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US-Anbieter nehmen EU ins Visier

Die mittlerweile unter dem Dach von Citrix Online agierende Netviewer hostet schon seit einiger Zeit Web-Collaboration-Umgebungen auf Basis von Saas. Mit der Übernahme durch den US-amerikanischen Virtualisierungs-Spezialisten könnten die Aktivitäten der Citrix-Division in Richtung Cloud-Services hierzulande zunehmen, denn sowohl die Netzwerkanbindung mobiler Laptops als auch die zahlreicher auftauchenden Business-Funktionen von Smartphones beleben die Nachfrage.

Der zunehmende Datentransport über Firmen- und Mobilfunknetze weckt zunehmend das Interesse für Cloud Computing bei F5 Network. Der Anbieter von „Application Delivery Networking“ (ADN) unterhält in München eine Niederlassung und will sein Partnernetz in Richtung Cloud Computing ausbauen.

F5 hat die Speicherfähigkeiten des Datei-Virtualisierungsgeräts „ ARX“ so erweitert, dass auch Cloud Storage Services unterstützt werden. Unternehmen haben es auf diese Weise leichter, Cloud-Storage-Konzepte in ihre bestehende Infrastruktur einzubinden.

Um den Zugriff auf die Daten einfacher zu gestalten, erscheinen die in der Cloud abgelegten Dateien so, als befänden sie sich im lokalen Rechenzentrum. Nach eigenen Angaben ist die neue Lösung uneingeschränkt qualifiziert für den Einsatz mit „Amazon S3“, „Iron Mountain VFS Cloud Storage“ und „Netapp Storage GRID“. Zudem kündigt der Hersteller die Qualifikation für weitere Service Provider noch in diesem Jahr an.

Private oder Public – Hauptsache Cloud

In diesem Jahr erwarten die großen der Branche bei Cloud Computing gute Geschäfte. Oracle treibt seine Cloud-Aktivitäten bei seiner von Sun Microsystems übernommen und mittlerweile zur „Oracle Office Suite“ weiterentwickelten Büro-Anwendung voran. Die Oracle Cloud Office Produkte eignen sich nach den Worten von Michael Bemmer, Vice President Oracle Office, sowohl für die Public als auch die Private Cloud. Allerdings gibt es bislang nur ein Preview.

Beim Cloud Storage ist häufig Zurückhaltung gegenüber dem Auslagern auf externe Datensilos zu beobachten. Knackpunkt ist bei intensiver Datennutzung die limitierte Bandbreite der Übertragungsnetze sowie die Interoperabilität lokaler IT-Ressourcen mit den Cloud-basierten Datenbanksystemen. Für private Clouds hat Oracle ein eigenes ClusterFile System realisiert das aus den Komponenten „Automatic Storage Management“ (ASM) sowie „Dynamic Volume Manager“ (DVM) besteht.

Bereits im Jahr 2010 kündigte der US-amerikanische Softwareriese eine Applikationsschnittselle für Cloud-Umgebungen an, die sich nach Firmenangaben für Public und Private Clouds einsetzen lässt und die Datenmigration zwischen unterschiedlichen Virtualisierungsumgebungen und Cloud-Systemen ohne Integritätsverlust ermöglicht.

Cloud Computing als Gewitter

Das Oracle-Angebot zielt gegen die konkurrierende „Azur Appliance“ von Microsoft und Google´s Cloud-Strategie mit Docs und einem Cloud-basierten Betriebssystem für Notebooks. Im Visier von Oracle-Chef Larry Ellison steht auch das umfassende Angebot des IT-Dienstleisters Hewlett Packard, der mit HP Enterprise Cloud Service-Compute bereits eine fortgeschrittene Cloud-Architektur für Cloud-Anbieter oder firmeninterne Cloud-Systeme vorweisen kann.

Wann Microsoft die Freigabe von „Office 365“ mit den erweiterten Cloud-Services bekannt gibt ist noch unklar. Die Betaversion umfasst „Exchange Online“, „SharePoint Online“ und „Lync Online“ sowie die „Office Web Apps“.

Der Autor:

Andreas Beuthner ist freier Autor in Gauting bei München.

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