BITKOM gibt Hinweise und Tipps gegen Internet-Betrug Cybercrime legt trotz Phishing-Rückgangs zu

Redakteur: Stephan Augsten

Sowohl die Phishing-Fälle als auch die daraus resultierenden Schäden haben laut BITKOM im vergangenen Jahr deutlich abgenommen. Einen Grund zur Entwarnung sieht der IT-Branchenverband allerdings nicht, immerhin gingen die Täter bei ihren Social-Engineering-Aktivitäten immer raffinierter vor.

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Phishing-Fälle und daraus resultierende finanzielle Schäden sind 2012 deutlich zurückgegangen.
Phishing-Fälle und daraus resultierende finanzielle Schäden sind 2012 deutlich zurückgegangen.
(Bild: Phishing - Robert Mizerek)

Im Jahr 2012 hat sich die Zahl der Phishing-Fälle im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert, meldet der Hightech-Verband BITKOM und beruft sich dabei auf die Zahlen des BKA (Bundeskriminalamts). 3.440 Phishing-Fälle wurden 2012 gemeldet, im Jahr 2011 waren es noch 6.422 Fälle gewesen.

Einen Rückgang verzeichnete das BKA auch bei den finanziellen Schäden, die im gleichen Zeitraum von 25,7 Milllionen Euro auf 13,8 Millionen Euro und somit um ebenfalls 46 Prozent gesunken sind. Damit sei die Zahl der Phishing-Delikte erstmals seit dem Beginn der Erhebungen im Jahr 2008 zurückgegangen, so der BITKOM.

Eine Phishing-Entwarnung könne man trotz der rückläufigen Zahlen trotzdem nicht geben, betont der BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Die Betrüger gehen immer raffinierter vor und setzen zunehmend Phishing-Viren ein.“ Internetnutzer müssten beim Online-Banking und beim Einkaufen im Web nach wie vor die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen einhalten.

Ungeachtet der Phishing-Trendwende ist Cyberkriminalität noch immer auf dem Vormarsch. Die Gesamtzahl der Cybercrime-Delikte ist laut BK A im Jahr 2012 um 8 Prozent auf 63.959 gestiegen. Insbesondere Datenveränderung und Computersabotage konnten im Jahr 2012 um 134 Prozent auf 10.857 Vorfälle zulegen.

Der IT-Branchenverband BITKOM hat einige Tipps zusammengestellt, mit denen sich Internetnutzer vor betrügerischen Aktivitäten schützen können. Welche das sind, lesen Sie auf der zweiten Seite dieses Beitrags.

Hier die wichtigsten Tipps des BITKOM gegen Angriffe von Internet-Betrügern:

Gesunde Vorsicht bei E-Mails

Banken bitten ihre Kunden nie per E-Mail, vertrauliche Daten im Netz einzugeben. Diese Mails sind gefälscht – am besten sofort löschen. Das gleiche gilt für dubiose E-Mails von Unbekannten, vor allem, wenn eine Datei angehängt ist oder ein Link, dem der Nutzer folgen soll. Hinter dem Anhang könnte ein Schadprogramm stecken

Verdächtige Dateien und Weblinks auf keinen Fall öffnen! Hinter dem Link verbirgt sich in der Regel eine präparierte Webseite, die den Rechner beim Aufruf verseucht. Häufig wird in der E-Mail mit einer Kontosperre gedroht. Mit solchen Einschüchterungen wollen Betrüger Bankkunden unter Druck setzen. PC-Nutzer sollten Drohungen ignorieren und Phishing-Mails nie beantworten.

Den Computer vor Schädlingen schützen

Wichtig ist eine gute Sicherheitsausstattung des Computers. Standard sind ein Anti-Viren-Programm und eine Firewall, um den PC vor schädlichen Dateien zu schützen. Die wichtigen Programme eines Computers werden regelmäßig aktualisiert. Updates sind umgehend zu installieren. Datenträger wie Speicherkarten, USB-Sticks oder CDs sollten auf Viren geprüft werden. Öffentliche Computer z.B. in Internet-Cafés sind für Bankgeschäfte nicht geeignet.

Vorsicht beim Aufruf der Bank-Webseite

Beim Online-Banking sollte die offizielle Adresse der Bank immer direkt eingegeben oder über eigene Lesezeichen (Favoriten) aufgerufen werden. Maßgeblich ist die Adresse, die die Bank in ihren offiziellen Unterlagen angibt. Die Verbindung zum Bankcomputer muss verschlüsselt sein. Das ist erkennbar an den Buchstaben „https“ in der Web-Adresse und einem Schloss- oder Schlüssel-Symbol im Browser.

Moderne Transaktionsverfahren nutzen

Für Überweisungen und andere Kundenaufträge sind Transaktionsnummern (TANs) nötig. Früher konnten Nutzer beim Online-Banking einen solchen Code aus einer Liste frei wählen. Sicherer ist das iTAN-Verfahren, bei dem die Codes nummeriert sind. Ein Zufallsgenerator der Bank bestimmt, welche TAN aus der Liste eingegeben werden muss.

Noch weniger Chancen haben Kriminelle beim mTAN-Verfahren: Die TAN wird dem Kunden aufs Handy geschickt und ist nur kurzzeitig gültig. Wichtig ist aber, dass auf dem Handy keine Schadprogramme sind. Weitere Schutzverfahren sind chipTAN und HBCI, bei denen der Kunde als Zusatzgeräte einen TAN-Generator oder ein Kartenlesegerät nutzt.

Mit Geheimzahlen richtig umgehen

Passwort (PIN) und Transaktionsnummern nicht auf dem PC speichern. Auch eine automatische Speicherung im Internet-Programm (Browser) ist riskant. Ein frei wählbares Passwort fürs Online-Banking sollte mindestens acht Zeichen lang sein und möglichst aus einer zufälligen Reihenfolge von Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bestehen. Fürs Online-Banking unbedingt ein separates Passwort wählen – keines, das auch für andere Dienste im Web genutzt wird. Empfehlenswert ist auch, die PIN rund alle drei Monate zu ändern.

Falls es zu spät ist – Schadensbegrenzung

Nicht immer ist das Geld sofort weg, wenn Kriminelle eine Sicherheitslücke ausgenutzt haben. Opfer sollten zuerst die Bank alarmieren. Wenn eine Phishing-Überweisung nicht lange zurückliegt, kann sie manchmal noch gestoppt oder rückgängig gemacht werden. Entsteht doch ein finanzieller Schaden, unbedingt Anzeige bei der Polizei erstatten. Das ist nötig, um eventuell Geld von der Bank zurückzubekommen. Falls der Kunde nicht grob fahrlässig gehandelt hat, zeigen sich viele Banken kulant.

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