Industrie 4.0 – Gefahrenlage 4.0 Das Internet der Dinge ist keine Zukunftsvision

Autor / Redakteur: Boris Bärmichl* und Stephan Augsten / Stephan Augsten

Sind Industrie 4.0 und Internet der Dinge nur ein Markting-Hype? Welche technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen mit dem Internet of Things einhergehen, beleuchtet eine Keynote auf der IT-SECURITY MANAGEMENT & TECHNOLOGY Conference 2015.

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Mit Fortschreiten der Industrie 4.0 degradiert sich der Mensch zur letzten Kontrollinstanz in einer Kette automatisierter Prozesse und Maschinen.
Mit Fortschreiten der Industrie 4.0 degradiert sich der Mensch zur letzten Kontrollinstanz in einer Kette automatisierter Prozesse und Maschinen.
(Bild: Archiv)

Aktuellen Schätzungen zufolge sind heute, also in diesem Augenblick, über 10 Milliarden Dinge mit dem Internet verbunden – und es werden jede Stunde, Minute und Sekunde mehr. Bereits im eigenen Heim wird der Zuwachs deutlich, denn vor dem DSL-Zeitalter fanden sich zu Hause vielleicht zwei Rechner, möglicherweise noch ein Netzwerk-Drucker.

Heute sind in einem Privathaushalt leicht zehn Geräte und mehr mit dem Internet verbunden. Das beginnt beim WLAN-Router und geht dahinter weiter mit Computern, einem oder mehreren Smartphones, Tablets und Smart TVs sowie Spielkonsole, Internetradio-Tuner oder Kamera. Hinzu kommen Fitness- bzw. Lifestyle-Produkte wie Schrittzähler, Blutdruckmesser oder die Smartwatch, die ebenfalls vernetzt sein wollen.

Damit nicht genug, wird das Internet der Dinge in absehbarer Zeit immer mehr erweitert: Um Kühlschränke, die selbst für Nachschub sorgen; um Fahrzeuge, die untereinander kommunizieren; um intelligente Stromzähler, Thermostate und ähnliche Geräte, die für mehr Energieeffizienz sorgen sollen.

Man sieht also, das Internet der Dinge ist mehr als nur ein Marketing-Gag oder gar ein künstlicher Hype. Wir leben schon mittendrin – und genießen an vielen Stellen den Luxus der Vernetzung, den schnellen Zugriff auf Informationen. Die Gefahr besteht darin, dass der Überblick über die vernetzten Dinge irgendwann einmal verloren geht.

Nimmt man nämlich noch die Industrie hinzu, bekommen wir schnell eine Vorstellung der Dimension, die schon heute das Internet der Dinge ausmacht. Denn die Steuerung automatisierter Maschinen, Produktionsstraßen und Roboter erfolgt bereits über mobile oder drahtgebundene Netzwerke.

Industrie 4.0 ist nicht mehr aufzuhalten

Das Internet der Dinge hat längst Einzug in die Fabrik gehalten – vorbei die Zeit, als das Firmengelände noch ein eingefriedetes Grundstück mit einem dicken Zaun und Wachpersonal war. Abschottung ist in einer Welt der Cloud, der intelligenten und vollautomatisierten Produktion sowie der globalen Vernetzung kaum mehr eine Option.

Bedeutet Industrie 4.0 also eine Gefahr? In jedem Fall verlangt sie nach einer Öffnung des Netzwerks – beispielsweise für Zulieferer, die über Computer in die Produktion eingebunden sind, um „Just in Time“ liefern zu können. Die intelligente Fabrik ist mehr eine offene Kommunikationsplattform.

Doch was bedeutet das für die IT-Security? Verändert sich gesamte Sicherheitsstrategie? Wo sind die Grenzen zwischen innerhalb und außerhalb der Firma und wie beeinflusst das meine aktuelle Sicherheitsregeln? Wie schütze ich in meiner Firma die Daten und das Know-How?

Im Rahmen der IT-SECURITY MANAGEMENT & TECHNOLOGY Conference 2015 wollen wir uns mit eben diesen Herausforderungen befassen. Der Autor wird Lösungen für die veränderte Sicherheitslage in der Industrie 4.0 aufzeigen. Denn Daten werden zum Erdöl des 21. Jahrhunderts – und wer sie richtig für sich nutzen kann, der kann sich einen klaren Wettbewerbsvorteil sichern.

Zum Schluss wirft der Autor noch einen Blick in die Zukunft, denn über kurz oder lang ergeben sich auch gesellschaftliche und soziale Reibungspunkte: Wir übergeben der Steuerungstechnik, den Programmen und Robotern immer mehr Aufgaben, um die Effizienz zu steigern – unter dem Vorwand, dass der Mensch mehr Freiheiten bekommt, um Produkte zu verfeinern, Entwicklungen zu verbessern und dadurch die nächsten Innovationen für den Markt zu vorzubereiten.

In der Realität dient aber auch die Industrie 4.0 meist nur der Rationalisierung. Ziel ist es, den Menschen weitestgehend zu ersetzen, um die Organisation und Produktion den Maschinen sowie Computern zu überlassen. Immerhin ist der Mensch dann noch nicht ganz überflüssig, denn ein kleines Stück Code – ob Update oder Malware – kann für einen Dominoeffekt sorgen, bei dem am Ende nur noch der Schlag auf den Not-Aus-Knopf bleibt.

* Boris Bärmichl ist Vorstandssprecher beim Kompetenzzentrum für Sicherheit in Bayern (KoSiB eG).

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