Optimierung der Digitalen Transformation Das Konzept der Agile Security

Autor / Redakteur: Dr. Kim Miriam Dörr, Ema Rimeike / Peter Schmitz

Es gibt sieben Erfolgsfaktoren für die digitale Transformation. Mehr Digitalisierung bedeutet aber auch neue Cyberrisiken für Unternehmen. Die neue Realität fordert also mutiges Handeln – die Zeit für agile Sicherheit ist gekommen! Wir untersuchen den geschäftlichen Nutzen und die Herausforderungen bei der Einführung eines agilen Sicherheitskonzepts.

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Agile Sicherheit ist eine kontinuierliche, umfassende und proaktive Methode zum Schutz von Vermögenswerten auf mikrosegmentierter Ebene.
Agile Sicherheit ist eine kontinuierliche, umfassende und proaktive Methode zum Schutz von Vermögenswerten auf mikrosegmentierter Ebene.
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Agile Security ist der erste unserer insgesamt sieben identifizierten Erfolgsfaktoren für Digitale Transformation (DT), die wir im Detail besprechen möchten. Zunächst möchten wir jedoch ein gemeinsames Verständnis des Konzepts "Digitale Transformation" herstellen.

Digitale Transformation, genauso wie die Konzeption eines Cyber Security-Programms, muss eher als eine Reise denn als Ziel betrachtet werden. Eine erfolgreiche digitale Transformation hängt ab von der Strategie, der Kompetenz der Führung, verfügbarem Budget, den gesetzten Prioritäten, den geschäftlichen Auswirkungen und der Sicherheitsagilität (Quelle: CIO).

Der Business-Nutzen der digitalen Transformation liegt auf der Hand: Sie unterstützt Unternehmen dabei, sich von der Konkurrenz abzuheben, ihre Agilität zu erhöhen und Serviceverfügbarkeit durch Kostensenkung, Optimierung kollaborativer Plattformen, Ermöglichung des „Work-From-Home“ Konzepts, Schaffung kundenorientierter und personalisierter Erfahrungsreisen und verbesserter „Go-To-Market“ Geschwindigkeit zu erreichen. (Quelle: CSOonline).

Digitale Transformation erreicht erst Reife, wenn "digital" als die allgemein akzeptierte Arbeitsweise angenommen im Unternehmen umgesetzt wird. Dann hilft sie Unternehmen Innovationen schneller zu entwickeln.

Eine zentrale Herausforderung lautet hierbei: Wie schaffen wir es weiterhin, die Anforderungen an die IT Security in einer sich digital rasant verändernden Welt zu erfüllen?

Die Kosten in Zusammenhang mit Cyberkriminalität werden für die Weltwirtschaft voraussichtlich bis 2025 von 6 Billionen Dollar im Jahr 2021 auf 10,5 Billionen Dollar jährlich steigen.

Die aktuellen Trends, die man bei den Cyberattacken auf SolarWinds, FireEye, Sopra Steria, und die Software AG beobachten konnten, deuten darauf hin, dass die Hackergruppen darauf abzielen, Datendiebstahl zu optimieren - was im schlimmsten Fall gesamte Industriezweige, ein ganzes Land oder sogar die Weltwirtschaft in die Knie zwingen könnte.

Die neue Realität fordert also mutiges Handeln – die Zeit für agile Sicherheit ist gekommen! Agile Sicherheit ist eine kontinuierliche, umfassende und proaktive Methode zum Schutz von Vermögenswerten auf mikrosegmentierter Ebene. Sie beginnt mit den Menschen, Technologien und Prozessen, die auf die unternehmerischen Anforderungen ausgerichtet sind - gefolgt vom Schutz betrieblicher Prozesse, Compliance, Informationsselektion und prozessfähigen Daten.

Vernünftige Unternehmen haben selbstverständlich bereits Projekte zur Optimierung ihrer internen Sicherheit gestartet: Das beinhaltet, sich mit den vorhandenen Skills im Unternehmen auseinanderzusetzen, um diejenigen zu fördern und zu optimieren, die der zukünftigen Nachfrage gerecht werden. Zusätzlich sollte eine professionelle Kommunikation zwischen den internen Abteilungen etabliert werden, um prozessfähige Informationen zu verbessern, die dabei helfen, Security Operations zu skalieren und unternehmensweite Workflows zu optimieren. Das bedeutet, bestehende Technologien zu evaluieren, um beurteilen zu können, wie effizient sie beim Schutz ihrer Unternehmen sind und umfassend geprüfte Transparenz im Bereich der Software, Infrastruktur und internen Kontrollen zu erreichen. Hierbei wird es jedoch nicht ausreichen, wenn Unternehmen Kosten und Mühen für agile Sicherheit "einmal im Jahr" oder "einmal im Quartal" aufwenden, denn die entsprechenden Maßnahmen müssen täglich umgesetzt werden.

Das Sicherheitsbewusstsein wirkt sich zunehmend auf Organisationen und immer mehr auf bestehende Rollen aus, unabhängig von Neueinstellungen in diesem Bereich: Wir beobachten, wie AppSec-Teams über DevSecOps skalieren. Es ist dringend erforderlich, die integrierte Unternehmensabwehr zu beschleunigen, wenn Abteilungen wie IT-Ops, Communications, Network Operations zusammen mit anderen Abteilungen zur rechten Hand von Security Operations werden. Damit dies einen signifikanten Einfluss auf die Erreichung agiler Sicherheit hat, müssen Unternehmen beginnen, Sicherheitseffizienz durch Anwenden eines strategischen Ansatzes zu skalieren.

Hier gibt es kein Null-Risiko-Endspiel. Es geht darum, Sicherheitsrisiken zu managen und zu mindern, indem man alles ohne Vertrauen betreibt: Netzwerk, Software, aktive Daten, IoT, Cloud usw. Dies erfordert die Synchronisierung von Geschäftssinn mit den Sicherheitsteams und den Sinn für Sicherheit mit den Business-Teams – was zu einem besseren Bewusstsein für die möglichen Auswirkungen auf das Unternehmen führt. Der Fokus liegt auf einer relevanten, zugleich jedoch dynamischeren Risikoquantifizierung.

Man sagt: "Alte Gewohnheiten sterben langsam". Wir müssen unser Verhalten und unsere Denkweise ändern und beginnen, die Lehren aus Cyber-Vorfällen proaktiver zu teilen und zu verstehen, wie sie überhaupt entstanden sind, indem wir den Fokus auf einen proaktiven und effektiven Prozess zur Minderung von Cyberrisiken legen. „Cyber Breach Information Sharing“ kann nur von unserer kollektiven Intelligenz profitieren.

Kehren wir jedoch nun zu den gegenwärtigen Herausforderungen der digitalen Transformation zurück und beschäftigen uns damit, warum die Sicherheit in der Realität hinterherhinkt.

Nominets' Cyber Security in the Age of the Digital Transformation: Der Reality Check von 2019 fand heraus, dass ein erhöhtes Cyber-Sicherheitsrisiko für 27 Prozent der Hürden für die digitale Transformation verantwortlich ist. 47 Prozent der Befragten gaben an, dass eine fehlende Vision in ihrem Unternehmen das Hauptproblem sei. Andere nannten Veränderungsresistenz als Grund (40 Prozent). Rechtliche, Risikomanagement- und Compliance-Bedenken beliefen sich zusammen auf 40 Prozent und stellten Bedenken, insbesondere für Befragte aus stark regulierten Branchen wie Finanzdienstleistungen, Regierung und Gesundheitswesen, dar.

Die Cloud-Einführung stellt einen wichtigen Bestandteil der digitalen Transformation eines Unternehmens dar, wird jedoch von vielen immer noch nicht genutzt. Entgegen aller "die Cloud ist nicht sicher genug" Bedenken, wurde Capital One die erste große US-Bank, die bei der „all in“ Cloud ging. Gartner argumentiert, dass Zero-Day-Schwachstellen für etwa 0,4 Prozent der Sicherheitsvorfälle in den letzten zehn Jahren verantwortlich waren – das sollte uns ein erhöhtes Vertrauen in die Cloud-Einführung schenken. Dies wird auch dadurch unterstrichen, dass 83 Prozent der Workloads von Unternehmen bis zum Jahr 2020 in die Cloud wechseln werden. Deep Encryption, zwischenstaatliche Kooperationen für biologische und medizinische Forschung, E-Health Beschleunigung, Cloud-Einführung in der Healthcare/Bio-Industrie zeigen allesamt, dass Cloud-Strategien erfolgreich implementiert werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die hier genannten Quellen unsere Hypothese bestätigen, dass sogenannte „soft factors“ die Hauptgründe darstellen, warum die Sicherheit hinter der digitalen Transformation zurückbleibt. „Soft factors“ sind in diesem Zusammenhang die Förderung strategischer DT-Visionen, eine positive Sicherheitskultur, modernste Kommunikation, die Förderung von Menschen und ihrer Fähigkeiten und die Zusammenarbeit von Business mit Sicherheitsteams. All das macht Unternehmen zu Marktführern: Eine erfolgreiche digitale Transformation durch die Einführung einer agilen Sicherheitsstrategie.

Über die Autorinnen

Dr. Kim Miriam Dörr: Als Expertin für IT-Kommunikation mit dem Schwerpunkt auf Information Security berät Dr. Kim Miriam Dörr seit 10 Jahren Führungskräfte in DAX30 Unternehmen verschiedenster Branchen. In internationalen IT-Projekten setzt sie ihre Expertise ein, um Unternehmen bei ihrem erfolgreichen digitalen Wandel zu unterstützen. Frau Dr. Dörr besitzt einschlägige Erfahrung mit den internen Information Security Standards deutscher Top-Unternehmen.

Ema Rimeike: Ema Rimeike besitzt einen Master in Cybersicherheit und ist eine erfahrene C-Level Cybersecurity Sales Executive mit großen weltweiten Kunden, insbesondere in der DACH-Region. Zusammen mit anderen Sicherheitsexperten hat sie Quantum Cybersecurity Skills gegründet, um Unternehmen bei der Transformation ihres Risikomanagements und der Verbesserung der Sicherheitseffizienz zu unterstützen. Quantum Cybersecurity Skills bietet Unternehmen die Lösungen und Beratung, die erforderlich sind, um frühzeitige Geschäftsrisikoindikatoren zu generieren und die Eindämmung von Schwachstellen zu beschleunigen, indem die wichtigsten Bedrohungen für kritische Prozesse identifiziert werden.

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