Wirtschaftsspionage

Deutsche Wirtschaft hält sich für unzureichend geschützt

| Redakteur: Peter Schmitz

Der Bitkom verstärkt seine Aktivitäten im Bereich Wirtschaftsschutz, der vor allem den Schutz vor Industriespionage, Sabotage und Angriffen mit terroristischem Hintergrund umfasst.
Der Bitkom verstärkt seine Aktivitäten im Bereich Wirtschaftsschutz, der vor allem den Schutz vor Industriespionage, Sabotage und Angriffen mit terroristischem Hintergrund umfasst. (Bild: Bitkom)

60 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind der Meinung, dass sie nicht ausreichend gegen Datendiebstahl, Wirtschaftsspionage oder Sabotageakte geschützt sind. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbrands Bitkom unter 1.074 Sicherheitsexperten in den Unternehmen ergeben.

In der Bitkom-Studie Spionage, Sabotage und Datendiebstahl – Wirtschaftsschutz im digitalen Zeitalter (pdf), wird unter anderem untersucht, welche Unternehmen von Datendiebstahl, Wirtschaftsspionage oder Sabotage betroffen sind, wer die mutmaßlichen Täter sind und wie sich die Wirtschaft schützt. In der Untersuchung wurde zudem die Höhe der verursachten Schäden ermittelt.

„Die Digitalisierung und Vernetzung der gesamten Wirtschaft schafft neue Angriffspunkte für Cyberkriminelle“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Die Unternehmen müssen mehr in die technische, organisatorische und personelle Sicherheit investieren.“

Der Studienbericht zeigt, dass mehr als die Hälfte (51 Prozent) aller Unternehmen in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl wurden. Nach konservativen Berechnungen des Bitkom beläuft sich der dadurch entstandene Schaden für die gesamte deutsche Wirtschaft auf rund 51 Milliarden Euro pro Jahr.

Der am stärksten gefährdete Wirtschaftszweig ist, folgt man den Umfrageergebnissen, die Automobilindustrie mit 68 Prozent betroffener Unternehmen. Es folgen die Chemie- und Pharma-Branche mit 66 Prozent sowie Banken und Versicherungen mit 60 Prozent.

Die Bandbreite der Vorfälle ist dabei allerdings groß. In 28 Prozent der Unternehmen sind in den letzten zwei Jahren IT- und Kommunikationsgeräte gestohlen worden. 19 Prozent registrierten Fälle von Social Engineering. 17 Prozent der befragten Unternehmen berichten vom Diebstahl sensibler elektronischer Dokumente bzw. Daten und 16 Prozent von Sabotage ihrer IT-Systeme oder Betriebsabläufe. Bei 8 Prozent der Unternehmen ist die elektronische Kommunikation ausgespäht worden.

Täter sind vor allem aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter: 52 Prozent der betroffenen Unternehmen geben diesen Personenkreis an. Die zweite große Tätergruppe mit 39 Prozent umfasst das unternehmerische Umfeld (Wettbewerber, Lieferanten, Dienstleister, Kunden). 17 Prozent nennen Hobby-Hacker als Täter. 11 Prozent sind Opfer organisierter Bandenkriminalität geworden und 3 Prozent standen im Visier ausländischer Geheimdienste.

Unternehmen agieren beim Selbstschutz zögerlich

Als Reaktion auf die Vorfälle haben 53 Prozent der Betroffenen eine interne Untersuchung durchgeführt. 30 Prozent haben externe Spezialisten hinzugezogen. Dagegen hat nur jedes fünfte Unternehmen staatliche Stellen eingeschaltet.

Alle befragten Unternehmen nutzen Virenscanner, Firewalls sowie einen Passwortschutz für Computer und andere Kommunikationsgeräte. Immerhin 80 Prozent verschlüsseln zudem ihre Netzwerkverbindungen. Dagegen verschlüsseln nur 45 Prozent Daten auf Festplatten oder anderen Datenträgern und 40 Prozent setzen auf eine Verschlüsselung ihres E-Mail-Verkehrs.

Ein Notfallmanagement gewährleistet eine schnelle Reaktion im Krisenfall. Darüber verfügt bisher nur knapp die Hälfte (49 Prozent) der Unternehmen in Deutschland. Und nur 52 Prozent der Befragten führt Schulungen der Mitarbeiter oder Sicherheitsüberprüfungen von Bewerbern durch.

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