Unisys Security Index 2018

Deutschen wollen Schutzzone gegen staatliche Hacker

| Redakteur: Peter Schmitz

Der Unisys Security Index (USI) befindet sich in Deutschland auf einem Rekordtief und reflektiert im weltweiten Vergleich das zweitniedrigste Bedenkenniveau.
Der Unisys Security Index (USI) befindet sich in Deutschland auf einem Rekordtief und reflektiert im weltweiten Vergleich das zweitniedrigste Bedenkenniveau. (Bild: Unisys)

Fast die Hälfte der im diesjährigen Unisys Security Index befragten Deutschen (49 Prozent) befürworten die Idee einer internationalen Schutzzone im Kampf gegen staatliche Hacker. In Bezug auf die Einhaltung der Schutzzone würde mit 39 Prozent die Mehrheit der Befragten am ehesten den staatlichen Organen der teilnehmenden Nationen vertrauen.

Die Ergebnisse des Unisys Security Index 2018 zeigen: Die Hälfte der Deutschen ist für eine internationale Internet-Schutzzone gegen staatliche Hacker. Ein Viertel der befragten Deutschen würde es bevorzugen, wenn eine internationale Organisation wie die Vereinten Nationen für die Einhaltung der Schutzzone verantwortlich wäre, 22 Prozent würden keiner der genannten Autoritäten vertrauen – zur Auswahl standen die teilnehmenden Staaten selbst, internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, NGOs und private Organisationen.

Die ersten existierenden Pläne für die Schutzzone beinhalten Kabelnetze, aber keine Mobilfunknetze. 52 Prozent derjenigen, die schon vorher von der Initiative gehört hatten, halten sie wie geplant für unvollständig und plädieren dafür, auch Mobilfunknetze einzubeziehen. Darüber hinaus sind 48 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Initiative noch weiter gehen und beispielsweise zukünftige Internetanwendungen wie vernetzte Haushaltsgeräte berücksichtigen sollte. Von allen Befragten kannten nur 16 Prozent die Initiative.

Unisys Security Index auf Rekordtiefstand in Deutschland

Im Rahmen des Unisys Security Index 2018 wurden mehr als 13.000 Verbraucher in 13 Ländern zu ihrer Einstellung zur nationalen, persönlichen, finanziellen und Internetsicherheit befragt – darunter mehr als 1.000 Befragte in Deutschland. Zusätzlich zu den vier zentralen Kategorien des Index wurde die Öffentlichkeit auch zu der Idee einer internationalen Internet-Schutzzone im Kampf gegen staatliche Hacker und zur Sicherheit von Internet der Dinge (IoT)-Anwendungen befragt.

Gemessen an einer Skala von 0 bis 300 – wobei der Wert 300 höchste Sicherheitsbedenken bedeutet – zeigt der USI 2018 ein geringes Niveau an Sicherheitsbedenken der deutschen Bürger und den geringsten Wert, seit der USI 2007 zum ersten Mal durchgeführt wurde. Allein in den letzten Jahren sank der Index in Deutschland von einem Gesamtwert von 146 im Jahr 2014 auf 136 im Jahr 2017 und 127 im Jahr 2018. In den Jahren 2015 und 2016 setzte der Unisys Security Index aus. Dieser Trend lässt die Interpretation zu, dass das Phänomen der “German Angst” nach und nach verschwindet.

Im Vergleich zu Deutschlands abnehmenden Sicherheitsbedenken blieb der weltweite Index allerdings zum zweiten Mal in Folge auf dem gleichen Rekordniveau von 173 Punkten seit der ersten Durchführung der Umfrage im Jahr 2007.

Von den 13 untersuchten Ländern sind in diesem Jahr nur die Niederländer mit einem USI-Wert von 109 weniger besorgt als die Deutschen. Die vier europäischen Länder im Unisys Security Index blieben unter dem globalen Durchschnittswert von 173. Die Philippinen verzeichneten 2018 mit 232 Punkten die weltweit größten Sicherheitsbedenken.

Hier hat Deutschland die größten Sorgen

Der Bereich mit den höchsten Bedenken war in Deutschland der unbefugte Zugriff auf oder der Missbrauch personenbezogener Daten. Fast die Hälfte (48 Prozent) der Befragten in Deutschland war hierüber sehr oder extrem besorgt. Über die nationale Sicherheit in Bezug auf Krieg und Terrorismus äußerten sich 46 Prozent in hohem Maße besorgt, womit dieser Bereich die zweithöchsten Bedenken aufweist. Im Jahr 2017 hatten sich hierzu noch 55 Prozent sehr oder extrem besorgt geäußert – ein Hinweis darauf, dass sich die Deutschen nach dem Terroranschlag in Berlin Ende 2016 besorgter gefühlt haben. Nur 25 Prozent der befragten Deutschen gaben an, sich signifikant Sorgen um ihre persönliche Sicherheit zu machen. Damit repräsentiert dieser Bereich das niedrigste Bedenkenniveau in allen USI-Kategorien in Deutschland.

„Die Tatsache, dass die Menschen um ihre personenbezogenen Daten fast doppelt so besorgt sind wie um ihre persönliche Sicherheit, zeigt sowohl die große Bedeutung als auch die hohe Anfälligkeit ihrer digitalen Persönlichkeiten. Die Menschen wissen offensichtlich gut darüber Bescheid, wie wichtig ihre persönlichen Daten sind und was damit passieren kann. Die Ergebnisse zeigen auch, dass das digitale Bewusstsein eine wichtige Errungenschaft der letzten Jahre ist und unterstreichen die große Bedeutung von Internet- und Datensicherheit”, sagt Dr. Uwe Heckert, Vice President Public Sector Services bei Unisys für EMEA und Geschäftsführer der Unisys Deutschland GmbH.

Datenschutzbedenken bei IoT-Geräten

Ein Teil der Umfrage beschäftigte sich zudem mit der Akzeptanz der deutschen Verbraucher von IoT-Anwendungen wie Bezahlsysteme, Gesundheitsanwendungen und Notfallservices. Breite Unterstützung fanden IoT basierte medizinische Endgeräte wie Herzschrittmacher oder Blutzuckersensoren, die wesentliche Veränderungen sofort an den behandelnden Arzt übermitteln - 22 Prozent gaben an, diese Anwendung nicht zu unterstützen. Im Jahr 2017 hatten nur 19 Prozent der Befragten diesbezüglich Bedenken.

Wie im Jahr 2017 befürworteten die deutschen Befragten auch weitgehend die Idee eines Notrufknopfs auf ihren Smartphones oder Smartwatches, die ihren Standort an eine Polizeistation senden können – nur 16 Prozent würden diese Notfalleinrichtung nicht unterstützen.

Aber nicht alle IoT-Anwendungen waren bei den deutschen Befragten beliebt. So heißen 61 Prozent Anwendungen wie Fitnesstracker von Krankenkassen, um Boni oder Belohnungen für gutes Gesundheitsverhalten zu ermitteln, nicht willkommen. Das bedeutet einen leichten Rückgang gegenüber den Ergebnissen von 2017 (69 Prozent waren hier gegen die Fitnesstracker von Krankenkassen).

„Die Deutschen sind bei der Weitergabe ihrer personenbezogenen Daten an Dritte vorsichtig, insbesondere wenn kein zwingender Grund dafür vorliegt. Die anhaltende öffentliche Diskussion über die Sicherheit von IoT-Anwendungen und die Sensibilität der ihnen zur Verfügung stehenden Daten könnte ein Grund für diesen Anstieg sein. Gut, dass die Menschen diesen Bereich vorsichtig beobachten und von den IoT-Anbietern verlangen, hier die höchsten Sicherheitsstandards zu implementieren”, fügt Heckert hinzu.

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