IT in der Polizeiarbeit Digitale Gesellschaft fordert digitale Polizei

Redakteur: Manfred Klein

Die Deutschen stehen einem digitalen Austausch zwischen Bürgern und Polizeibehörden aufgeschlossen gegenüber. Auch Polizisten würden den vermehrten Einsatz digitaler Hilfsmittel in ihrer täg­lichen Arbeit begrüßen. Eine durchgängig digitale Polizeiarbeit steckt jedoch noch in den Kinderschuhen.

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Beim Einsatz digitaler Kanäle durch die Polizei liegen Wunsch und Wirklichkeit noch auseinander
Beim Einsatz digitaler Kanäle durch die Polizei liegen Wunsch und Wirklichkeit noch auseinander
(Bild: Accenture Deutschland GmbH)

Soziale Medien wie Facebook, Twitter oder Youtube, aber auch die flächendeckende Verbreitung von Mobilgeräten, haben zu einem spürbaren Wandel im Kommunikationsverhalten der Bürger geführt. Die Generation der sogenannten Millenials nutzt diese Medien nicht nur selbstverständlich zur Kommunikation untereinander. Sie erwartet, dass Unternehmen aber auch Behörden dort zu finden sind und über diese Kanäle mit ihnen in Kontakt treten.

Der IT-gestützte Datenaustausch für Polizeibehörden ist nichts Neues. Zentralisierte landes- und bundesweite Datenbanken sowie polizeiliche Informations- und Fahndungssysteme gehören seit vielen Jahren zum Standard. Kommunikation und Datenaustausch zwischen Polizei und Bürgern erfordern jedoch andere Ansätze als bei den Polizeibehörden untereinander.

Im Vergleich mit anderen Ländern inner- und außerhalb Europas steckt die Nutzung digitaler Kommunikationsmittel durch die Polizei in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Erste Ansätze wie die Nutzung von Twitter in der Öffentlichkeitsarbeit oder die Einrichtung von Internetwachen, über die Bürger bestimmte Eingaben online erledigen können, bleiben bislang eher Stückwerk.

Bürger sind offen für digitale Polizeidienste

Die Bürger jedenfalls stehen einer digital befähigten Polizei durchaus wohlwollend gegenüber. In einer aktuellen Umfrage von Accenture, wie Bürger über digitale Polizeidienste denken, waren 68 Prozent der Befragten in Deutschland der Ansicht: Digitale Hilfsmittel wie mobile Apps und Social Media könnten die Polizeiarbeit verbessern.

80 Prozent derjenigen Befragten, die sich eine bessere Kommunikation zwischen Polizei und Bürgern wünschen, möchten dafür digitale Kanäle nutzen. Sie bevorzugen zusätzlich zu bisherigen traditionellen Kommunikationskanälen einen Austausch vor allem über Social Media, eMail oder Web-Portale.

Global betrachtet hat die digitale Polizeiarbeit über die letzten Jahre deutlich an Bedeutung gewonnen. In den von der Studie untersuchten acht Ländern (neben Deutschland die USA, Singapur, Spanien, Vereinigtes Königreich, Niederlande, Frankreich und Australien) hat sich der Anteil der Polizeikräfte, die digitale Kanäle nutzen, seit 2012 mehr als verdoppelt.

Doch gerade in Deutschland klafft noch eine erhebliche Lücke zwischen der Erwartungshaltung der Bürger und der tatsächlichen Verfügbarkeit digitaler Polizeiservices: Während sich insgesamt 67 Prozent der Befragten in Deutschland wünschen, dass digitale Werkzeuge in der Polizeiarbeit eingesetzt werden, gaben nur halb so viele (34 Prozent) an, dass die Polizeikräfte in ihrem Umfeld dies bereits tun – der niedrigste Wert in den acht untersuchten Ländern. Insbesondere die eingeschränkte Verfügbarkeit von Webseiten und Informationsportalen sowie von mobilen Apps entspricht noch nicht den Erwartungen der Bürger.

Die Aufgeschlossenheit der Öffentlichkeit beschränkt sich dabei nicht allein auf die Kommunikation zwischen Polizei und Bürgern. Gerade wenn es um Kriminalitätsbekämpfung geht, halten 85 Prozent der Befragten den Einsatz digitaler Ermittlungsmethoden für angebracht. Eine deutliche Mehrheit von 81 Prozent befürwortet die Nutzung von Analysetechnologien, um Kriminalitätsmuster vorherzusagen und Brennpunkte zu identifizieren, die eine verstärkte Polizeipräsenz erfordern. Auch die Ausstattung von Polizeibeamten mit Mobilgeräten zum Informationsaustausch (85 Prozent) sowie mit Körperkameras (75 Prozent) wird weitgehend akzeptiert.

Doch auch bei der Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden untereinander besteht zumindest aus Sicht der Bevölkerung noch Verbesserungspotenzial. So waren 63 Prozent der Befragten in Deutschland der Ansicht, dass Sicherheitsbehörden noch integrierter als bisher zusammenarbeiten müssen, um eine wirksame Verbrechensbekämpfung zu betreiben.

Doch nicht nur die Bürger können von einer digitalen Interaktion mit der Polizei profitieren. Auch die Polizei selbst kann über digitale Medien effektiv mit den Bürgern in Kontakt treten. Der Kurznachrichtendienst Twitter beispielsweise kann für die Polizei ein sehr nützliches Hilfsmittel sein, um mit der Bevölkerung zu kommunizieren. Denn über den Kurznachrichtendienst verbreiten sich Botschaften innerhalb kürzester Zeit an einen großen Personenkreis. Gerade bei Großveranstaltungen wie Bundesligaspielen oder Musikfestivals kann dies ein entscheidender Vorteil sein.

Darüber hinaus sollten die Polizeibeamten selbst nicht vernachlässigt werden. Es wäre verfehlt, eine strikte Trennlinie zwischen „Bürgern“ und „Polizei“ zu ziehen. Auch Polizeibeamte sind Bürger und nutzen in ihrer Freizeit dieselben digitalen Angebote wie die übrige Bevölkerung. Ihre Erwartungshaltung an die Verfügbarkeit von Informationstechnologien im Polizeidienst ist also mindestens genauso hoch. Dies gilt insbesondere, wenn für die Informationsaufnahme und -übermittlung vom Einsatzort Smartphones eingesetzt werden.

Daten mobil ins Vorgangsbearbeitungssystem über einfache Online-Formulare einzugeben ist erheblich effizienter gegenüber einer zeitraubenden traditionellen Dokumentation. Feldversuche haben ergeben, dass sich Ordnungswidrigkeiten auf diese Weise deutlich schneller bearbeiten lassen.

Im europäischen Ausland gibt es hierfür bereits erfolgreiche Beispiele. So hat etwa die Guardia Civil in Spanien ein Vorgangsbearbeitungssystem eingeführt, auf das über 85.000 Polizeikräfte per Mobilgerät zugreifen können. Über dieses System werden täglich bis zu 25.000 Verbindungen abgewickelt und jährlich über vier Millionen Beschwerden und über 30 Millionen Anfragen von Bürgern übermittelt.

Darüber hinaus erlauben es Mobilgeräte, die Bevölkerung in die Polizeiarbeit einzubinden, um schneller und umfassender an Informationen zu gelangen. Gerade bei der Suche nach Personen oder Gegenständen sind die ersten Stunden entscheidend. Von Bürgern übermittelte Fotos und Videos können dabei wertvolle Hinweise liefern. Praktische Anwendungsbeispiele gibt es auch hier.

Nach den Anschlägen beim Boston-Marathon im Jahr 2013 griff die Polizei beispielsweise auch auf von Bürgern aufgenommene Fotos und Videos zurück, um die Täter ausfindig zu machen. Eine derartige Bürgerbeteiligung stieße auch in Deutschland auf Akzeptanz – der Accenture-Studie zufolge finden 80 Prozent der Deutschen, dass die Bevölkerung eine aktive Rolle in der Verbrechensbekämpfung einnehmen sollte.

Dieser Beitrag stammt ursprünglich aus unserer Schwesterpublikation eGovernment-Computing.de.

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