Kommentar zu Wachstumsstrategien im IT-Markt

„Diversify or Die” in volatilen Märkten

| Autor / Redakteur: Holger Suhl* / Stephan Augsten

Im IT-Markt können zu viele Geschäftsfelder dazu führen, dass ein Unternehmen den Fokus verliert.
Im IT-Markt können zu viele Geschäftsfelder dazu führen, dass ein Unternehmen den Fokus verliert. (Bild: Archiv)

Immer wieder versuchen IT-Riesen, in neue Märkte vorzudringen. Einige der größten Technologie-Unternehmen haben das auch in den vergangenen Jahren mit mehr oder weniger Erfolg versucht, erinnern wir uns beispielsweise an HP und Palm. Allerdings ist der IT-Markt ohnehin einem stetigen Wandel unterzogen.

Vor Kurzem wurde die IT-Sicherheits- und Wirtschaftswelt von der Nachricht überrascht, dass der größte Anbieter der Branche sein Geschäft in zwei voneinander getrennte Einheiten aufspalten möchte. Das mag für viele unerwartet gekommen sein. Für mich war diese Ankündigung allerdings nur eine Frage der Zeit.

Wir waren immer der Meinung, dass die Welt der IT-Sicherheit groß genug ist, um sich ihr mit aller Kraft zu widmen. Und dabei nicht Gefahr zu laufen, keine neuen und faszinierenden Bereiche mehr zu finden, die es zu verstehen und zu schützen gilt. Wir sind davon überzeugt, dass uns das Wachstum und die Nachfrage für IT-Sicherheitstechnologien auch weiterhin beschäftigen werden – sowohl von traditionellen als auch neuen Industriezweigen.

Eine aktuelle Marktprognose von Gartner zeigt, dass die weltweiten Ausgaben für Informationssicherheit in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr um fast acht Prozent steigen werden. Bis zum Jahr 2018 wird die Hälfte der Organisationen auf Security-Dienstleistungen setzen, um Daten oder Infrastrukturen zu schützen.

In nur wenigen Jahren hat sich IT-Sicherheit von PCs über Macs hin zu mobilen Geräten ausgeweitet. Und in jüngster Zeit haben Industrieentwicklungen wie SCADA (Supervisory Control and Data Application) und CIP (Critical Infrastructure Protection) neue Bereiche definiert, die online mittlerweile permanenten Schutz benötigen, damit auch der Offline-Betrieb geschützt ist. Die Grenzen weichen also auf.

Das „Internet der Dinge“ mutet derzeit keineswegs mehr futuristisch an. Unsere Autos sind bald vernetzt, ebenso wie unsere Wohnungen, Kühlschränke, Gadgets und andere Geräte. Zweifellos wird das Schlagwort „Internet of Things“ bald vom „Internet of Everything“ abgelöst werden. Und mit fortschreitender Konvergenz von Biologie und Technologie werden auch wir uns als vernetzte Wesen wiederfinden.

Es dürfte schwierig sein, der alten Unternehmensweisheit „Diversify or Die“ zu widersprechen. Aber es ist an der Zeit, den Begriff der Diversifizierung neu zu definieren und sich klar zu machen, für wen oder was er noch Gültigkeit hat. Ich möchte das im Folgenden näher erläutern.

Vielfalt im IT-Markt ist ein Selbstläufer

Fast alle erfolgreichen Unternehmen sehen irgendwann die Möglichkeit, ihren Umsatz durch Expansion in neue Geschäftsfelder zu steigern. Kaspersky Lab verhält sich hier nicht anders als der Wettbewerb – aber wir haben frühzeitig erkannt, dass sich die Märkte um uns herum diversifizieren. Unsere Mission und unser Antrieb ist es, konstant Innovationen zu entwickeln, die einen adäquaten Schutz für die Anforderungen des Marktes bieten.

Wir werden uns weiterhin als die beständige Kraft etablieren, spezialisiert auf einen Bereich, um dort größtmögliche Expertise anzubieten. Daher richten wir unser Angebot an die sich wandelnden Märkte, nicht umgekehrt. So wissen unsere Kunden immer exakt, was sie von uns bekommen. Und sie werden weiterhin für genau diese Kernkompetenz auf uns zukommen, die zu unserer Unternehmensmission geworden ist: IT-Sicherheit.

Cyber-Attacken häufen sich und werden immer raffinierter. Pro Tag entdecken wir über 300.000 neue Schadprogramme und die Zahl der aufgedeckten zielgerichteten Angriffe und so genannter Advanced Persistent Threats (APTs) stieg im Jahr 2014 noch einmal sprunghaft. Für uns war stets klar, dass die digitale Welt größtmöglichen Schutz vor diesen Gefahren benötigt. Und dieses Thema bietet ausreichend Raum für eine Vielzahl koexistierender Anbieter für entsprechende Schutzlösungen.

Letztlich geht es darum, dass unsere IT-Sicherheitsexperten Einzelpersonen wie Unternehmen dabei helfen, sich zu schützen. Diese Einstellung lebt Kaspersky Lab von Beginn an vor. Unser Ansatz ist es, eine homogene technologische Plattform zu entwickeln, bei der alle Dienste ineinandergreifen. Enzo Ferrari hatte eine Vision, die unserer nicht unähnlich ist: Auch ein kleineres Unternehmen kann in der Lage sein, technischer Vorreiter zu werden und dabei die Großen der Branche auf die Plätze zu verweisen.

Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass wirklich tiefgehendes Fachwissen nur in einem bestimmten Gebiet herausgebildet werden kann. So haben Firmen wie Space X, Tesla oder auch das viel diskutierte Uber die Platzhirsche in scheinbar unerschütterlichen Branchen herausgefordert. So gesehen kann manchmal Diversifizierung tatsächlich zu einer existenziellen Frage nach dem Motto „Diversify or Die“ werden.

Wie eingangs bereits erwähnt, war ich wenig überrascht, dass die Kollegen des weltgrößten IT-Sicherheitsanbieters zur gleichen Erkenntnis gekommen sind: IT-Sicherheit verdient und benötigt sehr großes Engagement. Die wichtigste Botschaft gegenüber unserer Branche, unseren Kunden und Partnern ist daher: Wir werden uns weiter auf das konzentrieren, was wir am besten können – nämlich das schützen, was Einzelpersonen und Unternehmen am wichtigsten ist.

* Holger Suhl ist General Manager DACH bei Kaspersky Lab.

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