Der biometrische und multimediale Identitätsdiebstahl

Ein Einblick in die Überwachungstechnik

| Autor / Redakteur: Joachim Jakobs / Stephan Augsten

Fingerabdrücke und weitere Merkmale

Mit der Kraft optischer Linsen lassen nicht nur Finger, Hände, Iris, Netzhaut und Gesichter, scannen. Es ist durchaus möglich, aus der Ferne weitere biometrische Merkmale wie Körpergröße, Handlinienstruktur, Handvenenstruktur, Handgeometrie, Nagelbettmuster, Ohrform, Lippenbewegungen, Körperhaltung, Mimik, Gestik und Gehstil zu erfassen.

Die US-amerikanische Bundesregierung hat im Herbst 2012 damit begonnen, eine Milliarde Dollar in ein landesweites Gesichtserkennungssystem zu investieren. Gleichzeitig werden die dortigen Beamten mit Sonnenbrillen ausgestattet, die am Bügel über eine Kamera verfügen, ähnlich wie die Google Glass.

Ist die Person (scheinbar korrekt) erkannt, lassen sich zusätzliche Informationen in die Brille einblenden – etwa Wohnort, kriminelle Historie, Fingerabdrücke oder auch Hirnströme. Der US Senator Al Franken fürchtet: „Sobald einer deinen Gesichtsabdruck hat, können sie deinen Namen und dein Konto in den sozialen Netzen herausfinden und die Fotos, die deine Freunde online stellen.“

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Mit derlei Spielereien wollen sich die Sicherheitsbehörden aber nicht lang aufhalten. Ab April 2014 wird die Gesichtserkennung radikal ausgebaut: So will das „Janus-Programm“ nicht auf Fahndungsfotos, sondern auch auf Bilder des realen Lebens zugreifen, etwa auf öffentliche Überwachungskameras. Die Person ließe sich dann auch auf der Straße finden und verfolgen – bis in die Läden und öffentlichen Gebäude.

Mit solchen Kameras ist künftig nicht nur in der Luft, auf Bahnhöfen, Flughäfen und vor privaten Immobilien zu rechnen. Auch in Umkleidekabinen, auf dem Straßenstrich, an Bushaltestellen und in Schwimmbädern sowie in Schaufenstern, e-Litfaßsäulen und e-Plakaten ist ein Einsatz denkbar.

„Die Janus-Abbildungen werden die morphologische Dynamik vollständig nutzen, um so einen besseren und schnelleren Abgleich zu ermöglichen“, heißt es auf der Website von 'Russia Today'. Janus berücksichtige den Alterungsprozess und unvollständige oder unklare Daten, denn die Menschen „lachen, lächeln, gucken böse, gähnen und ändern ihren Gesichtsausdruck bei ihren täglichen Aktivitäten.“ Dokumente der US-Bundesregierung stützen die Behauptungen von Russia Today.

Auch das Innerste des Menschen wird wohl bald nach außen gekehrt. Die Analyse von Erbmaterial benötigte früher einmal mehrere Tage, heute dauert die DNA-Analyse nur noch eine Stunde. Bis 2017 will Intel in der Lage sein, die genetische Funktion einer Zelle in Echtzeit zu simulieren. Ebenso schnell wäre es dann möglich, eine Person anhand von Körperflüssigkeiten und Sekreten, einzelnen Haaren, Körpergeruch oder Hautschuppen zu identifizieren.

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