Interview zu EU-Richtlinie

EU-Datenschutzverordnung mit Big Data vereinbar?

| Redakteur: Stephan Augsten

Während die Verbraucher mehr Datenschutz befürworten, wollen Unternehmen von Big Data profitieren.
Während die Verbraucher mehr Datenschutz befürworten, wollen Unternehmen von Big Data profitieren. (Bild: Archiv)

Die geplante EU-Datenschutzverordnung sorgt für viele Diskussionen. Einerseits sollen Verbraucher besser geschützt werden, andererseits sind im Big-Data-Zeitalter die Daten ein wichtiges Gut. Zu eng gefasste rechtliche Richtlinien könnten neue Geschäftsmodelle und technische Innovationen ausbremsen oder gar verhindern.

In Zukunft müssen sich Unternehmen auf EU-weit einheitliche Datenschutzbestimmungen einstellen, so viel steht fest. Beispielsweise soll es möglich sein, personenbezogene Daten aus dem Internet zu löschen und Daten aus sozialen Netzwerken dürfen ohne Zustimmung nicht weiter verarbeitet werden. Bei Verstößen drohen saftige Bußgelder. Was dies insbesondere im Umgang mit Big Data bedeutet, erklärt Dirk Häußermann, Geschäftsführer EMEA Central bei Informatica.

Security-Insider: Inwieweit sind Unternehmen auf die neuen Bestimmungen vorbereitet bzw. überhaupt darüber informiert?

Dirk Häußermann: Die Unternehmen sind durchaus über die neuen Richtlinien informiert; dennoch sind sie weitestgehend nicht genügend auf sie vorbereitet. Die Entstehung der Schatten-IT und die Ausbreitung von Daten über Unternehmensgrenzen hinweg bedeuten, dass Unternehmen sich schnellstmöglich darüber im Klaren sein müssen, wo ihre sensiblen und vertraulichen Daten liegen. Die Regulierungsbehörde muss davon überzeugt werden, dass es klar definierte Prozesse gibt, um sensible Informationen zu verwalten und zu schützen.

Security-Insider: Wir werden die bald in Kraft tretenden Datenschutzbestimmungen und höhere Bußgelder die Ausgaben von jenen beeinflussen, die Big Data sichern müssen?

Häußermann: Die Sicherheit von Big Data erfordert natürlich zusätzliche Investitionen in Strategien und Werkzeuge, die die Daten in den Mittelpunkt stellen, um konform zu bleiben. Die große Herausforderung wird allerdings eine andere sein: innerhalb des Unternehmens diejenigen zu bestimmen, die für die Investitionen in genau die Werkzeuge zuständig sind, die sensible Informationen identifizieren und schützen.

Liegt diese Aufgabe bei denjenigen, die über Budget entscheiden können und zunehmend neue Lösungen einführen, um Mehrwert aus Big Data zu ziehen? Oder sollten die Investitionen durch die IT- und Datenschutzexperten getätigt werden, die bestimmen können, wie Datensicherheit operativ abgebildet wird?

Security-Insider: Manchmal ist es für Unternehmen billiger, eine Datenschutzverletzung hinzunehmen als geeignete Sicherheitssysteme einzuführen. Reichen Geldbußen und Sanktionen aus, damit Unternehmen ihre Sicherheitsstrategie auch tatsächlich überdenken?

Häußermann: Der wichtigste Anreiz für Unternehmen, ihre Systeme sicherer zu machen, sollte eigentlich der Einfluss sein, den eine Datenschutzverletzung auf die Kunden und die Unternehmensreputation hat. Abgesehen von finanziellen Strafen, möchte kein Unternehmen oder Organisation mit unzulässigem Schutz der vertraulichen Daten in Verbindung gebracht werden.

Die Beispiele der Bertelsmann-Tochter Infoscore Consumer Data oder auch der jüngste Datensicherheitsvorfall im Deutschen Bundestag zeigen deutlich, welchen Einfluss eine Datenschutzverletzung auf den Markenwert hat und wie lange es dauert, das Vertrauen der Kunden – im Falle des Bundestags: der Bevölkerung – wieder aufzubauen.

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