Suchen

Übermäßige Analyse der Benutzer- und Konsumgewohnheiten Fraunhofer SIT veröffentlicht Lagebericht zum Web-Tracking

| Redakteur: Stephan Augsten

Während Datenschützer das Web-Tracking kritisieren, sind Webseiten-Betreiber auf die Analyse des Nutzerverhaltens angewiesen. Vielerorts wird die Datenerhebung aber übertrieben, wie das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie im Web-Tracking-Report 2014 kritisiert: Oft seien 50 verschiedene Tracker auf den Webseiten eines Anbieters aktiv.

Firmen zum Thema

Viele Webseiten-Betreiber übertreiben bei der Benutzeranalyse, wie der Web-Tracking-Report 2014 verdeutlicht.
Viele Webseiten-Betreiber übertreiben bei der Benutzeranalyse, wie der Web-Tracking-Report 2014 verdeutlicht.
(Fraunhofer SIT)

Über ein Jahr haben Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie (SIT) regelmäßig über 1.600 der beliebtesten Internet-Auftritte in Deutschland auf Web-Tracking analysiert. Demnach sammelten häufig nicht nur die Betreiber der Web-Angebote Informationen. Im Hintergrund überwachen oft auch fremde Web-Tracker das Nutzerverhalten.

Auf einzelnen Seiten fanden die Fraunhofer-Forscher über 100 dieser Datensammler, verhältnismäßig oft sind auf den Webseiten eines einzigen Anbieters 50 verschiedene Tracker aktiv. Sind diese Tracker bei mehreren Web-Angeboten aktiv, so lassen sie nicht nur Rückschlüsse auf das Surfverhalten zu, sondern erlauben beispielsweise auch tiefe Einblicke in Konsumgewohnheiten oder soziale Interaktionen.

Mitunter lassen sich sogar Bezüge zum realen Namen und zum Wohnort herstellen. „Auch wenn die Daten heute vorrangig für zielgerichtete Werbung gesammelt werden, so ist die Verwertung der Daten nicht auf diesen Zweck beschränkt“, warnt Dr. Markus Schneider, stellvertretender Leiter des Fraunhofer SIT und Hauptautor des Berichts.

Tracker erlauben weitreichende Rückschlüsse

„Bestimmte Tracker waren über den Analysezeitraum auf mehr als 70 Prozent der von uns beobachteten Seiten aktiv“, sagt Schneider. „Dadurch können diese Tracker sich ein umfassendes Bild über einzelne Verbraucher und ihre Vorlieben machen.“ Dem Verbraucher könnten dadurch unerwartete Nachteile entstehen.

Aus den Daten ließen sich zum Beispiel Risikofaktoren ableiten, beispielsweise die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern oder Gesundheitsrisiken von Krankenversicherten. Da Tracker in vielen Fällen die gesammelten Daten mit der echten Identität eines Verbrauchers in Verbindung bringen können, sind auch Verwertungen außerhalb der Online-Welt denkbar.

Verbraucher können sich aber vor Tracking-Aktivitäten schützen, das Fraunhofer SIT verweist auf die eigens erstellte, regelmäßig aktualisierte Tracking-Protection-Liste. Weitere Informationen liefert auch der Web-Tracking-Report 2014 selbst. Die unabhängige Studie wurde finanziell von Microsoft unterstützt.

(ID:42583175)