Brandschutz im Rechenzentrum

Ganzheitliches Brandschutzkonzept fürs Datacenter

| Autor / Redakteur: Prior1 / Ulrike Ostler

Brandschutz im Rechenzentrum braucht keine 0815-Lösungen.
Brandschutz im Rechenzentrum braucht keine 0815-Lösungen. (Bild: Pixabay / CC0)

Es gibt drei Säulen für einen sinnvollen Brandschutz. Welche das sind und warum diese eng verflochten und perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen, damit im Notfall alle Prozesse im Rechenzentrum reibungslos vonstattengehen können, erläutert dieser Beitrag von Prior 1.

Zwar ist der Berliner Flughafen nicht mehr tagtäglich in den Nachrichten, doch auch ohne dass konstant der Finger in die Wunde gelegt wird, weiß fast jeder, dass es am mangelnden Brandschutz liegt, dass das ursprüngliche Prestigeprojekt einfach nicht fertig werden will. Nicht nur am Stammtisch munkelt es, man hätte Fachleute eher und ausreichend einbinden sollen.

Klare Sache also, dass es solche auch für den Brandschutz im Rechenzentrum braucht. Denn für jedes Unternehmen und deren tägliches Geschäft ist ein reibungsloser Betrieb des Rechenzentrums unabdingbar: Hier laufen sämtliche sensible Daten der Warenwirtschaftssysteme, Betriebsgeheimnisse sowie Kundeninformationen zusammen. Und auch die gesamte Telekommunikationsanlage wird meist von hier aus gesteuert.

So bedeutend vor diesem Hintergrund der unterbrechungsfreie Betrieb des Rechenzentrums für Unternehmen ist, so beträchtlich kann auch der Schaden sein, sollte es zu einem unerwarteten Ausfall der IT kommen. Denn dieser kann nicht nur wirtschaftliche Negativfolgen haben, sondern - je nach Dauer und Grund des Ausfalls - auch einen erheblichen Imageschaden nach sich ziehen.

Die drei Säulen des Brandschutzes

Aus diesem Grund gilt es seit jeher, in Datacenter-Umgebungen eine hohe Verfügbarkeit sicherzustellen und die IT bestmöglich vor Gefahren zu schützen. Dabei ist zu bedenken, dass hierzu nicht nur Cyber-Angriffe gehören, sondern auch physische Gefahren eine beachtliche Rolle spielen. Deren genaue Betrachtung ist bereits in der Planungsphase des Sicherheitskonzeptes von großer Bedeutung und bedarf einer fundierten Beratung durch Experten.

Bereits mit der Wahl eines geeigneten Standortes können einige Risiken eingedämmt werden. Dennoch existieren Gefahren, die Betreiber stets im Auge behalten sollten: Wie solche, die durch Rauchentwicklung oder den Ausbruch eines Feuers bestehen.

Ergänzendes zum Thema
 
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Um fachgerecht vorzubeugen, ist ein geeignetes Brandschutzkonzept zwingend erforderlich. Bereits im Zuge der Rechenzentrumsplanung sollten geeignete Maßnahmen ausgearbeitet werden. Denn nur in diesem Stadium können die vorherrschenden Bedingungen beachtet, vorhandene Möglichkeiten eruiert sowie die bestmögliche Umsetzung geeigneter Lösungen gewährleistet werden. Hinsichtlich des Brandschutzes gehören hierzu neben dem organisatorischen auch der bauliche sowie der technische Part.

1. Organisatorischer Brandschutz

Von der organisatorischen Warte aus betrachtet, sollten die Verhaltensweisen der Beschäftigten, der Einsatzplan der Feuerwehr sowie die Abläufe im Notfall zuvor genauestens definiert werden, um Personenschäden abzuwenden und einen raschen Einsatz der Rettungskräfte zu ermöglichen.

2. Baulicher Brandschutz

Baulicher Brandschutz impliziert sowohl die Beschaffenheit der verbauten Stoffe des Gebäudes im Hinblick auf deren Brandverhalten oder Feuerwiderstand, eine ausgeklügelte Fluchtwegplanung, als auch den Einsatz von Schutztüren oder gesetzeskonformen Feuerschutzwänden. Im Zuge eines ganzheitlichen Brandschutzes in Rechenzentren sind selbstverständlich auch die gesetzlichen Grundlagen sowie europäische Normen bei der Wahl der zu verbauenden Produkte von großer Relevanz.

Die DIN EN 1047-1 legt beispielsweise die Anforderungen an Datensicherungsschränke im Falle eines Brandes fest. Hierbei dienen definierte Prüfverfahren der Ermittlung der Widerstandsfähigkeit, um temperatur- und feuchtigkeitsempfindliche Inhalte der Schränke vor etwaigen Brandeinwirkungen zu schützen. Das Prüfverfahren beinhaltet sowohl eine Feuerwiderstandsprüfung, als auch eine Feuerstoß- und Sturzprüfung.

Die im Rahmen der Norm DIN EN 1047-2 angegebenen Testbedingungen beinhalten darüber hinaus die Simulation von Bränden zur reproduzierbaren Ermittlung des Feuerwiderstandes von Datensicherungsräumen und -containern. Diese Norm wurde speziell für die besonders hohen Anforderungen im Falle eines Feuers im Rechenzentrum entwickelt. Dabei dürfen im Zuge des Tests die maximale Innentemperatur von ca. 70 Grad sowie eine maximale relative Luftfeuchtigkeit von 85 Grad über einen Zeitraum von 24 Stunden nicht überschritten werden.

Die aktive Beflammung erfolgt hierbei 60 Minuten lang mit einer Temperatur von zirka 1.000 Grad. Außerdem werden IT-Sicherheitsräume als Komplettsystem im Rahmen einer Systemprüfung getestet. Werden Produkte eingesetzt, die den europäischen Normen entsprechen, sind Rechenzentrumsbetreiber somit – was den Worst Case angeht – bestmöglich abgesichert.

3. Technischer Brandschutz

Anlagentechnischer Brandschutz beinhaltet Faktoren wie die Branddetektion, automatische Brandbekämpfung, oder Abschaltungen. Diese Maßnahmen können nur passend ausgelegt werden, wenn sie sich optimal in das Brandschutz-Gesamtkonzept einfügen. Da die Brandentstehung durch geeignete Maßnahmen erheblich reduziert, jedoch nicht ganz ausgeschlossen werden kann, muss ein Konzept zur Erkennung und Bekämpfung konzipiert und umgesetzt werden.

Bei allen Überlegungen zum Thema Brandschutz sollte dabei stets die Prävention vor der Reaktion stehen. Früherkennung, Detektion sowie die Wahl eines geeigneten Löschsystems, welches nicht zuletzt die Sensibilität der im Server-Raum vorhandenen Technik berücksichtigt, sind an dieser Stelle exakt auf die Umgebung abzustimmen.

Erklärtes Ziel ist die Vermeidung eines Feuers. Zu diesem Zweck bietet sich ein Früherkennungssystem an, welches kontinuierlich Raumluft ansaugt und diese auf Aerosole hin überprüft. So besteht die Möglichkeit, einen entstehenden Brandherd frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen.

Am besten ist es, wenn ein Brand gar nicht erst entstehen kann.
Am besten ist es, wenn ein Brand gar nicht erst entstehen kann. (Bild: Pixabay / CC0)

Die passende Löschanlage

Bei der Anschaffung der Löschanlage sollte im Vorfeld die Wahl des geeigneten Löschmittels geklärt werden. Dies hängt unter anderem von der Größe des Löschbereiches sowie den baulichen Gegebenheiten ab. Möglichkeiten stellen hier beispielsweise inerte oder chemische Löschgase dar, um schnell und möglichst rückstandsfrei zu löschen.

Beim Einsatz einer Inertisierung hingegen sind spezielle bauliche Voraussetzungen notwendig, um eine solche Anlage effizient betrieben zu können. Der Einsatz einer permanenten Inertisierung muss somit in jedem Fall genau durchdacht sein, da es in den meisten Fällen nicht lohnenswert ist.

Sämtliche Lösungsansätze sollten im Zuge der Planung individuell betrachtet und das Für und Wider ausgelotet werden, um die jeweils geeignete Maßnahme ergreifen zu können. Nur so können dramatische Auswirkungen von Brandereignissen weitestgehend vermieden und unnötige Investitionen in ungeeignete Lösungen abgewendet werden.

Brände sind selten

Auch die rasche Wiederinbetriebnahme, sollte die Auslösung des Löschsystems erforderlich gewesen sein, stellt ein wichtiges Argument für ein gut durchdachtes Brandschutzkonzept dar. Kann die Löschanlage schnell wieder in Betrieb genommen werden und die IT nach Möglichkeit unterbrechungsfrei weiterarbeiten, kann die Arbeit im Unternehmen ihren gewohnten Gang gehen. So sollte ein Brandschutzkonzept auch in dieser Hinsicht zukunftssicher und professionell gestaltet sein, um optimalen Schutz gewähren zu können.

Grundsätzlich kommt es in einem technisch und organisatorisch einwandfrei betriebenen Rechenzentrum nur selten zu einem Brand. Hat es in der Vergangenheit innerhalb von IT-Umgebungen Brände gegeben, so lag dies meist an der nicht fachgerechten Nutzung des Bereichs. Nicht selten werden Verpackungsmaterialien - bestehend aus Papier, Pappe und Kunststoffen – unnötig lange nach der Installation im Server-Raum aufbewahrt.

Ebenfalls ein klassischer Fehler ist die Installation von USV-Anlagen direkt im Hochverfügbarkeitsbereich. Diese sind in den angrenzenden Technikräumen unterzubringen und brandschutztechnisch strikt von der IT zu trennen.

Ganzheitliche Betrachtung vermeidet Insellösungen

Wird ein Rechenzentrum in einen Bestandsbau integriert, für den bereits ein Brandschutzkonzept existiert, ist es wichtig, die Brandschutzmaßnahmen der neuen IT-Umgebung logisch in die bestehenden Pläne einzubinden. Betreiber müssen sich eine Vielzahl an Fragen stellen:

  • Wie hoch sind die individuellen Verfügbarkeitsanforderungen?
  • Existieren seitens der örtlichen Feuerwehr besondere Anforderungen an den Brandschutz?
  • Existiert eine Brandmeldeanlage für das Gesamtobjekt?
  • Wo laufen Alarme auf und wer reagiert wie im Alarmfall?

An dieser Stelle sind die exakte Definition der neuen Sicherheitsansprüche sowie deren Einbindung in die vorhandenen Gegebenheiten notwendig. Versäumen Betreiber dies, besteht zum einen die Gefahr, dass eine Insellösung entsteht, die unnötig Kapital schluckt.

Weitaus gravierender ist zum anderen die Tatsache, dass eine isolierte Lösung im Brandfall fatale Folgen hinsichtlich des IT-Betriebs nach sich ziehen und die gesamten Unternehmensabläufe stark beeinträchtigen kann. Somit ist sowohl bei einem Neubau, als auch bei einem Umbau des Server-Raums die ganzheitliche Betrachtung des Brandschutzkonzeptes notwendig, um eine sichere Umgebung zu schaffen. Eine professionelle Beratung ist vor dem Hintergrund der Komplexität und Bedeutung dieses kritischen Themas ratsam, um Betriebsabläufe und Personal effektiv zu schützen.

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