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Workshop: Der Disaster-Recovery-Plan Geschäftskontinuität hat viele Facetten

Autor / Redakteur: Sandra Adelberger, Director Product Management EMEA bei Acronis / Rainer Graefen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und dessen Erwartungshaltung ist auf heile Welt getrimmt. Gestern hat doch noch alles funktioniert, ist dann die erste Auskunft. Um die daraus resultierende Hilflosigkeit zu vermeiden, muss man sich mit den unangehmen Seite der IT auseinandersetzen.

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Sandra Adelberger, Director Product Management EMEA bei Acronis
Sandra Adelberger, Director Product Management EMEA bei Acronis
(Foto: Acronis)

Haben Sie schon einmal ein relevantes E-Mail-Postfach verloren? Oder ist einmal Ihr Server ausgefallen und gingen damit wichtige Unternehmensdaten verloren? Die Schwelle, ab wann ein Unternehmen einen Vorfall als Disaster wertet, muss jedes Unternehmen individuell definieren. Aber einen durchdachten Notfallplan, der alle Aspekte der Geschäftskontinuität einbezieht, sollten alle haben.

Für „Disaster Recovery“ gibt es zahlreiche Definitionen und oftmals sind damit verschiedene Sachverhalte gemeint. Die gängigste Definition umfasst die Wiederherstellung der IT-Infrastruktur, die durch

  • menschliche Fehler, zum Beispiel falsche Konfiguration
  • einen Hardware-Ausfall, zum Beispiel ein Server-Crash oder
  • durch höhere Gewalt, zum Beispiel ein Brand oder Wasserschaden

beschädigt wurde.

Je nach Größe des Schadens kann Disaster Recovery unterschiedlich aussehen. Manchmal genügt es, die Daten wiederherzustellen, in anderen Fällen müssen möglicherweise auch die Server und weiteres Equipment ersetzt werden. Das primäre Ziel ist jedoch immer, den Geschäftsbetrieb möglichst schnell wieder aufnehmen zu können. Da eine permanent funktionierende IT-Infrastruktur in vielen Unternehmen nicht mehr wegzudenken ist, hat Disaster Recovery in den letzten Jahren für viele Unternehmen eine existenzielle Bedeutung erlangt.

Erstellung eines Disaster-Recovery-Plans

Für manche Unternehmen stellt es bereits ein Disaster dar, wenn eine wichtige Festplatte mit Daten verloren geht. Für andere wiederum ist ein Desaster gleichbedeutend mit einer großen Katastrophe wie beispielsweise einem Brand oder einem Wasserschaden im Unternehmen.

Im ersteren Fall sind, abgesehen von den verlorenen Daten, die Kosten für die Wiederbeschaffung des Datenträgers überschaubar, während im zweiten Fall neben den Räumlichkeiten auch die komplette Büroeinrichtung und sämtliche IT-Geräte ersetzt werden müssen – was große Kosten verursachen kann.

Wenn so ein Ereignis ein Unternehmen unvorbereitet trifft und der Zugang zu IT-Ressourcen länger unterbrochen wird, führt dies nicht selten sogar in die Insolvenz. Unverzichtbar ist daher, dass Unternehmen einen eigenen Disaster-Recovery-Plan aufstellen, der die Vorgehensweise im Falle einer Katastrophe beschreibt, um den Geschäftsbetrieb schnell wieder aufnehmen zu können.

Dieser Plan sollte mehrstufig sein und alle Szenarien umfassen – vom Ausfall einer Festplatte über den Ausfall eines Servers bis hin zu einem Totalausfall der IT.

Schwierigkeiten bei der Hardware-Wiederbeschaffung

Immer mehr Unternehmen gehen dazu über, in regelmäßigen Abständen den Notfall zu simulieren. Wer ihn Schritt für Schritt durchspielt, ist im Ernstfall weit besser gewappnet. Im Falle eines Totalschadens der IT-Hardware ist die Wiederbeschaffung eine der größten Herausforderungen: Die Palette reicht von simplen Datenträgern über Monitore bis hin zu Servern und Workstations.

Einige davon sind für den laufenden Geschäftsbetrieb von entscheidender Bedeutung und meistens bekommt man gerade diese nicht im Elektronik-Laden um die Ecke. Dazu gehören Server, die oftmals auf eine bestimmte Weise konfiguriert werden müssen oder mit der gewünschten Ausstattung nicht mehr erhältlich sind.

Es kann auch sein, dass zunächst nur eine bestimmte Anzahl der Geräte beschafft werden kann und der Rest erst später verfügbar ist. In diesem Fall kann Virtualisierung eine kostengünstige Möglichkeit sein, den Geschäftsbetrieb vorläufig ohne neue Hardware wieder aufzunehmen – zumindest so lange, bis die Hardware ersetzt wurde.

Mit dem Wiederbeschaffen der Hardware allein ist es jedoch nicht getan, denn die Daten auf den Geräten sind ebenfalls unwiederbringlich verloren, wenn sie nicht zuvor in regelmäßigen Abständen gesichert wurden. Der Verlust von Daten ist meist auf Dauer „teurer“ als der von Hardware.

Kritischer Restore auf "fremder" Hardware

Auf der anderen Seite nutzt es nichts, wenn Unternehmen zwar die Systeme gesichert haben, diese jedoch nicht auf der neu beschafften Hardware wiederherstellen können. Disaster-Recovery-Lösungen mit Techniken für eine Hardware-unabhängige Wiederherstellung von Systemen und Dateien können sich hier als hilfreich erweisen.

Lösungen, die zusätzlich auch eine Wiederherstellung auf ein virtuelles System unterstützen, eröffnen im Notfall die meisten Optionen. Voraussetzung hierfür ist, dass sich die vorhandenen Image-Backups ohne Probleme auf den Plattformen der verschiedenen Virtualisierungshersteller nutzen lassen.

Außerdem muss bei der Wiedereinführung der Hardware auch eine problemlose Migration zurück in die physische Welt möglich sein. Je nach Umgebung und individuellen Anforderungen kann es sinnvoll sein, in der IT auf eine Kombination aus physischen und virtuellen Servern zu setzen, um das Risiko eines Systemausfalls von vornherein zu minimieren.

Totalschaden durch Cloud vermeiden

Auch eine Cloud als zweiten, entfernten Ort für Backups hinzuzuziehen, sollten Unternehmen bedenken. Einerseits können sie auf diese Weise zusätzliche Investitionen in Storage-Hardware vermeiden, andererseits sind im Falle eines Totalschadens der lokalen Backup-Medien die Daten in Sicherheit.

Integrierte Lösungen für Disaster Recovery, die die Verwaltung heterogener Umgebungen aus physischen und virtuellen Maschinen sowie Cloud-Backup über eine Konsole ermöglichen, gibt es einige auf dem Markt.

Dies alles zeigt, dass ein Disaster-Recovery-Plan heute eine umfassende Aufgabe ist, die vieles betrifft: Von der Einbindung der erforderlichen Mitarbeiter über die Ersatzhardware bis hin zur Wiederherstellung der Daten und Systeme. Am wichtigsten ist dabei, dass die entsprechenden Vorbereitungen bereits im Vorfeld getroffen werden. Dann lassen sich die negativen Folgen einer IT-Havarie stark eindämmen.

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