Auf dem IP-Insider-Prüfstand – Praxistest Fluke AirCheck WiFi-Tester

Handheld vereinfacht Fehleranalyse und Störungsdiagnose im WLAN

05.08.2010 | Autor / Redakteur: Josef Brosdetzko / Andreas Donner

Der AirCheck WiFi-Tester von Fluke leistet gute Dienste bei der Fehleranalyse im WLAN
Der AirCheck WiFi-Tester von Fluke leistet gute Dienste bei der Fehleranalyse im WLAN

Diagnosewerkzeuge für drahtlose Netzwerke (WLAN) stecken im Gegensatz zu ihren Pendants für kabelgebundene Netzen (LAN) noch ziemlich in den Kinderschuhen. Zwar haben inzwischen – nicht zuletzt auch forciert durch die neuesten Gerichtsurteile des BGH – die allermeisten Betreiber von WLANs begriffen, dass Verschlüsselung, Adressbeschränkung und Passwortvergabe Pflicht sind, doch gezielte Analysen von WiFi-Netzen hinsichtlich Schwachstellen, Störungen und Angriffsflächen sind selten. Die Fluke AirCheck-Unit will das ändern. IP-Insider hat sich das Gerät angesehen.

Um WLAN-Netze sicherer und zuverlässiger zu machen, bedarf es konkreter Analyse-, Diagnose- und Management-Tools. Speziell messtechnische Geräte für drahtlose Netze waren bis dato aber sehr teuer, wenig mobil und meist komplex zu bedienen. Kaum ein Unternehmen setzt daher Diagnose- und Analysewerkzeuge in seinen drahtlosen Netzen ein.

Genau hier setzt der rund 2.000 Eure teure AirCheck Wi-Fi Tester des renommierten Messgeräteherstellers Fluke Networks an (siehe Abbildung 1). Das Profiwerkzeug ist klein und handlich und stellt viele Funktionen für die messtechnische Analyse von Funknetzen bereit. Dabei geht das Gerät mit dem Anspruch an den Start, dass kaum Spezialkenntnisse für die erfolgreiche Bedienung nötig seien.

Bereits beim Auspacken fällt die praktische Tasche für Messgerät, Ladenetzteil und Zubehör angenehm auf. Das Gehäuse ist Fluke-typisch in Gelb/Grau gehalten, macht einen robusten, weil stoßgeschützten Eindruck, und liegt gut in der Hand. Abbildung 2 zeigt den kompletten Lieferumfang dargestellt.

Inbetriebnahme

Sehr erfreulich ist der kurze Einschaltvorgang; sofort nach Tastendruck ist der Bildschirm beleuchtet und ein paar Sekunden später fängt der AirCheck an, die beiden 802.11 Frequenzbereiche 2,4 GHz und 5 GHz nach Signalen zu durchsuchen.

Als Intuitivtester ist man nun geneigt, die erscheinenden vier Menüpunkte Touchscreen-mäßig über das Display anzuwählen, was hier jedoch über die Pfeiltasten und den „Select“-Button zu erfolgen hat. Abbildung 3 zeigt den Startbildschirm nach dem Einschalten.

Die Bedienung des Geräts ist wie erwartet auch ohne vorheriges Studium des kleinen Handbüchleins intuitiv machbar und führt den Anwender zunächst zum Menüpunkt „Tools“, wo die Anzeigesprache und das Einsatzland auf „deutsch/Deutschland“ eingestellt wird. Hier taucht Deutschland (wie oft in diesem Zusammenhang) alphabetisch nach Georgien und vor Griechenland auf, was typischerweise von der Einordnung der Bezeichnung Germany rührt.

Bedienung

Über den ersten Menüpunkt „Netzwerke“ steigt man in die Analyse einer neuen WLAN-Umgebung ein. Es werden alle empfangbaren Netze nach deren SSID geordnet aufgelistet. Dabei verwendet der AirCheck farblich unterschiedliche Icons für die 802.11-Standards a, b, g und n. Auch die verschiedenen Verschlüsselungsarten werden per Farbe unterschieden, hier logischerweise rot für unverschlüsselt, gelb für WEP und grün für WPA/WPA2.

Für die Untersuchung eines bestimmten Netzwerks wählt man dieses mit den Pfeiltasten aus und bestätigt mit Select. Das Gerät zeigt daraufhin die Signalstärke und Störungseinflüsse (Signal Noise Ratio, SNR) des ausgewählten Netzes per farbigen Balken an. Nun kann sich der Tester mit dem Messgerät frei bewegen, um so bspw. die Empfangsqualität an einzelnen Stellen zu überprüfen.

Falls einer SSID mehrere Access Points zugeordnet sind, lassen sich diese einzeln auswählen. Sehr nützlich ist dabei die Ortungsfunktion, die optisch und mit steigender Tonhöhe die Richtung des Signals anzeigt.

Zum gleichen Ergebnis gelangt man auch über den Menüpunkt „Accesspoints“, der eben die Signale nicht nach Netzwerkname auflistet, sondern die Anzeige nach MAC-Adressen der APs sortiert. Absolut hilfreich ist die Kommentarspalte in der Übersicht, in der eventuelle Störungsursachen oder Fehlkonfigurationen angezeigt werden. So lautete beim ersten Einsatz des Geräts in einem n-basierten WLAN der wertvolle Hinweis des AirCheck bspw., dass 40 MHz Bandbreite (entspricht einer Geschwindigkeit von 300 MBit/s) bei einer Frequenz von 2,4 GHz nicht empfohlen wird!

Hilfreich ist auch der Kommentar, wenn benachbarte Stationen Kanäle verwenden, die nicht dem 802.11-Standard entsprechen und dadurch Überlappungen bzw. Störungen hervorrufen können. Abbildung 4 zeigt den entsprechenden Kommentar bei einem Access Point, der einen nicht standardgemäßen Kanal belegt.

Detailanalyse

Nachdem man sich durch „Site Survey“ einen Überblick über alle am Standort vorhandenen Netze gemacht hat, kann man mittels „Kanäle“ daran gehen, sich bestimmte Frequenzen genauer anzusehen. Der AirCheck zeigt hier für die beiden Bereiche 2,4 GHz und 5 GHz alle im gewählten Land erlaubten Kanäle schwarz und die nicht erlaubten rot an. So wurde in einem Fall z.B. der in Europa nicht erlaubte Kanal 38 im 5-GHz-Band als Störquelle ermittelt. Abbildung 5 zeigt den Bildschirm der Kanalverwendung; die Anzahl der schwarzen Kreise entspricht den APs je Kanalnummer.

In der gleichen Darstellung ist der Tester ein wahrer Helfer in der Not, denn hier kann man auch sehen, wo Störstrahlungen wirken. Die Pegel der 802.11-konformen Signale werden blau angezeigt und andere als grauer Balken dargestellt. In unserem Praxistest konnte man so sehen, wie sich der Betrieb eines Mikrowellenherdes auf drahtlose Netze auswirkt, nämlich katastrophal!

In Abbildung 6 ist deutlich erkennbar, dass die graue Störstrahlung in der Nähe eines handelsüblichen Mikrowellengerätes das blaue Nutzsignal um ein Vielfaches überlagert.

Interessant dabei ist, dass sich die Mikrowellen offensichtlich nur im 2,4 GHz-Bereich störend auswirken; das bekräftigt das viel zitierte Argument der Hersteller für einen Betrieb neuer WLANs auf der 5 GHz Frequenz!

weiter mit: So hilft die mitgelieferte Software bei der Analyse

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