Vernetzte Fabriken

Industrie 4.0 – mehr Risiko als Chance?

| Autor / Redakteur: Martin Kuppinger* / Stephan Augsten

Angesichts der zunehmenden Vernetzung in der Industrie muss im produzierenden Gewerbe ein Umdenken stattfinden.
Angesichts der zunehmenden Vernetzung in der Industrie muss im produzierenden Gewerbe ein Umdenken stattfinden. (Bild: Archiv)

Industrie 4.0 ist ein Hype-Thema in Deutschland. Es wird von der Politik, vom verarbeitenden Gewerbe und von der IT-Industrie als Chance verstanden. Eine Frage wird dabei aber gerne übersehen: Ist Industrie 4.0 vielleicht mehr Risiko, wenn man realistisch auf die IT-Sicherheitsrisiken schaut?

Martin Kuppinger: „Wenn man Geschäfts- und Produktions-IT vernetzt, muss der CISO die Zuständigkeit für die gesamte Sicherheit haben.“
Martin Kuppinger: „Wenn man Geschäfts- und Produktions-IT vernetzt, muss der CISO die Zuständigkeit für die gesamte Sicherheit haben.“ (Bild: KuppingerCole)

Deutschland verfügt über eine traditionell starke Industrie und eine führende Position im Maschinenbau. Eine gute Strategie hinsichtlich Industrie 4.0 – international eher als „smart manufacturing“ bekannt – könnte dabei helfen, eine herausragende Position in diesem wachsenden Marktsegment einzunehmen.

Der Begriff Industrie 4.0 steht für die Integration von geschäftlichen Wertschöpfungsprozessen mit der physischen Produktionskette. Dabei geht es um die schnelle Reaktionsfähigkeit auf sich ändernde Kundenanforderungen und die effiziente Nutzung von Ressourcen. Moderne Produktionssysteme sollen mit den Gütern (IoT, Internet of Things) ebenso wie mit der Business-IT und damit Kunden und Geschäftspartnern vernetzt werden.

All dies dient letztlich dem Zweck, in Zukunft „intelligente Fabriken“ zu schaffen. Damit erfordert Industrie 4.0 auf jeden Fall eine bidirektionale Kommunikation. Diese umfasst beispielsweise die Rückmeldung von Produktionssystemen zu den Business-Systemen, aber auch die Kommunikation zwischen Dingen und Produktionssystemen.

Auf der anderen Seite geht es aber auch um die verbesserte Steuerung der Produktionsprozesse, die sich an geänderte Anforderungen adaptieren können. Es geht eben nicht nur um die durchgängige Kommunikation vom Sensor in der Produktion bis ins Internet, sondern auch um die veränderte Steuerung.

Herausforderung der zweigleisigen Kommunikation

Die logische Konsequenz ist also, dass man Produktionssystem vernetzen und von außen steuerbar machen muss. Diese bidirektionale Kommunikation schafft Probleme: Würden nur Informationen aus der Produktion nach außen übermittelt, könnte man diese einseitige Kommunikation beispielsweise mit unidirektionalen Firewalls absichern, wie sie insbesondere in kritischen Infrastrukturen heute schon zum Einsatz kommen. Wenn man in beide Richtungen kommunizieren möchte, dann geht das nicht mehr so einfach.

Die Öffnung und Vernetzung der Produktion bedeutet zwangsläufig, dass die Angriffsfläche – im Englischen so schön als „attack surface“ bezeichnet – zwangsläufig wächst. Vernetzte Systeme sind ungleich einfacher angreifbar als solche, die durch den berühmten „air gap“, also eine physische und logische Entkopplung, voneinander getrennt sind.

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