Mitarbeiter-Spionage kontra Cyber-Kriminalität

Insider oder Hacker – wo liegt das größere Risiko für IT-Sicherheit?

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Neudefinition von Insidern...

Die Experten scheinen sich hier nicht einig zu sein. Dies hat zum Teil damit zu tun, wie sie die internen und externen Gefahren jeweils definieren. Denn nicht nur die Cyberkriminalität hat sich in den letzten zwanzig Jahren verändert, sondern auch das Geschäftsumfeld.

Dies ist vor allem der zunehmenden Fragmentierung der Unternehmen und der viel umfangreicheren Zusammenarbeit mit externen Beratern und Dienstleistern zuzuschreiben. Hinzu kommen weitere Faktoren wie Firmenzusammenschlüsse und -übernahmen. Dadurch werden Unternehmensgrenzen immer durchlässiger.

Dawn Capelli vom Computer Emergency Response Team (CERT) der Carnegie Mellon University hat sich kürzlich dazu geäußert, wie ihre Organisation die Definition einer „internen“ Person anpassen musste, um mit den aktuellen Entwicklungen in den Unternehmen Schritt zu halten. „Unsere Definition des ‚böswilligen Internen‘ umfasst jetzt nicht nur derzeitige oder frühere Mitarbeiter, sondern ebenso Lieferanten und Geschäftspartner“, erklärt Capelli.

Laut CERT, einer der wichtigsten Computer-Organisationen in den USA, sollten Unternehmen nach wie vor ihr Hauptaugenmerk auf interne Bedrohungen richten. Diesem Thema widmet die Organisation nicht nur einen eigenen Bereich auf ihrer Webseite. Das CERT hat dazu auch den Report „The ‚Big Picture‘ of Insider IT Sabotage Across U.S. Critical Infrastructures

Dort heißt es: „Aufgrund ihres legitimen Zugangs zu Informationen, Systemen und dem Unternehmensnetzwerk stellen Interne ein erhebliches Risiko für Arbeitgeber dar. Mitarbeiter mit finanziellen Problemen können einfach die Systeme, die sie jeden Tag für ihre Arbeit nutzen, für betrügerische Aktivitäten missbrauchen.“

... lässt andere kalt

Während Organisationen wie CERT ein klares Bild der Gefahren durch „Insider“ zeichnen, sind andere der Meinung, durch die immer raffinierteren Angriffe und die zunehmende Organisation von Cyberkriminellen habe sich das Spiel grundlegend verändert. So steht beispielsweise für Verizon fest, dass sich Firmen auf externe Bedrohungen konzentrieren sollten.

Im „2009 Verizon Business Data Breach Investigations Report“ zeigt der Anbieter auf, dass bei 600 untersuchten Fällen von Datenmissbrauch ganze 74 Prozent auf externe Personen zurückzuführen, 32 Prozent davon auf Geschäftspartner. „Nur 20 Prozent gingen von ‚Insidern‘ aus, eine Erkenntnis, die unter Umständen im Widerspruch zu einigen weit verbreiteten Ansichten steht“, heißt es im Report.

Zwar räumen die Autoren des Berichts auch ein, dass viele interne Sicherheitsverletzungen nicht ans Licht der Öffentlichkeit gelangen – denn damit wäre unweigerlich negative Publicity verbunden. Doch Verizon kommt zu dem Schluss: Selbst wenn dem Rechnung getragen wird, stellen externe Attacken die größere Gefahr dar.

„Die Ergebnisse der Untersuchung von 600 Vorfällen in fünf Jahren liefern überzeugende Argumente. Sie hebeln den lange und hartnäckig gehegten Glauben aus, dass die meisten Sicherheitsverletzungen auf ‚Interne‘ zurückzuführen sind“, ist Verizon überzeugt.

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