Industrieanlagen schützen

IT-Sicherheit kommt nicht vom Fließband

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Industrielle IT-Risiken: Bekannt, doch neu

Die Stuxnet-Attacke hat zwar für eine deutlich gestiegene Sensibilisierung für industrielle IT-Risiken geführt, doch das Verständnis für diese IT-Risiken ist bei vielen Industrieunternehmen immer noch nicht ausgeprägt genug. Das liegt unter anderem daran, dass die Unterschiede zwischen der gut bekannten Office-IT und ihrer Bedrohungslage und der Situation der industriellen IT nicht deutlich genug gesehen werden.

Sieht man sich die Top-Risiken für die Industrial Control Systems Security an, wie sie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beschrieben hat, kommen viele bekannte Gefahren darin vor:

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  • Infektion mit Schadsoftware über Internet und Intranet,
  • Einschleusen von Schadsoftware über Wechseldatenträger und externe Hardware,
  • Social Engineering,
  • Menschliches Fehlverhalten und Sabotage,
  • Einbruch über Fernwartungszugänge,
  • Internet-verbundene Steuerungskomponenten,
  • Technisches Fehlverhalten und höhere Gewalt,
  • Kompromittierung von Smartphones und Tablets im Produktionsumfeld,
  • Kompromittierung von Extranet und Cloud-Komponenten oder auch
  • (D)DoS Angriffe.

Was industrielle IT-Sicherheit anders macht

Die Parallelen zur Office-IT sind jedoch weitaus geringer, als man denken könnte. Ein IT-Sicherheitskonzept in Industriebetrieben muss sich an mehreren Punkten von dem für eine reine Verwaltung unterscheiden, auch wenn sich die genannten IT-Risiken und Angriffsmethoden scheinbar ähneln. Das wird deutlich, wenn man die folgenden Vergleiche anstellt:

  • Virenschutz: Klassischer Schutz von Systemen vor Viren und Schadsoftware ist in der Office-IT etabliert; in der Industrie-IT sind solche Maßnahmen schwierig und selten. Dort ist auch die Installation von fremden Softwarekomponenten oftmals nicht erlaubt. Zudem sind Online-Updates für den Malware-Schutz in der Industrie-IT eine Herausforderung.
  • Zeitabhängigkeit, Verfügbarkeit: In der Industrie werden keine Verzögerungen oder Unterbrechungen im produktiven Betrieb erlaubt. Das Einspielen von Korrekturen in Produktionsanlagen ist eher selten und geschieht immer im Rahmen längerfristig geplanter Wartungszyklen und in enger Abstimmung mit dem Hersteller. Grundsätzlich darf der Produktionsprozess nicht durch Sicherheitsmaßnahmen in der Industrie-IT beeinflusst werden. In der Office-IT ist das Korrekturmanagement gut etabliert. Produktabhängig erfolgen Änderungen häufig, Verzögerungen und kontrollierte Betriebsunterbrechungen sind möglich.
  • Lebenszeit von Komponenten: Die Lebensdauer von Industrie-Systemen beträgt bis zu 20 oder 25 Jahre, in der klassischen Office-IT meist nur wenige Jahre. Vorhandene Sicherheitslücken „leben“ in der Industrie-IT also länger.
  • Beurteilung von Risiken: In der Industrie-IT stehen der Schutz von Mensch und Umwelt im Vordergrund, in der Office-IT die Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität von Daten.

Es sind spezielle IT-Sicherheitslösungen und -konzepte gefragt, wie wir in den kommenden Tagen sehen werden. Dann betrachten wir die IT-Security-Lösungen und -Konzepte, die die Unterschiede bei industriellen Anlagen und Betrieben im Vergleich zur reinen Office-IT explizit berücksichtigen, genauer. Die Vielfalt solcher Lösungen nimmt so, leider aber auch die Zahl und Raffinnesse bei den Angriffen auf die industrielle IT.

Dieser Beitrag stammt ursprünglich aus unserem eBook „Sicherheitslösungen für Industrial IT“. Die Links wurden dabei auf den neuesten Stand gebracht und/oder auf Übersichtsseiten ausgerichtet.

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Über den Autor

Dipl.-Phys. Oliver Schonschek

Dipl.-Phys. Oliver Schonschek

IT-Fachjournalist, News Analyst und Commentator bei Insider Research