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Pannenstatistik – Datenschutz-Verletzungen 2009 verdreifacht Meldepflicht des BDSG wirkt sich nicht auf Datenschutz-Vorfälle aus

| Redakteur: Stephan Augsten

Mehr als dreimal so viele gravierende Datenschutz-Vorfälle wie im Vorjahr – zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt das Projekt Datenschutz in seiner Statistik für 2009. Vor allem im letzten Quartal häuften sich die Fälle, in denen unauthorisierte Personen und Organisationen auf sensible Kundendaten zugreifen konnten.

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Unberechtigte Einsicht: Ende 2009 häuften sich die Fälle, in denen unauthorisierte Personen sensible Daten einsehen können.
Unberechtigte Einsicht: Ende 2009 häuften sich die Fälle, in denen unauthorisierte Personen sensible Daten einsehen können.
( Archiv: Vogel Business Media )

Im Jahr 2009 nahm die Gesamtzahl der bekannt gewordenen Datenschutz-Vorfälle gegenüber dem Vorjahr um etwa 350 Prozent zu, meldet Projekt-Datenschutz.de. Für fast jeden Monat wurden erheblich mehr Vorfälle verzeichnet als im Vorjahr.

„Das Jahr 2009 war für den Datenschutz kein gutes Jahr“, bilanziert Alain Blaes, Geschäftsführer von PR-COM und Initiator von Projekt-Datenschutz.de. Immer wieder war es im Internet möglich, unberechtigt auf Server-Datenbanken zuzugreifen, die sensible und private Daten beherbergen. Finanzdienstleister, Telekomprovider und Webshops leiteten gar sensible Informationen an unauthorisierte Stellen weiter.

Eine deutliche Zunahme der Vorfälle registrierte das Projekt Datenschutz vor allem im Herbst, erst im Dezember entspannte sich die Lage wieder ein wenig. Ingesamt wurden im letzten Quartal 2009 mit 54 Fällen rund zwei Drittel aller Vorfälle des Jahres verzeichnet.

BDSG-Novellierung zeigt noch keine Wirkung

Laut Projekt-Datenschutz.de ist die starke Zunahme nicht auf die Meldepflicht zurückzuführen, die seit September 2009 im Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) festgeschrieben ist. Denn in der Regel wurden die Vorfälle wurden nicht von den Verursachern, sondern von Betroffenen oder den Medien aufgedeckt.

An den Datenpannen waren wiederholt Ämter und Behörden beteiligt, etwa Stadtverwaltungen, Gemeindeämter, Amtsgerichte und die Bundesagentur für Arbeit. Etliche Unternehmen wie AWD, Kabel Deutschland, die Deutsche Bank, die Deutsche Telekom oder die Postbank fielen sogar mehrfach auf.

Blaes bezeichnet den deutschen Datenschutz-Alltag als „traurige Kombination von halbherzigen oder fragwürdigen Gesetzen, unzureichender Kontrolle, privater Sorglosigkeit und dreister Unbekümmertheit“. Besorgniserregend dabei sei, dass sich die Öffentlichkeit an diesen Zustand zu gewöhnen scheine. „Das lässt für 2010 nichts Gutes hoffen“, so Blaes.

Projekt-Datenschutz.de bietet eine Übersicht über die einzelnen Datenschutz-Verletzungen. Die Webseite wurde von PR-COM, Agentur für strategische Unternehmenskommunikation und PR in München, ins Leben gerufen.

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