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SAP-Spezialist Marco Lenck über geschäftskritische Systeme

Mit Standardisierung wächst das Bedrohungspotenzial

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Security-Insider: Wer muss nun in welcher Form aktiv werden?

Lenck: Die Politik sollte dafür sorgen, dass das Thema Wirtschaftsspionage unterbunden wird, indem sie ein entsprechendes Umfeld schafft. Es geht darum, dass man sich unter befreundeten Staaten nicht zum Schaden der Unternehmen und damit letztlich zum Schaden aller ausspioniert. Die Politik darf eine gegenseitige Spionage nicht zulassen.

SAP und andere Software-Anbieter müssen dafür Sorge tragen, dass die Software keine zentralen Schwachpunkte aufweist und nicht angreifbar ist. Die Beratungshäuser sollten ihre Kunden für das Thema sensibilisieren, sie entsprechend beraten und dabei unterstützen, Änderungen und Sicherheits-Updates zeitnah einzuspielen. Die Kunden wiederum müssen sich mit dem Thema auseinandersetzen und entsprechende Sicherheitshinweise zeitnah implementieren.

Security-Insider: Wie können wir für die Zukunft ähnliche Szenarien dieser Art vermeiden?

Lenck: Das Thema Sicherheit muss in jegliche Prozessänderung eingebaut werden. Das gilt besonders für politische, wirtschaftliche Risiken. Ich kann einen betriebswirtschaftlichen Prozess erst dann verändern, wenn er so sicher ist wie nötig. Wir müssen über Vertrauensbildung daran arbeiten, dass es keine Hintertüren mehr gibt – für wen auch immer.

Security-Insider: Welche Rolle spielt vor diesem Hintergrund das Wissen von Entscheidern in Politik und Wirtschaft, Entwicklern, Administratoren und Anwendern?

Lenck: Es geht bei allen Beteiligten um eine Bewusstseinsänderung, vor allem aber in Politik und Wirtschaft. Die Entwickler und die Administratoren haben ein relativ starkes Bewusstsein, was Sicherheit in der IT angeht. Gesamtheitlich betrachtet nützt dies aber nichts, denn sie betrachten nur den technischen Aspekt der Sicherheit.

Es ist an der Politik und der Wirtschaft, etwas zu tun. Sicherlich hat man in der Vergangenheit zu sehr darauf vertraut, dass befreundete Staaten Informationen zu geistigem Eigentum nicht missbrauchen. Hier liegt das Problem. Solange sich auf dieser Ebene das Bewusstsein nicht ändert, ist es, als wenn ich die Eingangstüre verbarrikadiere, aber die Terrassentür offen lasse.

Marco Lenck ist Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V., das Interview führte Joachim Jakobs.

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