Was leisten Managed Security Service Provider? MSSP – der Security-Mitarbeiter, der niemals schläft

Von Fred Tavas

Es ist nicht mehr die Frage, ob, sondern wann man als Unternehmen Opfer eines Cyberangriffs wird. Daher sollten sich die Security-Verantwortlichen darauf konzentrieren, wie schnell sie Angriffe stoppen können. Doch was, wenn interne Ressourcen für die Cybersicherheit fehlen? Managed Security Service Provider (MSSP) können Unternehmen helfen, die Gefahr durch Cyberattacken und deren Folgen zu minimieren.

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Managed Security Service Provider (MSSP) können Unternehmen dabei unterstützen, sich optimal auf Cyberangriffe vorzubereiten und deren Auswirkungen zu minimieren.
Managed Security Service Provider (MSSP) können Unternehmen dabei unterstützen, sich optimal auf Cyberangriffe vorzubereiten und deren Auswirkungen zu minimieren.
(Bild: allvision - stock.adobe.com)

Krisen oder unvorhergesehene Ereignisse können zu Geschäftsunterbrechungen führen. Im schlimmsten Fall legen sie ganze Unternehmen temporär still und verursachen hohe Folgekosten. Der Risikoversicherer AGCS der Allianz Gruppe veröffentlichte im Januar 2022 das Allianz Risk Barometer 2022; eine Studie , in der 2.650 Fachleute in 89 Ländern nach den größten Geschäftsrisiken 2022 befragt wurden. 44 Prozent der Teilnehmer sehen Cyberangriffe als größte Gefahr für den Geschäftsverlauf, gefolgt von Naturkatastrophen (25 Prozent), einer Pandemie (22 Prozent) oder dem Klimawandel (17 Prozent). Im Jahr 2020 wurden bereits mehr als 300 Millionen Cyberattacken registriert – ein Anstieg von 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Da heutzutage viele Netzwerke und mobile Geräte in einer Cloud- und Hybridumgebung miteinander vernetzt sind, sind die Risiken von Cyberangriffen so hoch wie niemals zuvor. Eine Attacke kann verheerende Folgen für ein Unternehmen nach sich ziehen. Neben einem möglichen Betriebsausfall sind vor allem Geschäftsverluste, hohe Kosten und mögliche Image- und Reputationsschäden zu nennen.

Selbst optimale IT-Sicherheitsvorkehrungen schützen heutzutage nicht vollumfänglich gegen Cyberangriffe. Unsichere E-Mails sind noch immer die größte Schwachstelle, die zu erfolgreichen Attacken führt. Zu den Angriffsvektoren – gegen oftmals nicht ausreichend geschulte Anwender – gehören beispielsweise auch Business Email Compromise (BEC), Phishing oder verseuchte Anhänge. Ransomware, die meistens per E-Mail übertragen wird, hat sich in den vergangenen Jahren zur häufigsten Form von Cyberangriffen entwickelt. Mit dieser Angriffsform können sich Hacker Zugriff auf die Systeme und Dateien eines Unternehmens verschaffen. Diese werden in der Regel gesperrt oder verschlüsselt, und die Angreifer stellen eine Lösegeldforderung – meist in Form von Bitcoins. Wird dieser Forderung nachgekommen, werden die Systeme wieder entschlüsselt. Entscheiden sich Unternehmen gegen eine Zahlung, drohen die Cyberkriminellen mit der Löschung oder der Veröffentlichung sensibler Daten.

Ein weiteres ernsthaftes Problem stellen ungepatchte Systeme dar, denn diese weisen ein erhöhtes Risiko für Kompromittierungen auf. Auch die mangelnde Absicherung der Supply Chain kann zu einem erfolgreichen Angriff führen. Wie beim bisher wohl verheerendsten Cybersicherheitsvorfall – der Attacke auf die Netzwerk-Management-Lösung SolarWinds im Dezember 2020 – steht den Hackern dann Tür und Tor in das System offen.

MSSP: der Security-Mitarbeiter, der niemals schläft

Managed Security Service Provider können Unternehmen dabei unterstützen, sich optimal auf Cyberangriffe vorzubereiten und deren Auswirkungen zu minimieren. MSSP bieten einen gezielten, proaktiven Ansatz zur Erkennung und Untersuchung von Bedrohung sowie zur Reaktion darauf. Sie dienen als ausgelagerter Teil eines IT-Teams und sind für Sicherheitsaspekte zuständig, die intern nicht durchgeführt werden können. Um Hackern eine möglichst kleine Angriffsfläche zu bieten, setzen sie vor allem auf die Wartung der Sicherheitstechnologien und auf aufgeräumte Cyber-Umgebungen. Zu den Basics eines MSSP zählen tägliche Back-ups, Netzwerk-Segmentation wichtiger Systeme sowie Patch-Management. Zudem setzen viele MSSP auf regelmäßige Schwachstellen-Scans, um zu testen, ob Patches ausgerollt sind. Diese Security-Grundlagen werden in der Regel durch weitere Technologien und Maßnahmen ergänzt. Dazu gehören unter anderem:

  • Implementierung eines Frameworks: Ein Framework wie das National Institute of Standards and Technology (NIST) Cybersecurity Framework dient der Definition und Überwachung von Security Policies und umfasst zudem regelmäßige Penetrationstests. So können sich Unternehmen sicher sein, dass ihre IT-Sicherheit und -Systeme regelmäßig und kontinuierlich gemonitort werden.
  • Regelmäßiges Risk Assessment: Eine Risikoanalyse sollte ebenfalls Priorität haben und unter anderem die Supply Chain umfassen. So können Schwachstellen und Risiken identifiziert werden, sowohl intern im Unternehmen als auch extern in der Lieferkette. Risk Assessment hilft, Nachholbedarf in der Cybersicherheit aufzudecken. Umfasst diese Analyse auch die Supply Chain, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, nicht Opfer eines Cyberangriffs zu werden – trotz ausreichender eigener Vorkehrungen.
  • Digital Forensics and Incident Response (DFIR) Retainer: Mit einem Provider sollte frühzeitig zudem ein DFIR Retainer abgeschlossen werden. Durch diesen haben Unternehmen innerhalb weniger Stunden direkten Zugriff auf externe Forensiker. Diese können Malware aufspüren, forensische Beweise sichern und Angriffe in Echtzeit abwehren.
  • Schulungen und Übungen: Eine weitere sinnvolle Ergänzung der Schutzmaßnahmen stellt die regelmäßige Durchführung von Workshops für Desaster Recovery-Planung, Table Top Exercises und Purple Teaming dar.
  • EDR-Plattform und Threat Hunting: Das Ausrollen einer EDR (Endpoint Detection and Response)-Plattform sollte als Managed Service erfolgen, kombiniert mit Threat Hunting.
  • Red Teaming: Erst im Anschluss an eine EDR-Plattform und das Threat Hunting steht das Red Teaming (White Hacking) – als ultimative Überprüfung aller Maßnahmen.

Unterschiede zwischen einem reinen MDR-Anbieter und einem MSSP

Zusätzlich zu MSSP existieren mit Managed Detection and Response (MDR)-Anbietern weitere Unternehmen, die Unterstützung und Services für die Cybersecurity anbieten. Auch viele MSSP bieten MDR-Services an. Nichtsdestotrotz bestehen einige Unterschiede zwischen MDR- und MSS-Providern.

So haben reine MDR-Provider etwa keine holistische Sicht auf alle Assets des Kunden oder Schwachstellen jenseits der Endpoints. Zudem bieten sie im Regelfall weder DFIR noch Red Teaming und auch keine vergleichbaren Aktionen an. Ein MSSP dagegen kann von Consulting über Schwachstellen-Scanning bis zu einem Managed Security Operations Center (SOC) alle Services erbringen. Ein Managed SOC kann beispielsweise flexibel Services wie Tier 1-2-3 umfassen. Dies beinhaltet auch den Aufbau und Betrieb eines Security Information & Event Management (SIEM). Werden bei dieser Lösung Alarme gemeldet, kann der MSSP dann – abhängig von definierten Usecases und Playbooks – auf der EDR-Plattform des Kunden „responden“ und zum Beispiel in Echtzeit einen kompromittierten Host isolieren.

Fazit

Managed Security Service Provider sind empfehlenswert für Unternehmen, die nicht über ausreichende interne IT-Sicherheits-Ressourcen verfügen. MSSP setzen zahlreiche Maßnahmen um, die die Cybersicherheit stärken, und führen ein kontinuierliches Monitoring der IT-Umgebung und -Systeme durch. Verdächtige Aktivitäten fallen auf diese Weise schnell auf, sodass umgehend entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Daher sind Unternehmen, die auf einen MSSP setzen, im Falle eines Cyberangriffs gut gerüstet.

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Über den Autor: Fred Tavas ist Country Manager DACH & CEE bei Trustwave.

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