Suchen

Sonderforschungsbereich Privatsphäre im Internet beschäftigt Saarbrücker Uni

| Redakteur: Stephan Augsten

Jeder PC-Nutzer, der sich im Internet bewegt, hinterlässt Spuren. Doch welche Informationen gibt der Normalnutzer preis und wie lässt sich die Privatsphäre ohne technisches Wissen schützen? Derartige Fragen sind Gegenstand eines neuen Sonderforschungsbereichs der Universität des Saarlandes.

Firmen zum Thema

Sicherheitsforscher werden sich unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Backes mit dem Thema Privatsphäre im Internet befassen.
Sicherheitsforscher werden sich unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Backes mit dem Thema Privatsphäre im Internet befassen.
(Bild: Universität des Saarlandes)

Cookie-Schredder, Browser-Plug-ins, Virtual Private Networking (VPN): Versierte Vertreter der „Generation Online“ kennen verschiedene Mechanismen, um sich einigermaßen anonym im Internet zu bewegen. Trotz allem kann man jedoch leicht den Überblick darüber verlieren, welche Konsequenzen das eigene Handeln im weltweiten Netz hat.

Selbst IT-Profis können kaum nachvollziehen, an wen welche persönlichen Daten fließen, meint Michael Backes, Professor für IT-Sicherheit und Kryptografie der Universität des Saarlandes. Im Sonderforschungsbereich „Methods and Tools for Understanding and Controlling Privacy“ will er deshalb gemeinsam mit Forscherkollegen lernen, die Mechanismen im weltweiten Datendschungel besser zu verstehen.

Ein besonderes Problem stellen für Backes die Big-Data-Analysen dar: „Die hohen Rechnerleistungen machen es […] immer einfacher, riesige Datenbestände nach Detailinformationen zu durchforsten und persönliche Daten aus ganz unterschiedlichen Quellen miteinander zu verknüpfen.“ Unternehmen hätten daher leichtes Spiel, die Interessen und Wünsche der Kundschaft herausfinden.

Datenerfassung für legale und illegale Zwecke

Dabei steht insbesondere die Frage im Raum, was Unternehmen über Personen erfahren können, indem sie zum Beispiel die Benutzerkonten auf mehreren Plattformen miteinander verknüpfen. „Solche Kombinationen ermöglichen Profilbildungen, die den einzelnen Nutzer schnell zum gläsernen Kunden werden lassen, dessen Lebensgewohnheiten und Vorlieben bis ins Detail durchleuchtet werden“, erläutert Backes. Smartphone-Apps zählen natürlich auch zu den Datensammlern.

Gleichzeitig befassen sich die Forscher mit böswilligen Angreifern wie Geheimdiensten und Cyber-Kriminellen: „Unser erstes Ziel ist es daher, sichtbar zu machen, wie es um die Privatsphäre des einzelnen Nutzers bestellt ist. Was weiß zum Beispiel das Internet gerade über mich? Kann es genau bestimmen, wo ich mich aufhalte, weiß es, welchen Arzt ich aufgesucht habe oder wie meine Reisepläne aussehen“, nennt Backes als Beispiel.

Die Sicherheitsforscher wollen Methoden dafür entwickeln, dass die Privatsphäre der Nutzer auch ohne technisches Know-how besser besser geschützt werden kann. Als Beispiele nennt Backes eine nutzerfreundliche Rechteverwaltung auf dem Smartphone oder die Möglichkeit, Unbekannte auf einem Foto automatisiert unkenntlich zu machen.

An dem neuen Sonderforschungsbereich sind mehrere Professoren der Universität des Saarlandes sowie Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Informatik, des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme sowie des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) beteiligt. Außerdem wirken zwei Wissenschaftler der Université du Luxembourg und des Forschungsinstituts LORIA in Nancy mit.

Das Forschungsprojekt wurde bereits von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligt. Für die ersten vier Jahre fließen dafür voraussichtlich rund 8,4 Millionen Euro in die Saarbrücker Informatik.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:43740169)