Mikko Hyppönen über die Auswirkungen der Snowden-Enthüllungen

Privatsphäre im Jahr 1 nach Snowden

| Redakteur: Peter Schmitz

Security-Insider: Haben die Snowden-Leaks Auswirkungen auf die Geschäftsstrategie von Security-Anbietern?

Hyppönen: Auf jeden Fall. Vor allem bei Unternehmen außerhalb der USA. Wir fühlen uns jetzt in der Verantwortung für Kunden auf der ganzen Welt, die jetzt Nicht-US-Unternehmen bevorzugen. Von der Unternehmenskultur her hat sich, in den 23 Jahren seit ich bei F-Secure bin, unser Unternehmen noch nie so sehr wie im vergangenen Jahr verändert. Wir haben unseren Look, Slogan und unsere Mission geändert, neue Geschäftsbereiche ins Leben gerufen und mehr neue Produkte als jemals vor auf den Markt gebracht, von denen viele auf das Thema Privatsphäre ausgerichtet sind.

Security-Insider: Wie sieht es mit dem Umgang mit Kundendaten aus?

Hyppönen: Die Enthüllungen hatten nicht viel Einfluss darauf, wie F-Secure Kundendaten behandelt, weil wir immer schon sehr stark auf die Privatsphäre achten. Aber sie waren ein wichtiger Grund, warum wir kürzlich ein Whitepaper veröffentlicht haben, das die Datenerfassung für unsere Internet-Security-Produkte detailliert beschreibt. Im vergangenen Jahr haben sich Menschen erstmals mehr Sorgen darüber gemacht, was mit ihren Daten eigentlich passiert.

Sicherheitssoftware greift ebenfalls sehr umfangreich auf das System zu, daher müssen wir uns als Security-Anbieter auch darüber Gedanken machen. Wir waren der erste und bisher einzige Hersteller von Sicherheitslösungen, der dokumentiert hat, welche Art von Daten wir auf Endbenutzer-Systemen sammeln und wie wir sie anonymisieren. Wir fordern andere Anbieter von Sicherheitssoftware dazu auf, das Gleiche zu tun.

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Security-Insider: Haben die Leute wirklich US-Internet-Diensten den Rücken gekehrt?

Hyppönen: Als die Leute über die Enthüllungen erfahren haben, sagten sich viele, dass sie ihre Daten nicht mehr bei den großen US-Diensten speichern wollen. Aber in der Praxis hat es keine massive Verschiebung bei den Verbrauchern gegeben. Es ist zeitaufwändig und mühsam, alte Dienste zu verlassen und zu neuen zu wechseln. Unternehmen hingegen verlagern ihre Daten in größerem Stil weg von den US-Clouds. Sie wissen, dass, wenn sie Daten in US-Clouds speichern, die US-Regierung das Recht hat, in diesen Daten zu suchen – und dies müssen sie sehr ernst nehmen.

Security-Insider: Wo sehen Sie noch Bedarf für Alternativen zu US-Diensten?

Hyppönen: Wo sind die europäischen Mainstream-Suchmaschinen? Web-Mail-Dienste? Cloud-Storage-Dienste? Diese Fragen sind mit der Grund, warum F-Secure beschlossen hat, im Cloud-Storage-Bereich aktiv zu werden, und weil wir derzeit europäische Alternativen nicht sehen. Deswegen betrachten wir es als unsere eigene Verantwortung, in dieser Richtung etwas zu unternehmen.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, ob es Hoffnung gibt, dass aus dem PRISM-Skandal und den Snowden-Enthüllungen etwas Positives entsteht.

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