App-Testing für smarte Helfer Professionelle Testmethoden für Wearable-Apps

Autor / Redakteur: Jan Wolter * / Florian Karlstetter

Wearables liegen im Trend. Laut einer Gartner-Studie werden im Jahr 2017 rund 4,4 Milliarden Menschen weltweit mit ihren Computern über mobile Anwendungen interagieren. Entwickler und Unternehmen sollten schon jetzt darauf achten, Apps von konstant hoher Qualität bereitzustellen.

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Wer beim App-Testing für Wearables auf die richtige Mischung aus automatisierten Verfahren und einem Testing auf echten Geräten und unter realen Bedingungen setzt, hat gute Chancen auf Erfolg.
Wer beim App-Testing für Wearables auf die richtige Mischung aus automatisierten Verfahren und einem Testing auf echten Geräten und unter realen Bedingungen setzt, hat gute Chancen auf Erfolg.
(© Mathias Rosenthal - Fotolia.com)

Im Jahr 2017 werden geschätzte 4,4 Milliarden Menschen weltweit mit ihren Computern über mobile Anwendungen interagieren. Im Klartext bedeutet das: Beinahe 60 Prozent der Weltbevölkerung wird in den nächsten drei Jahren regelmäßig mit Apps in Berührung kommen.

Dabei reichen die Fähigkeiten der kleinen Helfer mittlerweile bis in unser Zuhause, unser Auto, unsere Tasche und sogar bis an unseren Körper. Wearables heißen die Geräte, die als Uhr, Brille, Ring oder T-Shirt daherkommen und uns beim Tracking der täglich zurückgelegten Schrittzahl oder beim Messen unseres Blutdrucks unterstützen.

Auch, wenn wir gerade noch am Anfang stehen: Die Wearable-Technologie entwickelt sich rapide. Der Markt, so die Einschätzung von Experten, wird in den nächsten zehn Jahren durch die Decke schießen: Laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands BITKOM können sich schon heute zwei von fünf Deutschen vorstellen, eine Smart Watch zu tragen – ähnlich verhält es sich bei Smart Glasses. Derzeit sind weit über 90 Millionen Wearables aller Art mit dem Internet verbunden - eine Zahl, die sich in den nächsten fünf Jahren sogar noch versechsfachen soll .

Wearable-Technologie: Ein vielschichtiges Ökosystem

Heutige Wearable-Technologie kombiniert Hardware und Software. Ein hart umkämpfter Markt, bei dem es für Entwickler darauf ankommt, mit einer soliden Integration zwischen Geräten und ihren Apps zu punkten.

Dabei scheint es so, als würden täglich neue Player das Parkett der tragbaren Allzweckwaffen betreten. Neben zahlreichen speziellen Anbietern haben auch global agierende Tech-Konzerne wie Google, Apple und Microsoft den Trend erkannt und wollen auch ein Stück vom Wearable-Kuchen abhaben. Momentan lässt sich der weltweite Markt auf folgende Gerätetypen aufteilen:

Fitness Tracker: Die „Ur-Wearables“ nutzen häufig eine Vielzahl von Sensoren, um Entfernungen, Höhen oder das Aktivitätslevel ihrer Nutzer zu tracken. In den meisten Fällen werden Daten an ein verbundenes Smartphone oder eine Online-Plattform übermittelt und ausgewertet.

Die Entwicklung von Smart Glasses steht noch am Anfang, denkbar sind aber viele Einsatzszenarien.
Die Entwicklung von Smart Glasses steht noch am Anfang, denkbar sind aber viele Einsatzszenarien.
(Bild: Applause)
Smart Glasses: Derzeit sind zwei Varianten der intelligenten Brillen auf dem Markt erhältlich. Die erste Variante beinhaltet ein kleines Display am Rande des Sichtfeldes, über das Nutzer durch Sprachbefehle Informationen anfordern können. Daneben gibt es auch Smart Glasses, die über durchgängige Brillengläser Informationen als eine Art Augmented-Reality-Ebene darstellen.

Smart Watches: Diente die erste Generation der Smart Watches lediglich als erweitertes Display in Verbindung mit einem Smartphone, Tablet oder Computer, werden mit den neueren Geräten über zusätzliche Sensoren auch Daten erfasst, wie sie bisher nur Fitness Tracker erheben konnten.

Smart Clothing und Jewelry: Bisher nur vereinzelt auf dem Markt anzutreffen, bieten intelligente Kleidungs- und Schmuckstücke viele Möglichkeiten, ihren Nutzer über die eigenen Körperdaten zu informieren oder sie mit Benachrichtigungen anderer Geräte zu versorgen. Zahlreiche in der Kleidung verarbeitete Sensoren könnten User in Zukunft sogar über gesundheitsschädliche Umgebungen (wie zum Beispiel eine extreme Sonneneinstrahlung) warnen.

Wearable-Technologie: wichtig ist eine solide Integration zwischen Gerät und App.
Wearable-Technologie: wichtig ist eine solide Integration zwischen Gerät und App.
(Bild: Applause)

Viele Stolpersteine für Entwickler von Wearable-Apps

Für Hardware-Hersteller und App-Entwickler bringt jedes neue Produkt zahlreiche Vorzüge, aber auch Herausforderungen, mit sich. Wearable-Anwendungen müssen nicht nur problemlos auf den jeweiligen Geräten funktionieren. Sie sind auch den zahlreichen Schwierigkeiten ausgesetzt, denen Smartphone-Apps standhalten müssen. Diese Aspekte sollten Entwickler insbesondere im Blick behalten:

1. Vernetzung:

Häufig benötigen Wearables eine vorübergehende oder konstante Verbindung zu einem Smartphone oder Tablet – via USB, Bluetooth oder W-Lan. Der derzeitige Hardware-Standard bei neueren Geräten ist dabei die Verbindung via Bluetooth Low Energy (LE). Dies erlaubt einen ständigen Austausch zwischen Gerät und App, ohne dabei zu sehr die Energieressourcen zu belasten.

2. Akku-Laufzeit:

Insbesondere größere Wearables sind häufig von kürzeren Akku-Laufzeiten betroffen – eine Herausforderung für die Hersteller der Hardware, aber auch für Softwareentwickler. Eine App sollte jedoch die Akku-Laufzeit eines Gerätes nicht zusätzlich verkürzen.

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3. Bildschirmgröße:

Wichtig ist, dass sich Entwickler über verschiedene Nutzungsszenarien klar werden und die Wearable-Anwendung dementsprechend gestalten. Es genügt nicht, die App lediglich auf die entsprechende Bildschirmgröße zu verkleinern. Komplexe Menüführungen oder zu viele Informationen auf engstem Raum können Nutzer schnell überfordern.

4. User Feedback:

Im Gegensatz zu den Feedback-Mechanismen klassischer App Stores stellt die Auswertung von Nutzermeinungen über Wearable-Apps eine Hürde für Entwickler dar. Insbesondere bei sogenannten „On-Device Apps“ ist eine Bewertung oft nur schwer nachvollziehbar, weil den Nutzern meist eine Tastatur fehlt, um ausführliche Erklärungen in den App Stores abzugeben. On-Device Apps werden speziell für das Wearable gestaltet – anders als bei sogenannten „Companion Apps“ wird keine Verbindung zu einem Smartphone oder Tablet benötigt.

Das richtige Testing ist der Schlüssel

Um diesen und vielen anderen Schwierigkeiten rechtzeitig zu begegnen oder ihnen schon vor dem Launch einer App vorzubeugen, ist ein umfassendes Testing auf echten Geräten unabdingbar.

Ein speziell kreiertes Virtual Device kann zwar durchaus hilfreich sein, um vereinzelt Inhalte auf Richtigkeit und Vollständigkeit zu überprüfen. Jedoch kann nur ein Testing, das sich an den Nutzungsrealitäten seiner User orientiert, dabei helfen, Synchronisations- und Verbindungsprobleme zu verringern, valide Daten zu erheben und wichtiges Nutzerfeedback aus dem tatsächlichen Einsatz zu erhalten.

Beim richtigen Testing für Wearable-Geräte kommt es darauf an, dass Entwickler für jede Phase des System Development Life Cycles (kurz: SDLC) die passende Test-Methodik einsetzen:

Functional Testing: Zuallererst sollte sichergestellt sein, dass die App auch wirklich funktioniert. Das Testing auf echten Geräten verschafft Entwicklern einen Eindruck darüber, wie sich die Wearable-App in der Hand ihrer Nutzer verhält. Unter Einbeziehung von Test Cases sollte überprüft werden, ob Elemente wie die automatische Erfassung von Daten oder eine konstante Verbindung gegeben sind, während im Zuge von angeleiteten Exploratory Testings Probleme entdeckt werden können, die Entwickler bislang nicht bedacht haben.

Usability Testing: Ist eine App mit zu vielen Funktionen überladen? Ist die Bedienung der App auf dem neuen Gerät genauso einfach wie auf dem älteren Modell? Wollen Entwickler verstehen, wie Kunden die intuitive Nutzung der eigenen Anwendung einschätzen, ist es ratsam, eine Untersuchung der App-Usability durchzuführen.

Localization Testing: Sollen mit einer App User in mehreren Ländern oder auf der ganzen Welt angesprochen werden, müssen Entwickler darauf achten, die Wearable-Anwendung der jeweiligen Kultur, Sprache und Marktgegebenheiten entsprechend anzupassen. Gerade angesichts kleinerer Bildschirme bei Wearables gilt es zudem, auf das Interface zugeschnittene Übersetzungen zu wählen, ohne dabei die Aussage des ursprünglichen Textes zu verändern.

Load und Performance Testing: Weil der Großteil der Wearable-Kommunikation unmittelbar von Gerät zu App verläuft, ist es für Entwickler umso wichtiger, sicherzugehen, dass die App Nutzungsspitzen standhält – wenn also zum Beispiel sensible Daten in der Cloud gespeichert werden und die App gleichzeitig auf mehreren Geräten synchronisiert wird.

Security Testing: Insbesondere wenn eine App mit Servern in der Cloud kommuniziert, ist es für Entwickler wichtig, sicherzustellen, dass persönliche Daten sowie Usernamen und Passwörter geschützt werden. Anhand eines umfassenden Sicherheitschecks, der die App auf alle gängigen Sicherheitslücken hin überprüft, zeigt sich, ob die Form der Datenspeicherung und die gewählte Serververbindung den hohen Sicherheitsstandards der Nutzer genügen.

Fazit

Der Autor: Jan Wolter, EU-Geschäftsführer von Applause.
Der Autor: Jan Wolter, EU-Geschäftsführer von Applause.
(Bild: Applause)
Derzeit befindet sich der Markt für Wearable-Technologie in einer entscheidenden Wachstumsphase: Genau die richtige Zeit, für Unternehmen auf den bereits rollenden Zug aufzuspringen. Entwickler bzw. Unternehmen, die sich dazu entscheiden, sollten darauf achten, dass sie ihren Usern Apps von konstant hoher Qualität liefern. Hierbei sollte die Nutzersicht nicht zu kurz kommen – egal ob beim Programmieren der Wearable-Anwendung oder beim anschließenden Qualitäts-Testing. Wer beim App-Testing für die smarten Helfer auf die richtige Mischung aus automatisierten Verfahren und einem Testing auf echten Geräten und unter realen Bedingungen setzt, hat gute Chancen auf ein großes, saftiges Stück vom Wearable-Kuchen.

* Jan Wolter ist EU-Geschäftsführer von Applause.

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