Münchner Sicherheitskonferenz öffnet sich zögerlich dem Thema IT

Ratlos, machtlos und tatenlos im Cyberspace

| Autor / Redakteur: Bernd Schöne / Stephan Augsten

Vereinigte Staaten verweigern den Schulterschluss

Merkels Standpunkt („Spionage unter Freunden geht nicht“) wird von den USA nicht geteilt, im Gegenteil: Michael Rogers, Vorsitzender des Geheimdienstkomitees des US-Parlamentes gibt sich so unnachgiebig wie zeitgleich sein Außenminister in Berlin bei Gesprächen mit der deutschen Regierung.

Die US-Politiker ärgern sich massiv, einen Maulwurf in den eigenen Reihen mit Informationen gemästet zu haben. Eine Neuorientierung ist nicht zu erwarten. Es wird weiter spioniert, was die Technik hergibt. Die US-Delegation des Senates gibt Kerry dazu volle Rückendeckung. Für eine Entschuldigung gibt es nach ihrer Ansicht keinerlei Veranlassung.

Dem Deutschen Innenminister Thomas de Maizière fällt es sichtlich schwer, die Sichtweise der deutschen Regierungen vorzutragen. Seine Mundwinkel zittern, als er sanfte Kritik artikuliert. Ein Abkommen zur Schadensbegrenzung ist weiter nicht in Sicht. Thomas de Maizière hat an einen „No Spy“-Vertrag allerdings auch keine große Erwartung. „Wer soll den Überprüfen“, fragt er etwas ratlos.

Viel Spielraum haben die Europäer sowieso nicht. Ein von deutschen Diplomaten ins Spiel gebrachter 360-Grad-Schutzwall – rund um das europäische Internet – scheitert schon an mangelnden Fähigkeiten. In den Bereichen Netzwerktechnik, Supercomputer, Entschlüsselungs-Hardware, Quantencomputer, Mikroprozessoren und verteilte Dateisysteme für „Big Data“ liegt Europa weit abgeschlagen hinter den USA, China und Russland.

Unternehmen beteuern unablässig ihre Unschuld

Firmen aus den Vereinigten Staaten bangen derweil um zukünftige Geschäfte „Wir bauen keine Hintertürchen in unsere Software ein“, beteuert der für Sicherheit zuständige Microsoft Manager Matt Thomlinson. Die Europäer sollten Krypto-Software erwerben. Verschlüsselung heile alle Spionagewunden, so der Microsoft-Manager – auch solche, an denen drahtlose Schnittstellen innerhalb des Rechners kranken.

Das sind Aussagen, die eigentlich eine schnelle und fundierte Richtigstellung verlangen würde. Doch dazu kommt es nicht, weil technischer Sachverstand auf dem Podium fehlt. Ähnlich glaubwürdig wie Microsoft, aber doch mit deutlich anderem Zungenschlag, äußerte sich Huawei-Manager John Suffolk: „Niemand hat uns je gebeten, Daten herauszugeben oder Hintertüren einzubauen.“

Man fühle sich ausschließlich den Kunden, den Mitarbeitern und Eigentümern verpflichtet und sehe sich keinem Staat zur Treue verpflichtet, so Suffolk. Das klingt deutlich anders, als bei US-Firmen aus dem PRISM-Verbund. Hintertüren können natürlich nicht nur vom Hersteller, sondern auch von Zwischenhändlern eingebaut werden.

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