Münchner Sicherheitskonferenz öffnet sich zögerlich dem Thema IT

Ratlos, machtlos und tatenlos im Cyberspace

| Autor / Redakteur: Bernd Schöne / Stephan Augsten

IT-Vorträge im stillen Kämmerlein

Das weiß man natürlich auch beim chinesischen Netzwerkspezialisten. Zum Huawei-Pressegespräch erschienen ganze fünf der 700 akkreditierten Journalisten, was einiges über den Stellenwert des Themas bei den Medienvertretern aussagt. Die Presse stürzt sich stattdessen zwei Tage lang auf den Boxchampion Vitali Klitschko.

Orte und Termine zeigen auf Konferenzen auch das Gewicht eines Themas: Während man im überfüllten Hauptsaal über die Ukraine spricht, muss der EU-Energiekommisar Günther Oettinger auf die kleine „Komödie im Bayerischen Hof“ ausweichen. Dort spricht er über die politischen und ökonomischen Chancen und Risiken der Energiewende.

Stromtransportwege über Strecken von 1.000 Kilometern und mehr bewirken eine veränderte Sicherheitslage, die mehr Aufmerksamkeit und mehr Sachkenntnis verdient hätten. Überlandleitungen höchster Kapazität sind militärisch kaum zu schützen.

Dazu addiert sich der Zwang, die schwankende Energieproduktion blitzschnell der Nachfrage anzupassen. Die dazu nötige Computertechnik wird weitgehend ohne menschliche Kontrolle auskommen müssen. Beides sind Risiken, die unsere Gesellschaft wird tragen müssen.

Kleine Zugeständnisse vor kleinem Publikum

Ob Überwachung und Spionage hier helfen können, bleibt abzuwarten. Der US-Geheimdienstexperte und früheren CIA-Direktor Michael V. Hayden erörterte mit deutschen Experten zur nächtlichen Stunde genau diese Frage. Die Veranstaltung fand parallel zum Staatsempfang des Bayerischen Ministerpräsidenten und vor ausgewählten Zuhörern im Nacht-Club (!) des Bayerischen Hofes statt. Das Echo der Veranstaltung bleibt daher gering, und das war wohl auch so beabsichtigt.

Die Positionen konnte man erahnen. Wir (also die Amerikaner) suchen im Internet nach unbekannten Gefahren und teilen die Ergebnisse bei Bedarf den NATO-Partnern mit. Die europäischen Ansprüche auf Schutz eigener Interessen, auf Mitsprache und Mitwissen treffen auf taube Ohren. Immerhin sollen europäische Firmen eine bessere Rechtsposition beim Schutz ihrer Daten vor US-Gerichten erhalten.

Der Präsident von Estland, Toomas Hendrik Ilves, ist der einzige hochrangige Politiker, der konkretes politisches Handeln im globalen Maßstab fordert. Sein Land hat sich als erster Staat voll dem Internet verschrieben. Nicht nur die estnische Verwaltung arbeitet in der Cloud, hier wird sogar elektronisch gewählt.

Estland war am 27. April 2007 auch das erste Land, das Opfer eines gezielten elektronischen Angriffs auf seine Internet-Infrastruktur wurde. Das öffentliche Leben lag kurzfristig lahm, und man benötigte die Hilfe der USA, um es wieder zu normalisieren. Toomas Hendrik Ilves regt einen „Westfälischen Frieden“ für das Internet an. Doch zwischen welchen Parteien?

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