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E-Perso sorgt für Zwist unter IT-Experten RFID-Chip erhöht Risiko von Identitätsdiebstahl

| Redakteur: Martin Hensel

Die Bundesregierung will den neuen elektronischen Personalausweis schnellstmöglich einführen. Während der Branchenverband Bitkom dies ausdrücklich begrüßt, warnen Datenschützer vor den Risiken des Dokuments. Vor allem der integrierte RFID-Chip und die optional enthaltene elektronische Signatur sorgen für Meinungsverschiedenheiten.

Vor- und Nachteile des elektronischen Personalausweises sorgen derzeit für Diskussionen.
Vor- und Nachteile des elektronischen Personalausweises sorgen derzeit für Diskussionen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Am vergangenen Mittwoch segnete die Bundesregierung in einer Kabinettssitzung den Entwurf der Novelle des Personalausweisgesetzes ab. Das Identifizierungsdokument soll künftig einen RFID-Chip und ein digitales Foto des Besitzers enthalten.

Optional können die Bürger zwei Fingerabdrücke sowie eine einfache oder qualifizierte elektronische Signatur integrieren lassen. Ein konkreter Starttermin für den elektronischen Ausweis steht noch nicht fest, die Politiker peilen aber Ende 2010 als Ziel an.

Der Branchenverband Bitkom begrüßt diese Entscheidung und verweist äußerst schwammig auf die „erhöhte Internet-Sicherheit“ durch den Online-Einsatz des elektronischen Ausweises. Zur Problematik der möglicherweise ungewollt auslesbaren RFID-Chips schwieg der Verband ebenso, wie zur Möglichkeit des Identitätsdiebstahls durch findige Online-Kriminelle.

Kritische Datenschutz-Aspekte

Datenschützer finden dagegen teils deutliche Worte: Besonders die optionale digitale Signatur ist Frank Rosengart vom Chaos Computer Club ein Dorn im Auge. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte er: „Leider sind viele Bürger immer noch sehr naiv. Mit ihrer elektronischen Signatur werden sie ohne nachzudenken jeden Quatsch unterschreiben“.

In diesem Zusammenhang müsse zudem beim Bund eine Zertifizierungsstelle geschaffen werden, um die Seriosität von Internetanbietern zu prüfen. Laut Rosengart fehle dazu aber die notwendige Kompetenz. Zudem prangerte der Experte das Risiko an, dass sensible persönliche Daten, die auf dem Ausweis hinterlegt sind, beim Gebrauch des Dokuments im Internet in falsche Hände geraten.

Einigkeit herrscht unter den Datenschützern bezüglich der Möglichkeit, Fingerabdrücke auf dem Ausweis zu hinterlegen. Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert verwies gegenüber dem Hamburger Abendblatt erneut auf die Möglichkeit, dass der RFID-Chip ungewollt von Dritten ausgelesen wird. Zudem seien Duplikate von Fingerabdrücken leicht anzufertigen, was das Risiko geklauter Identitäten verschärfe.

Nebenbei erwartet der Experte auch, dass zum Auslesen biometrischer Daten berechtigte Staaten zentrale Datenbanken für diese Informationen aufbauen. Weichert rät daher analog zu den ebenfalls mit einem Chip ausgestatteten E-Pässen zu einer Schutzhülle aus Aluminium, die unbefugtes Auslesen der Informationen unterbinden soll.

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