Die beste Lösung am Markt ist nicht immer die richtige

Schlechte Software-Evaluation bringt Projekte zu Fall

| Autor / Redakteur: Martin Kuppinger / Stephan Augsten

Software-Hersteller und System-Integratoren sorgfältig wählen

Wie bereits angeführt, ist ein Vertrauensvorschuss für bestimmte Hersteller durchaus zulässig. Nur ist eben nicht alles Gold, was glänzt. Das gilt auch für Software-Anbieter. Ohne Frage besitzen IBM, Microsoft, Oracle oder SAP – um nur einige zu nennen – eine starke Lobby im Unternehmen und können bereits auf viele erfolgreiche Implementierungen in verschiedenen Bereichen verweisen.

Das heißt aber noch lange nicht, dass deren Produkte auch für die neue Aufgabenstellung am besten geeignet sind. Das kann so sein, muss es aber nicht. Die Ansätze wie „Buy IBM and you won’t be fired“ (oder Microsoft oder Oracle oder SAP) sind nicht die besten Entscheidungskriterien.

Das Vertrauen auf Systemintegratoren kann auch kritisch werden. Besonders dann, wenn sie sich auch um die Implementierung kümmern sollen und nur sehr wenige Produkte eines Marktsegments in ihrem Portfolio haben – oder nur sehr wenige wirklich aktiv und regelmäßig in Projekten umsetzen.

Das Risiko, dass die Auswahlentscheidung weniger objektiv ist und nicht alle Optionen einbezieht, ist hier durchaus gegeben. Manchmal geht das gut, manchmal aber auch nicht. Grundsätzlich ist eine Trennung zwischen der Unterstützung bei der Produktauswahl und der Umsetzung sicher eine gute Idee.

Manchmal sind es eben nicht die Marktführer und nicht die Produkte im Portfolio des Systemintegrators der Wahl, die am besten zu den Anforderungen passen, sondern ganz andere Lösungen. Deshalb sollte die short list auch nicht dadurch entstehen, dass man kurz überlegt, wen man kennt, sondern mit Blick auf den Gesamtmarkt.

Aus einer solchen long list lässt sich schnell auch eine short list erstellen, indem man wenige wichtige Kriterien funktionaler und nicht-funktionaler Art (wie beispielsweise auch die Einschätzung der finanziellen Stabilität) einfließen lässt. Entscheidend ist dann aber, dass man weiß, was die Anforderungen sind und nach diesen Kriterien eine genaue Bewertung der verbleibenden Anbieter vornimmt, um sich dann sehr wenige näher anzuschauen und gegebenenfalls einen PoC (Proof of Concept) durchzuführen.

Der Aufwand für einen solchen Auswahlprozess ist, richtig gemacht, durchaus überschaubar. Das Risiko von Produktentscheidungen wird damit deutlich verringert. Dennoch wird es immer noch viel zu selten gemacht. Übrigens ändert sich das auch nicht in den Zeiten der Cloud: Denn dort geht es dann um die richtige Auswahl des Cloud-Anbieters, und auch die will wohlüberlegt sein.

Über den Autor

Martin Kuppinger ist Gründer des Analystenunternehmens Kuppinger Cole, das sich mit digitalen Identitäten, Identity und Access Management, GRC (Governance, Risk Management, Compliance ) und Cloud Computing beschäftigt.

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