Gegen den Ausfall vorsorgen und Daten absichern Schutz gegen Internetstörungen und -ausfälle

Autor / Redakteur: Christian Flock / Dr. Jürgen Ehneß

Es gibt viele Gründe, warum eine Internetverbindung in unterschiedlichen Ausmaßen gestört sein kann. Heutzutage ist ein Ausfall für Unternehmen ein großes Problem, vor dem es sich zu schützen gilt. Insbesondere das Risiko eines Datenverlustes muss minimiert werden.

Selten ist ein defektes Kabel für einen Ausfall des Internets verantwortlich. Zahlreiche weitere Gründe sind deutlich häufigere Ursachen.
Selten ist ein defektes Kabel für einen Ausfall des Internets verantwortlich. Zahlreiche weitere Gründe sind deutlich häufigere Ursachen.
(Bild: © Eigens - stock.adobe.com)

Für normale Bürger ist es meist nicht mehr als ein Ärgernis: Das Internet ist down – warum auch immer. Doch was sich für Privatmenschen nur in der Notwendigkeit niederschlägt, eine gewisse Zeit ohne Zugang zu Instagram, Netflix und Co. überbrücken zu müssen, hat für Unternehmen eine gänzlich andere Wertigkeit. Denn tatsächlich zeigt sich die Belastbarkeit der Strategie für die Business Continuity einer Firma meist nicht bei einer direkten Cyberattacke auf ihre Infrastruktur, sondern bereits beim vergleichsweise simplen Ausfall der Netzverbindung. Dahinter können vielfache Ursachen stecken, die sich jedoch auch vermeiden lassen.

1. Von der Störung bis zum Totalausfall

Die Browser auf allen Firmenrechnern zeigen plötzlich nur noch etwas an wie „Unable to connect“ oder „Keine Internetverbindung“; das Internet ist ausgefallen. Was dahinter steckt, ist zu diesem frühen Zeitpunkt jedoch selbst der IT-Abteilung meist noch nicht direkt klar. Tatsächlich gibt es drei potenzielle Szenarien, die sich vor allem in ihrer Ausdehnung voneinander unterscheiden.

Zentrale Ausfälle

Hinter einem zentralen oder auch lokalen Ausfall steckt meist eine Störung der In-House-Technik. Die Beseitigung des Problems liegt somit in den eigenen Händen. So ist man nicht auf die Schnelligkeit anderer, etwa der Reparaturteams des Netzbetreibers, angewiesen. Doch wie lässt sich ausmachen, ob nur das eigene Haus betroffen ist?

Das einfachste Mittel, um dies herauszufinden, kann es sein, schlicht in einem oder mehreren benachbarten Unternehmen oder Haushalten nachzufragen, egal, ob im eigenen Haus oder in anderen Gebäuden. Gibt es dort keine Probleme, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es nur die lokale IT-Infrastruktur betrifft. Dann muss schnellstens die Fehlersuche beginnen. Der Fokus sollte darauf liegen, folgendes zu eruieren:

  • Wann funktionierte die Verbindung zuletzt wie gehabt?
  • Gab es seitdem ein ungewöhnliches Ereignis? Ist vielleicht ein Mitarbeiter an einem Kabel hängengeblieben, oder wurde in der IT-Abteilung etwas gearbeitet/verändert?
  • Funktionieren alle in die Verbindung involvierten Bauteile (etwa Router) wie gewünscht? Im Zweifelsfall alles resetten.

Übrigens sollten diese Fragen auch gestellt werden, wenn sich herauskristallisiert, dass es kein lokales Problem ist.

Häufig sorgt der simple Reset eines Routers bereits dafür, dass die Systeme wieder funktionieren. Hilft dies nicht, muss von einem tiefergehenden technischen Problem ausgegangen werden. In diesem Fall sollten kleinere Unternehmen ohne IT-Abteilung sofort den Anbieter (bei gemietetem Equipment) beziehungsweise das jeweils verantwortliche IT-Unternehmen kontaktieren, und größere Firmen sollten alle eigenen IT-Kräfte auf Fehlersuche schicken. Die Wiederherstellung der Internet-Konnektivität muss jetzt oberste Priorität haben.

Empfehlung: Aufgrund der Wichtigkeit einer stabilen Internetverbindung sollten kritische und vergleichsweise kostengünstige Elemente wie Kabel, Router und Netzteile immer als Ersatzteile vorrätig gehalten werden – auch um die Fehlersuche durch einen schnellen Austausch zu erleichtern. Ferner sollten besonders kleine Unternehmen nicht am falschen Ende sparen, indem sie auf Consumer-Hardware setzen, sondern auch hier unternehmenstaugliche (= robustere) Lösungen präferieren.

Lokale Ausfälle

Sind auch andere Unternehmen und Gebäude in der Nachbarschaft betroffen, die ihre Netzverbindung über die gleiche Technik oder denselben Anbieter bewerkstelligen, bedeutet dies, dass man die Lösung des Problems nicht mehr in den eigenen Händen hat.

Tiefbauarbeiten spielen bei lokalen Ausfällen häufig eine Rolle. Zwar sind alle Leitungsverläufe gekennzeichnet, doch gerade mit schwerem Werkzeug passieren trotzdem oft Missgeschicke.
Tiefbauarbeiten spielen bei lokalen Ausfällen häufig eine Rolle. Zwar sind alle Leitungsverläufe gekennzeichnet, doch gerade mit schwerem Werkzeug passieren trotzdem oft Missgeschicke.
(Bild: © raisondtre- stock.adobe.com)

Lokale Ausfälle sind dabei eine sehr häufig vorkommende Variante. Häufig sind Bauarbeiten, insbesondere Tiefbauarbeiten, der Auslöser – hier kann es immer wieder unbeabsichtigt zu Beschädigungen von Leitungen kommen und die Verbindung wird unterbrochen. Ein klassischer Fall von menschlichem Versagen.

Ebenfalls möglich sind Verkehrsunfälle, bei denen die grauen Verteilerkästen (sogenannte Kabelverzweiger) in den Straßen beschädigt werden – ein ähnlich häufiges Phänomen ist mutwillige Zerstörung der Verzweiger.

Kritisch: Diese lokalen Ausfälle sind nicht selten diejenigen, deren Behebung die meiste Zeit in Anspruch nimmt, besonders im Rahmen umfangreicher Bauarbeiten.

Empfehlung: Niemals davon ausgehen, dass die Schadensverursacher von sich aus den Anbieter informieren werden; oftmals bemerken die Verursacher nicht einmal, dass sie etwas beschädigt haben. Deshalb immer die Störung sofort selbst telefonisch übermitteln, damit die Netzbetreiber Reparaturteams entsenden können.

Großflächige Ausfälle

Der in Sachen Umfang dramatischste Ausfall ist der großflächige. Hierbei sind meist ganze Stadtviertel, Ortschaften, Landkreise oder sogar übergeordnete Areale betroffen, die ohne Internetzugang sind.

In diesem Fall können ebenfalls Bauarbeiten die Ursache sein, wenn beispielsweise Glasfaserleitungen, die zu den Hauptverbindungsadern in einem Netz gehören, beschädigt werden. Allerdings kommen auf diesem Level auch häufig technische Probleme in den Verteilerzentren der Netzbetreiber hinzu. Zwar ist dort vieles auf maximale Redundanz hin ausgerichtet, jedoch ist das System nicht gänzlich frei von Fehlerquellen.

Allerdings: Auch der Breitbandausbau selbst kann für derartig großflächige Ausfälle verantwortlich sein. Gerade in ländlichen Regionen mit nur wenigen angeschlossenen Teilnehmern gibt es hier immer wieder tage- oder gar wochenlange Stockungen, die aus einer nicht fertiggestellten neuen Verbindung und einer verfrühten Abschaltung oder eines verfrühten Abbaus der alten resultieren.

Betroffene Technik

Hier kann davon ausgegangen werden, dass ungeachtet der Ausdehnung des Ausfalls immer wieder die gleichen Komponenten ausfallen:

  • Leitungsverbindungen,
  • Hardware,
  • Software.

Allerdings darf nicht vergessen werden, dass auch immer wieder eine zusammengebrochene Stromversorgung beteiligt ist, mit oder ohne tatsächliche Schäden in der eigentlichen Netztechnik.

Mögliche Datenrisiken

Je nach Art des Ausfalls resultieren daraus unterschiedliche Risiken für die Daten eines Unternehmens. Pauschal lässt sich dies folgendermaßen zusammenfassen:

Daten, die On-Premises auf einem NAS-System gespeichert sind, können als sicher angesehen werden. Zudem sind sie durch ihren Charakter meist auch bei einem externen Verbindungszusammenbruch weiterhin erreichbar. Bei einem zentralen Ausfall interner Verbindungen besteht jedoch das Risiko, dass das NAS nicht mehr von allen Rechnern erreicht werden kann. Gegebenenfalls können auch Daten, die unmittelbar während des Ausfalls übertragen wurden, verlorengehen.

Auch Daten, die in einem einzelnen Datacenter abgelegt werden, sind zwar gesichert, können aber mitunter je nach räumlicher Distanz zum Haus durch lokale, respektive großflächige Ausfälle nicht mehr erreichbar sein. Ähnlich wie bei dem NAS sind diese Systeme jedoch meist ein Single Point of Failure. Das bedeutet: Dadurch, dass Daten nicht verteilt gespeichert werden, kann ein Schaden auch große Verluste bedeuten.

Bei der Cloud multipliziert sich das Risiko für Erreichbarkeitsprobleme, da hier häufig umfangreichere Hardware-Systeme und Verbindungen zu einem großen Ganzen zusammengeschaltet sind – das zeigte sich erst jüngst beim großen Cloudflare-Ausfall. Gleichsam herrscht dadurch allerdings auch eine gewisse Redundanz, die vollständige Datenverluste unwahrscheinlicher macht.

Zusammengefasst: Dass Daten durch einen Internetausfall umfangreich „verlorengehen“, ist in der Regel nicht zu befürchten. Wohl aber, dass diese durch den Ausfall für einen nicht absehbaren Zeitraum nicht erreichbar sein werden.

2. Die Gründe hinter den Ausfällen

Wie bereits erwähnt, sind die Ursachen für die Ausfälle oftmals mit unabsichtlichen Beschädigungen verbunden; tatsächlich ist das Bild jedoch wesentlich vielschichtiger. Als Basis hierfür dient der jährlich erscheinende ENISA-Report der European Union Agency for Cybersecurity in seiner aktuellsten Veröffentlichung für das Jahr 2018.

Auch bei Providern kann Technik ausfallen – nicht immer funktioniert dort die Redundanz so, wie man es sich wünschen würde.
Auch bei Providern kann Technik ausfallen – nicht immer funktioniert dort die Redundanz so, wie man es sich wünschen würde.
(Bild: © miklyxa - stock.adobe.com)

Systemausfälle (67 Prozent)

Systemausfälle bilden dabei die bei weitem am häufigsten vorkommende Fehlerkategorie, auch im langjährigen Überblick. Das liegt nicht zuletzt daran, dass unter diesem Begriff viele Fehlerquellen zwischen dem Ausfall eines Servers bis zu Bugs in Software zusammengefasst werden.

Interessant dabei ist auch, dass dies zwar die überwältigende Mehrzahl darstellt, Systemausfälle tatsächlich jedoch nur an zweiter Stelle der aufsummierten Ausfallstunden liegen. Das hängt auch damit zusammen, dass diese Ausfälle meist direkt an der Anbieter- oder Abnehmerseite vorkommen und deshalb relativ rasch erkannt und behoben werden.

Menschliches Versagen (18 Prozent)

Eine Putzfrau, die versehentlich mit dem Staubsauger ein Kabel aus der Dose zieht, ein Baggerführer, der ein Kabel durchtrennt: Zwar mit großem Abstand, aber auf Platz zwei der Ausfallgründe liegt das klassische menschliche Versagen.

Unabhängig vom Einzelfall ist dabei, dass es sich immer um „Unfälle“ handelt, also keine böswillige Absicht dahintersteckt. Auf Platz zwei der Ausfallgründe allgemein, doch mit gerade einmal zehn Prozent Anteil an den Gesamtausfallstunden ist dieser Faktor dabei schließlich an vorletzter Stelle angesiedelt.

Von allen Naturphänomenen sind Stürme die häufigsten Auslöser für Netzausfälle – es wäre enorm teuer, sämtliche Leitungen unterirdisch zu verlegen.
Von allen Naturphänomenen sind Stürme die häufigsten Auslöser für Netzausfälle – es wäre enorm teuer, sämtliche Leitungen unterirdisch zu verlegen.
(Bild: © Sebastian Seemann - stock.adobe.com)

Natürliche Phänomene (10 Prozent)

Die Natur lässt sich nur in Grenzen kontrollieren. Und obwohl viel dafür getan wird, Netze gegen Umwelteinflüsse abzusichern, lässt sich eine gewisse Häufung der Ereignisse nicht übersehen – hier zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels, der mit seinen Phänomenen zwischen Starkwinden, schweren Schneefällen sowie ferner durch hohe Temperaturen ausgelösten Folgeschäden in der Summe für 50 Prozent aller Ausfallstunden verantwortlich ist – übrigens löste er damit 2018 erstmalig die Systemausfälle an ihrem Spitzenplatz ab.

Kriminelle Handlungen (5 Prozent)

Bislang am seltensten sind kriminelle Handlungen verantwortlich für Netzausfälle – auch was den Anteil an den Ausfallzeiten anbelangt. Hierunter fallen nicht pauschal Hackerangriffe, tatsächlich gibt es auch hier multiple Beweggründe:

  • mutwillige Zerstörung ohne besonderen Anlass, etwa Brandstiftung an einem Kabelverzweiger, Sabotage von Anbietersystemen,
  • politisch/Ideologisch motivierte Zerstörungen, beispielsweise im Rahmen einer ausufernden Demonstration,
  • Zerstörungen mit wirtschaftskriminellem Hintergrund, um etwa einen unternehmerischen Konkurrenten gezielt durch die Abtrennung vom Internet lahmzulegen,
  • (Staats-)Terroristische Akte mit dem Ziel, einer Nation tiefgreifend zu schaden.

Nicht zuletzt kann der Ausfall des Internets immer auch nur ein Kollateralschaden sein, wenn beispielsweise Kriminelle eine Stromversorgung kappen, um damit ihr eigentliches Ziel – etwa das Ausschalten einer Alarmanlage – zu erreichen.

3. Prominente Ausfälle

Man darf ohne Übertreibung davon ausgehen, dass es in jedem Augenblick auf dem Globus dutzende, wenn nicht gar hunderte Internetausfälle unterschiedlicher Ausdehnungen gibt. Besondere Prominenz erreichten jedoch unter anderem die folgenden drei Ausfälle.

Der Mirai-Angriff auf die Telekom

Die Mirai-Schad-Software ist nur eine unter vielen, die Linux-basierte Systeme infiziert und diese dann zu Botnetzen zusammenschließt. Insbesondere im Jahr 2016 wurde diese Malware mehrfach verwendet, um durch gezielte DDoS-Attacken einzelne Webseiten lahmzulegen.

DDoS-Attacken sind nach wie vor ein probates Mittel, um Ausfälle zu erzeugen. Leider auch deshalb, weil viele Systeme nicht hinreichend abgesichert sind.
DDoS-Attacken sind nach wie vor ein probates Mittel, um Ausfälle zu erzeugen. Leider auch deshalb, weil viele Systeme nicht hinreichend abgesichert sind.
(Bild: © daliu - stock.adobe.com)

Die in Sachen Ausbreitung jedoch umfangreichste Nutzung von Mirai geschah am 27. November 2016. Damals fand, nach Behauptung des Ausführenden im Auftrag eines Telekommunikationsanbieters in Liberia, ein Angriff auf Millionen von Geräten statt. Betroffen hierzulande waren ausschließlich Telekom-Speedport-Router; die Störungen reichten von massiven Geschwindigkeitseinbußen bis zu Komplettausfällen.

Die Dyn-Attacke

Einen Monat vor dem Mirai-Angriff wurde der DNS-Anbieter DynDNS ebenfalls durch einen DDoS-Angriff weitestgehend lahmgelegt. Vermutet wird, dass abermals Mirai-infizierte Botnetze dahintersteckten; eine konkrete Verantwortung konnte jedoch bis dato noch niemandem nachgewiesen werden – mehrere Gruppen, unter anderen Anonymus, beanspruchten den „Ruhm“ der Attacke für sich.

Hauptsächlich waren von der Dyn-Attacke die USA und Teile Europas (in wesentlich kleinerem Umfang) betroffen. Bemerkenswert war der Maßstab, in dem Firmen von Ausfällen berichteten: Von Airbnb und Amazon über Fox News und andere Nachrichtenanbieter bis zu Reddit, der schwedischen Regierung, Twitter und dem WCMS-Anbieter Wix.com reichte die Liste. Insgesamt umfasste sie knapp 70 einzelne Unternehmen/Dienste und ein Vielfaches ihrer Unterseiten.

Der Vodafone-Ausfall 2011

Was am 28. Februar 2011 in Großbritannien passierte, ist ein Paradebeispiel für die genannten Kollateralschäden von kriminellen Handlungen. Betroffen war der sogenannte M4-Corridor in Großbritannien, eine nach der gleichnamigen Autobahn benannte Region zwischen London und Wales, in der sich zahlreiche Unternehmen der Tech-Branche angesiedelt haben.

Was diesem Ausfall zugrunde lag, war keine bösartige Attacke, sondern vielmehr ein simpler Einbruch: Kriminelle waren in eine Verteilstation, die zu Vodafone gehörte, eingebrochen und hatten dort großflächig Hardware entwendet, um diese auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen – übrigens bei weitem nicht das erste oder einzige Phänomen dieser Art. Immer wieder kommt es beispielsweise zu lokalen und auch großflächigen Ausfällen, weil Kabeldiebe es auf Kupferleitungen abgesehen haben.

Jedes Gerät, das sich mit dem WLAN verbinden lässt, ist ein potentielles Einfallstor für Angriffe.
Jedes Gerät, das sich mit dem WLAN verbinden lässt, ist ein potentielles Einfallstor für Angriffe.
(Bild: © Viacheslav Iakobchuk - stock.adobe.com)

Werden großflächige Ausfälle häufiger?

Ja. Denn nach wie vor steigt die Bedeutung von Internetverbindungen weltweit. Hinzu kommt, dass immer mehr Dienste entstehen und andere, die bislang analog waren, auf digitale Übertragungswege umsatteln – so ist etwa das gesamte Telefonienetz der Telekom in Deutschland mittlerweile auf VoIP-Technik umgestellt worden, sodass ein Netzausfall hier praktisch automatisch auch Telefonate betrifft.

Experten sehen zudem in der starken Ausbreitung von IoT-Anwendungen eine eklatante Lücke – nicht zuletzt Mirai konnte nur deshalb so erfolgreich sein, weil es so viele ungesicherte Anwendungen gibt, die nur aus Komfortgründen mit dem Internet verbunden sind.

4. Professioneller Umgang mit Ausfällen

Ein Ausfall des Internets kann heutzutage jedes Unternehmen in mehr oder weniger großem Maße treffen; gänzlich davor absichern kann sich niemand. Dies zu akzeptieren, ist ebenso eine Notwendigkeit wie zu verstehen, dass bestimmte Ausfälle unvermeidbar sind. Daraus muss resultieren, sein eigenes Unternehmen ausreichend abzusichern.

Seine Rechte kennen

Eine Internet-Störung, die über Probleme mit eigener In-House-Technik hinausgeht, ist immer eine Sache des Providers beziehungsweise Netzbetreibers. Dass man als Unternehmer beide kennen und im Zweifelsfall auf sein Recht auf Schadensersatz pochen sollte, dürfte selbstverständlich sein.

Wichtig ist es allerdings auch zu wissen, welche Abhilfen die jeweiligen Anbieter offerieren für den Fall, dass es zu Ausfällen kommt. Sollte man am Standort die Auswahl zwischen mehreren Providern haben, sollte dies auch ein maßgeblicher Faktor für die Auswahl von einem davon sein.

Business Continuity ernst nehmen

Ein weiterer, wichtiger Faktor ist es, Business Continuity nicht nur als leeren Begriff zu betrachten, sondern Strategien für sein Unternehmen gezielt anzuwenden und anzupassen. Dazu empfiehlt sich dringend ein Blick in unseren digitalen Insider-Leitfaden, der sich mit genau diesem Problem beschäftigt und zum Budget passende Lösungen aufzeigt.

Nie auf nur einen Provider vertrauen

Wenn es bei einem Anbieter zu einem großflächigen Ausfall kommt, hat man keine redundante Möglichkeit mehr, das Internet in seinem Unternehmen zu nutzen. Falls man die Webservices im eigenen Hause hostet, haben sogar Kunden, die selbst nicht betroffen sind, keine Möglichkeit, das Unternehmen zu erreichen.

Ganz konkret ausgedrückt: Ein solcher Zustand ist eine Katastrophe und sollte nie länger als höchstens einige Minuten dauern. Er ist umso dramatischer, je mehr der Fokus der Unternehmensausrichtung auf dem Internet liegt. Das bedeutet, man sollte in jedem Fall Vorsorge treffen:

1. Es sollte immer eine Verbindung über einen zweiten Provider vorhanden sein.

2. Diese Verbindung sollte, sofern es vor Ort technisch möglich ist, über eine andere Technik bewerkstelligt werden – etwa eine Leitung über Glasfaser, die Rückfallebene über Kupfer. Sollte das (etwa im ländlichen Raum) nicht möglich sein, sollte über ein Backup via Satelliten-Internet oder Mobilfunk nachgedacht werden. Alternativ ist zu prüfen, ob einer der Anbieter Backups anbietet, bei denen das Unternehmen etwa über zwei, statt nur über einen Main-Distribution-Frame angebunden wird. Dies würde unter anderem effektiv gegen lokale Ausfälle, etwa durch besagte Baustellenschäden, schützen.

3. Es müssen die grundsätzlichen Vorbereitungen getroffen sein, um bei Ausfällen das Telefonsystem rasch und unkompliziert auf noch funktionierenden Mobilfunk weiterzuleiten.

4. Stromausfälle sollten niemals ignoriert werden. Im Unternehmen sollten dementsprechend Möglichkeiten der unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) vorhanden sein. Das Mindestmaß sind batteriegestützte USV-Geräte. Besser, weil mit größerer Nutzungsdauer versehen, sind jedoch kraftstoffgestützte Geräte, sprich Stromerzeugeraggregate auf Benzin- oder Dieselbasis.

Damit lassen sich die Risiken stark minimieren, wenngleich nicht gänzlich eliminieren. Es verbleibt ein Restrisiko.

Keine Internetverbindung zu haben, ist schon kritisch. Katastrophal ist es jedoch, wenn alle Arbeit ruhen muss, weil lokal nichts gemacht werden kann.
Keine Internetverbindung zu haben, ist schon kritisch. Katastrophal ist es jedoch, wenn alle Arbeit ruhen muss, weil lokal nichts gemacht werden kann.
(Bild: © Jelena - stock.adobe.com)

Auf interne Backups setzen

Der letzte Punkt der Absicherung umfasst die Daten selbst. Dabei erweist es sich immer wieder als Problem, dass viele Unternehmen etwa ausschließlich auf Cloud-Computing setzen. Denn so nützlich und sinnig die Cloud ist, sie verdoppelt auch das Risiko, zum Opfer von Ausfällen zu werden – nicht nur im geographisch eigenen Bereich, sondern im Falle von Cloud-Hosting auch dort, wo sich die Hosts befinden.

Das einzige, was noch schlimmer ist, als nicht mehr über das Internet erreichbar zu sein, ist es, wenn das Unternehmen gar nicht mehr lokal arbeiten kann, weil alle Daten, Programme und so weiter über die Cloud laufen.

Zumindest für die kritischsten Systeme sollte es deshalb grundsätzlich interne Backups geben, sodass man im Fall der Fälle switchen kann und zumindest die Kernfunktionalität des Unternehmens gewahrt bleibt. Das muss nicht bedeuten, dass alles lokal auf jedem Rechner vorhanden sein muss. Es genügt, wenn es in räumlicher Nähe auf einem Server vorhanden ist, der direkt abgerufen werden kann, nicht nur über Internetdienste.

Fazit

Internetausfälle können nie vollständig ausgeschlossen werden. Zudem geschehen sie tendenziell auch immer häufiger. Für eine echte Business Continuity ist es deshalb zentral wichtig, dieses Thema niemals auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern die gesamten Prozesse so anzupassen, dass im Fall der Fälle ohne Mühen und Datenverluste eine Alternative zur Verfügung steht. Dann – und nur dann – kann man zumindest größere Ausfälle sogar zu seinem Vorteil nutzen, weil man dort weitermachen kann, wo die Konkurrenz durch den Ausfall tatsächlich gelähmt wird.

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