Videoüberwachung Städte sicherer machen

Autor: Susanne Ehneß

Kann physikalische Sicherheit Kommunen und Polizei entlasten und gleichzeitig das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung stärken? Darüber sprachen wir mit Christian Ringler von Milestone Systems.

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„Die intelligente Videoüberwachung ist aus den Städten der Zukunft nicht wegzudenken“
„Die intelligente Videoüberwachung ist aus den Städten der Zukunft nicht wegzudenken“
(Bild: © Milestone Systems)

Müssen Städte und Kommunen stärker in Videoüberwachung investieren?

Ringler: Tatsächlich sollten sich Städte und Kommunen überlegen, stärker in Videoüberwachung zu investieren. Zwar sind Videokameras im öffentlichen Raum längst keine Zukunftsmusik mehr und in Großstädten immer häufiger zu sehen, doch längst nicht überall. Menschen fühlen sich sicherer, wenn Kameras das Geschehen auf den Straßen mitverfolgen. Das belegen zahlreiche Umfragen.

So werden im Schweizer Kanton Genf seit 2014 in einem Problemviertel insgesamt 15 Straßen von 29 Kameras überwacht. Rund ein Drittel der dort befragten Personen fühlt sich seitdem nachts im überwachten Gebiet sicherer. Über die Hälfte der Befragten ist sogar für eine Ausweitung der Videoüberwachung.

Und auch in Deutschland wird ­Videoüberwachung von der Bevölkerung immer mehr akzeptiert. In öffentlichen Verkehrsmitteln kommt sie nun schon seit einigen Jahren zum Einsatz, um Passagieren eine sichere Umgebung zu bieten oder bei der Zuordnung von Fundsachen zu helfen. Gleichzeitig lassen sich auch Straftaten oftmals deutlich einfacher und schneller aufklären.

Inwiefern können Öffentliche Verwaltungen und Einrichtungen, etwa Polizei, von einer stärkeren Videoüberwachung profitieren?

Ringler: Kameras in Städten führen nicht nur dazu, dass sich Menschen sicher fühlen, sie helfen, wie schon erwähnt, auch bei der Aufklärung von Straftaten. Videokameras in Kombination mit einer intelligenten Videomanagementsoftware bieten zum Beispiel die Möglichkeit der Gesichtserkennung. Die von der Software erkannten Gesichter werden mit den Einträgen in Datenbanken abgeglichen. Straftäter können so schneller überführt werden.

Daneben kann die Polizei im Ernstfall eine Straftat durch Videoüberwachung schneller lokalisieren und vor Ort helfen. Dafür bräuchte es ein großes Netz von IP-Kameras, die über die ganze Stadt verteilt sind und von einer Videomanagementsoftware live gesichtet und ausgewertet werden. Bei Auffälligkeiten schlägt diese Alarm.

Der Einsatz von Videokameras und Videomanagementsoftware hilft also dabei, Ressourcen zu sparen. Denn während die Technik das Sichten und Auswerten von Videomaterial übernimmt, Polizeikräfte hier also entlastet werden, können diese mehr Präsenz auf den Straßen zeigen und sind in kritischen Situationen schnell und an der richtigen Stelle einsatzbereit. Zusätzlich wird der Bevölkerung durch die sichtbare Polizeipräsenz ein sicheres Gefühl gegeben, womit Straftaten ebenfalls ein Stück weit vorgebeugt wird.

Auf der nächsten Seite: Dass Videoüberwachung durch ihre präventive und repressive Wirkung zu einer tatsächlichen Verbesserung der Sicherheit führt, wird oft angezweifelt.

Dass Videoüberwachung durch ihre präventive und repressive Wirkung zu einer tatsächlichen Verbesserung der Sicherheit führt, wird oft angezweifelt. Was sagen Sie dazu?

Interviewpartner: Christian Ringler
Interviewpartner: Christian Ringler
(Bild: Milestone Systems)

Ringler: Es ist tatsächlich schwierig, mit Videoüberwachung im Ernstfall Straftaten zu vermeiden. Denn ein potenzieller Straftäter lässt sich nicht unbedingt von Kameras abhalten. Doch mit einer gut ausgebauten Sicherheitsstruktur, zu der sowohl Videokameras als auch eine intelligente Videomanagementsoftware gehören, lassen sich Straftaten sehr viel schneller und einfacher aufklären.

In Zukunft wird es aber auch immer wichtiger werden, mithilfe von Videoanalyse, Personen und Szenarien im Vorhinein zu identifizieren, um bereits im Vorfeld geeignete Maßnahmen zum Beispiel zur Terrorprävention einleiten zu ­können.

Welche Zertifizierungen oder Anforderungen müssen Kameras und Videosoftware erfüllen, um für öffentliche Ausschreibungen in Frage zu kommen?

Ringler: Weder für Kameras noch für Videomanagementsoftware gibt es besondere Anforderungen. Allerdings gibt es die „UVV-Kassen Zertifizierung“, welche nicht überall Pflicht ist, aber von vielen Kunden vor allem bei öffentlichen Ausschreibungen, gefordert wird.

Dieses Testsiegel wird von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) vergeben und stellt sicher, dass die Produkte die Mindestanforderungen erfüllen. Somit bietet es einen guten Orientierungsrahmen, wenn es um die Bewertung der Technik geht.

Natürlich ist es aber wichtig, dass eingesetzte Kameras den Mindeststandard der IT erfüllen und gegen Hackerangriffe geschützt werden können. Was die Software angeht, gibt es gewisse Standards zur Orientierung, etwa die des ONVIF (Open Network Video Interface Forum). Dieses 2008 gegründete Forum hat es sich zum Ziel gesetzt, einen globalen Schnittstellenstandard für IP-basierte Sicherheitsprodukte zu schaffen.

Die meisten Hersteller von IP-Video- und Überwachungstechnikprodukten unterstützen heute das ONVIF. Außerdem ist natürlich auch das Thema Datenschutz in Deutschland nach wie vor ein wichtiges und heikles Thema, dessen Anforderungen Videoüberwachungssysteme gerecht werden müssen.

Wie sieht eine aus Ihrer Sicht optimale Sicherheitsstruktur in Städten aus?

Ringler: Ein Schlagwort des zukünftigen urbanen Lebens ist sicherlich das der „Smart City“ – der vernetzten und intelligenten Stadt. Diese setzt voraus, dass die Städte ausgestattet sind mit einem Netz aus Videokameras, das von einer IP-basierten Videomanagementsoftware gesteuert, beobachtet und ausgewertet wird.

Zugriff auf die Videoüberwachung über den Smart Client
Zugriff auf die Videoüberwachung über den Smart Client
(Bild: Milestone Systems)

In einer Smart City sind Kameras und Software so gut miteinander verknüpft, dass sie das Leben der Menschen erleichtern und sicherer machen. So können beispielsweise mittels Kennzeichenerkennung im Traffic Management Unfallgeschehen genau nachvollzogen und Straftaten aufgeklärt werden. Zusätzlich kann die Auswertung von Verkehrsmustern für Straßenplanungsmaßnahmen sehr hilfreich sein.

Ein intelligentes Parkraummanagement, das mit IP-basierter Videotechnik realisierbar ist, ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich im urbanen Raum hochmoderne Technologie mit dem Anspruch an ein hohes Sicherheitslevel und Bürgerorientiertheit verknüpfen lassen. So kann ein Videosignal etwa Auskunft über den Status eines Parkplatzes geben (frei/belegt) oder der sogenannte Car-Finder mithilfe von Kennzeichenerkennung bei der Suche nach dem eigenen Auto in einem großen Parkhaus helfen.

Gleichzeitig wirkt eine lückenlose Videoüberwachung abschreckend auf Straftäter und liefert im Ernstfall die entsprechenden Beweisbilder. Für die Zukunft ist auch an Zugangskontrollen mithilfe von ­Videotechnik in großen Gebäudekomplexen zu denken. So ist es etwa möglich, dass nur Fahrzeugen, deren Kennzeichen am Eingang der Tiefgarage erkannt wird, die Zufahrt gewährt wird.

Wie all diese Beispiele zeigen, trägt Videoüberwachung in Kombi­nation mit intelligenter Software erheblich zur Sicherheit im öffentlichen Raum bei. Sie entlastet Polizeikräfte und verkürzt Reaktionszeiten bei Übergriffen, sodass in Notfällen schnell und effektiv gehandelt werden kann.

Da die Sicherheitsanforderungen an die Städte in Zukunft weiterhin wachsen werden, ist die intelligente Videoüberwachung meiner Meinung nach aus den Städten der Zukunft nicht wegzudenken. Denn Ziel muss es schließlich sein, weiterhin ein hohes Sicherheitsniveau garantieren zu können.

Das Interview führte Susanne Ehneß

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