Blog: Was bedeutet die von Microsoft geplante SSH-Unterstützung für Windows?

06.07.2015

Microsoft kündigt die Entwicklung einer nativen SSH-Lösung für Windows an.

Anfang Juni wurde bekannt, dass Microsoft die Entwicklung eines nativen SSH-Clients und -Servers für die Windows-Plattform plant. Nutzer müssen dann nicht mehr auf Drittanbieter-Produkte zurückgreifen und die Verwaltung von Netzwerken, die sowohl Windows- als auch Linux-Systeme umfassen, wird einfacher.

Über das SSH-Protokoll können Nutzer remote textbasierte Shell-Sessions initiieren, die Informationen werden durch Verschlüsselung geschützt. Darauf aufbauend können verschiedene Aktivitäten ausgeführt werden, wie zum Beispiel sichere File Transfers. Setzt Microsoft seine Ankündigung um, können Dateien dann auch nativ mit SCP übertragen werden.

Microsoft hat festgestellt, dass es viele Anbieter von SSH-Tools für Linux gibt, während für Windows-Rechner wesentlich weniger Optionen angeboten werden. Daher hat das Unternehmen bestätigt, dass sein PowerShell-Team die OpenSSH-Community unterstützen und selbst dazu beitragen wird, eine native Windows-SSH-Lösung zu liefern.

Klappt’s beim dritten Anlauf?

In einem Blog-Beitrag erklärt Angel Calvo, Group Software Engineering Manager im Microsoft PowerShell-Team, dass die Entscheidung auch Folge des Bestrebens Microsofts ist, kundenorientierter zu agieren und dem Anwender-Feedback mehr Beachtung zu schenken. Eine einfache Integration von SSH in Windows-Shell-Sessions gehört laut Calvo zu den meistgestellten Anfragen an das PowerShell-Team.

Es ist nicht der erste Versuch von Microsoft, natives SSH auf der Windows-Plattform umzusetzen. Nach Aussage von Calvo hat das Unternehmen den Versuch bereits zweimal zuvor unternommen, aber die Bemühungen, eine Lösung als Teil von PowerShell V1 und V2 zu entwickeln, wurden verworfen.

Das Unternehmen ist indes optimistisch, dass der dritte Versuch zum Erfolg führen wird, Calvo bezeichnet die starken Veränderungen in Bezug auf Führung und Unternehmenskultur sowie den klaren Kundenvorteil als treibende Kräfte hinter dem Projekt.

Ein De-Facto-Standard

Microsoft wiedererstarktes Interesse an dem Protokoll ist ein interessanter Schritt in der Entwicklung von SSH-Lösungen, er spiegelt eben auch wachsendes Interesse vonseiten der Anwender wider.

Stellt das Unternehmen dafür viele Ressourcen zur Verfügung, könnte das ein Indikator dafür sein, dass SSH schnell zum De-facto-Standard für sicheren Fernzugriff auf Windows-Systeme wird – was das Protokoll bei Unix-basierten Systemen schon seit einiger Zeit ist.

Es gibt noch keine zeitliche Planung für das Release einer nativen Windows-SSH-Lösung, Calvo betont, man sei noch in der frühen Planungsphase. Ich jedenfalls bin gespannt auf die die Entwicklungen der nächsten Monate und verfolge diese mit Interesse.


von Marcel Mock, CTO