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Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 104

Unified Communications & Collaboration – Kommunikation High-end

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Groove vs. SharePoint

Der Vergleich von Groove mit einer zentralen Lösung wie Micosoft SharePoint zeigt, dass Groove wesentlich leistungsfähiger ist, weil die Funktionen deutlich umfangreicher sind und auch ergänzt werden können. Sharepoint kann übrigens als besonderer Workspace-Typ integriert werden.

Groove kann auch mit anderen Systemen kombiniert werden, wie z.B. einer externen Videokonferenzlösung.

Sieht man sich allerdings einen typischen Groove Bildschirm an, sieht man sofort, dass es schon ein 20 Zoll-Schirm sein sollte, sonst geht ein Teil der verschiedenen Informationen einfach unter. ComConsult Research hat das Produkt getestet und die Erfahrungen in den ersten sechs Wochen Produktivbetrieb sind überzeugend, die Grundidee ist gut. Die Kombination aus Speicher und Funktionen ist ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung. Die dezentrale Speicherung ist einem zentralen Ansatz deutlich überlegen. Die Ergänzung mit einem Video-Konferenzsystem ist erforderlich. Allerdings ist die Synchronisations-Performance nicht wirklich Realzeit und der Service des Herstellers langsam.

Online-Kooperation

Kommen wir zur Online-Kooperation. Sie geht zurzeit funktional immer mehr in Richtung des Ersatzes lokaler Besprechungen, was ja, wie eingangs dargestellt, eine sehr lohnende Angelegenheit sein kann. Die Funktionsbereiche können in Analogie zur Offline-Kollaboration folgendermaßen gegliedert werden:

  • Basics und Meeting-Koordination
  • Konferenz
  • Präsentation
  • Application Sharing

Ein genereller Trend ist der Übergang zur Mehrpunkt-Konferenz, wobei Video in den nächsten Jahren eine immer dominantere Rolle einnehmen wird. Mittelfristig wird die Funktionalität in den Arbeitsplatz eingegliedert werden und definitiv das Telefon ablösen. Um die Applikations-Vielfalt zu unterstützen, wird der Trend auf Dauer zum Softphone gehen.

Generelles heutiges Problem ist die Bandbreite, die schon bei einer Zweierkonferenz zum limitierenden Faktor werden kann. Entscheidend ist die Kombination aus Codec und lokaler Rechenleistung. Für die volle Funktionalität muss eine Bandbreite von 1 bis 2 Mbps pro Verbindung zur Verfügung stehen. Erst neue Standards wie H.264 könnten die Situation verbessern.

Wir haben ja gesehen, dass die Weitverkehrsnetze zurzeit auch einer erheblichen Wandlung unterzogen sind und sich die Probleme mit der zunehmenden Verbreitung und den entsprechenden Anforderungen lösen lassen werden. Außerdem gibt es erhebliche lokale Unterschiede. Mit der flächigen Einführung von DSL hat man aber gesehen, wie schnell eine Zugangstechnologie hochgerüstet werden kann, wenn der Bedarf in der Breite vorhanden ist. Die Backbones selbst könnten heute schon theoretisch jeden Telefon- und Internet-Teilnehmer mit hinreichender Leistung versorgen. Probleme gibt es zurzeit beim Zugangsbereich und den entsprechenden Geschäftsmodellen.

Steht für eine längere Zeit wirklich keine nennenswerte Bandbreite zur Verfügung, können WAN-Optimizer wie Peribit, bessere Codecs und eine Trennung von Dokumenten (die sozusagen vorher mit E-Mail oder einem anderen geeigneten System verschickt und verteilt werden) von der eigentlichen Konferenz eine erhebliche Hilfe darstellen.

Tests von Online-Kollaborationstools gestalten sich schwierig, da verschiedene Komponenten wie Audio-Karten, Video-Karten, Kameras, Headsets oder eine schlichtweg zu geringe Rechenleistung das Ergebnis massiv beeinflussen können. Hier wird klar sichtbar, dass es sich noch um eine junge Technologie handelt, die sich, um es einfach zu sagen, noch im „Bastelstadium“ befindet. Wir haben aber bei anderen Bereichen gesehen, wie schnell sich solche Probleme erledigen können. Wesentlich ist hier das Interesse des Privatmarktes. Es ist zu befürchten, dass sich ohne die Begeisterung hinreichend vieler Privatpersonen für derartige Lösungen zu geringen Kosten zunächst nicht die Stückzahlen entwickeln werden, die für eine günstige und generell funktionierende Lösung notwendig sind. Aber es gibt einen erheblichen Trend in dieser Richtung. Was passiert, wenn sich der Privatmarkt entfaltet, kann man z.B. an den Digitalkameras sehen.

Bisher dominieren herstellerspezifische und Provider-basierte Produkte den Markt, wobei allerdings vielfach wichtige Funktionen, wie z.B. die Mitschnitt-Funktion bei Präsentationen, fehlen.

Es ist nicht Absicht dieses Abschnitts, Bewertungen einzelner Produkte vorzunehmen. Es zeichnen sich zurzeit weder wirklich eindeutige Entwicklungslinien ab noch eine Produktdominanz. Das liegt auch daran, dass der gesamte Bereich der mobilen Endgeräte noch gar nicht betrachtet wurde, aber gerade Hersteller wie Nokia haben aufgrund von Anforderungen lokaler Märkte hier noch einiges in der Entwicklungs-Pipe.

So ist z.B. in Japan das Handy-Videotelefonieren schon seit einiger Zeit Standard und es bestehen entsprechende Bandbreiten für die mobile Zugangstechnik. Auf dieser Basis lassen sich natürlich auch schöne integrierte Lösungen vorstellen, aber es wird noch mindestens zwei Jahre dauern, bis wir da ein klareres Bild bekommen. Ein ernsthafter Interessent hat heute nur die Möglichkeit, einfach ein paar Produkte auszuprobieren.

Bei den stationären Lösungen wird SIP eine neue Basis schaffen und H.264 wird Bandbreitenprobleme mindern.

In Zukunft wird Kollaborationstechnologie Normalität an jedem geeigneten Arbeitsplatz werden. Die Konzept- und Produktsituation sind vergleichbar mit E-Mail vor 15 Jahren. Und da hat es ja auch am Ende gut funktioniert.

weiter mit: Konsequenzen

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