Industrie und Anbieter müssen gemeinsam für Sicherheit sorgen Unternehmen sind noch Jahre auf Windows XP angewiesen

Autor / Redakteur: Udo Schneider / Peter Schmitz

Der Support für Windows XP ist beendet und noch immer sind rund ein Fünftel aller PCs weltweit damit ausgestattet. Was ist los? Sind die Anwender zu sorglos oder einfach zu naiv, um zu verstehen, dass hier ein massives Sicherheitsproblem lauert? Ein Kommentar von Sicherheitsspezialist Udo Schneider, vom IT-Sicherheitsanbieter Trend Micro.

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Seit 8. April 2014 ist der offizielle Support von Microsoft für Windows XP beendet. Viele Unternehmen können dennoch nicht vom 13 Jahre alten Betriebssystem lassen und müssen sich jetzt Gedanken um dessen Sicherheit machen.
Seit 8. April 2014 ist der offizielle Support von Microsoft für Windows XP beendet. Viele Unternehmen können dennoch nicht vom 13 Jahre alten Betriebssystem lassen und müssen sich jetzt Gedanken um dessen Sicherheit machen.
(Bild: Microsoft / VBM)

Es mag sicher einige Unternehmen geben, auf die der Vorwurf der Sorglosigkeit zutrifft. Wer damit jedoch das Problem abtut, verkennt, dass viele Unternehmen vielleicht sogar noch Jahre auf Windows XP angewiesen sein werden. Und diese Unternehmen sind weder zu sorglos noch zu naiv. Die IT-Sicherheitsbranche muss umdenken!

Steuerungsrechner und -software auf der Basis von Windows XP finden in der Industrie, aber auch im Dienstleistungssektor – man denke nur an die Selbstbedienungsautomaten in Bankfilialen – breite Verwendung. Und dort hat das Ziel eines unterbrechungsfreien Betriebs oberste Priorität.

Was auf dem Rechner zu Hause als ein triviales Problem erscheint – die Funktion „Autoupdate“ sorgt dafür, dass das Betriebssystem stets auf dem aktuellen Stand ist –, stellt die IT-Verantwortlichen selbst im administrativen Bereich ihrer Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Denn Unternehmen können Aktualisierungen und Patches zum Schließen von bekannt gewordenen Sicherheitslücken nur nach einem festen Zeit- und Ressourcenplan einspielen, der Angreifern viele Möglichkeiten für Infektionen lässt.

Und im Produktionsumfeld können manche Systeme – hier laufen sogar noch Windows-2000-Steuerungsrechner – erst dann ausgetauscht werden, wenn der Maschinenpark erneuert wird. Hier bestimmt der Lebenszyklus der Maschine den Zeitplan, nicht der des Betriebssystems. Denn die mit der rein softwarebedingten Unterbrechung verbundenen Kosten sind einfach zu groß.

Die Kanzlerin hat Recht

Bei ihrer Eröffnungsrede auf der Hannover Messe 2014 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert, dass die IT-Branche und die Industrie stärker als bisher aufeinander zugehen sollten. Laut Medienberichten sagte sie wörtlich: „Vertragen Sie sich, seien Sie neugierig auf das, was kommt, und hängen Sie nicht zu sehr an Ihren alten einzelnen Branchen.“

Das war zwar vor allem auf die Digitalisierung der Produktion und eine erhoffte Aufholjagd der europäischen ITK-Branche im globalen Wettbewerb gemünzt, trifft jedoch auch auf die Sicherheitsthematik zu. Denn mehr Vernetzung in der Fabrik bedeutet auch mehr Gefahren für das geistige Eigentum. Umgekehrt heißt das aber auch, dass die IT- und speziell die Sicherheitsanbieter stärker auf die Bedürfnisse der Industrie bei der Entwicklung ihrer Lösungen und Services Rücksicht nehmen müssen.

Sichtbarstes Zeichen, dass hier noch einiges im Argen liegt, ist die jüngste Kontroverse zum Supportende von Windows XP, die sich auf der diesjährigen CeBIT entsponn. Dort wurde von einigen behauptet, nur wer zum Umstieg auf eine neuere Betriebssystemversion rate, handele seriös – angesichts der damit verbundenen Schwierigkeiten für die Unternehmen ein höchst fragwürdiger Ratschlag.

Oft lautet das Gegenteil von „gut“ eben „gut gemeint“. Oder wie unser CTO Raimund Genes es ausdrückte: „Wir unterstützen Windows XP noch bis 2017 – und tun das zum Beispiel für Kunden wie Siemens, statt sie zu einem Umstieg auf ein System zu drängen, das nicht ihren Vorstellungen entspricht. Das nenne ich seriös.”

Was Anbieter und IT-Sicherheitsfirmen jetzt tun sollten

Mit einer Verlängerung des Supports allein ist es jedoch nicht getan. Vielmehr müssen IT-Sicherheitsanbieter zusätzlich Produkte und Lösungen entwickeln, die auf die besonderen Bedingungen in der Industrie zugeschnitten sind und die Unternehmen auf ihrem Weg in die digitalisierte und vernetzte Produktion und Dienstleistung begleiten.

Ein Beispiel hierfür ist das Industrie-4.0-Lösungsangebot von Trend Micro, das aktuell um die zwei Komponenten „Trend Micro Portable Security“ und „Trend Micro SafeLock“ erweitert wurde. Beide Module wurden speziell für nicht vernetzte Umgebungen, Maschinen und Steuerungsanlagen konzipiert.

Aber auch die Unternehmen, die weiterhin Windows-XP-Systeme einsetzen müssen, sollten ein paar Maßnahmen beherzigen, mit denen sie das damit verbundene Risiko reduzieren können:

  • 1. Wo immer möglich, sollten die verwendeten Windows-XP-Umgebungen virtualisiert werden. Dies bietet eine zusätzliche Sicherheitsschicht, die selbst abgesichert werden kann, und erleichtert das Management.
  • 2. An der Stelle im Netzwerk, an der die Windows-XP-Systeme angebunden sind, sollte der Domain Controller ausschließlich im Lesemodus betrieben werden. Dadurch lassen sich die Windows-Maschinen weiterhin aus der Ferne verwalten und warten, gleichzeitig sinkt das Infektionsrisiko in anderen Teilen des Netzwerks.
  • 3. Die Sicherheitseinstellungen der Gruppenrichtlinie für die vorhandenen Windows-XP-Systeme sollten das höchstmögliche Niveau haben. Es empfiehlt sich daher, die Einstellungen der „Specialized Security – Limited Functionality (SSLF)“-Gruppenpolicy anzuwenden.
  • 4. Wo immer möglich, sollte die Kommunikation von Windows-XP-Maschinen mit externen Netzwerken unterbunden werden. Falls dies nicht möglich ist, sollten Web-Proxies oder Application-Layer-Firewalls eingesetzt werden.
  • 5. Der Internet Explorer 8 sollte auf den Windows-XP-Rechnern dann und nur dann genutzt werden, wenn die damit geöffnete Webseite nicht durch einen anderen Browser angesteuert werden kann.
  • 6. Ergänzend zu den auf den Windows-XP-Rechnern installierten Sicherheitslösungen sollten IPS-Lösungen („Intrusion Prevention Systems“) die Aktivitäten im Netzwerk überwachen, um das Eindringen von Schadcode zu verhindern.

Dabei gilt es immer zu bedenken, dass auch die beste Technik hundertprozentige Sicherheit nicht garantieren kann. Wer dies behauptet, ist unseriös. Sicherheitsprodukte und -lösungen müssen deshalb immer Teil einer Sicherheitskultur und entsprechender Prozesse in den Unternehmen sein. Auch hier können IT-Anbieter und Industrieunternehmen sehr viel voneinander lernen.

Weitere Informationen zum Thema Windows XP und die Sicherheit sind in der Trend Micro-Broschüre „Ein Leben nach Windows XP“ (pdf) zusammengefasst.

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